1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Klinsmann und Südkorea beim Asien-Cup: Nicht schön, aber magisch

Kommentare

Haben Grund zur Freude: Jürgen Klinsmann (rechts) und die Spieler Südkoreas.
Haben Grund zur Freude: Jürgen Klinsmann (rechts) und die Spieler Südkoreas. © AFP

Als Trainer Südkoreas ist Jürgen Klinsmann vor der Asienmeisterschaft angezählt worden - doch plötzlich ist der Turniersieg drin

Vor wenigen Wochen hatten südkoreanische Medien noch großen Gefallen daran, über Jürgen Klinsmann zu mosern. Die Mannschaft spiele schlechten Fußball, war zu lesen, und dies bei diesem herausragenden Kader. Als die Truppe sich dann mit zwei Unentschieden eher schlecht als recht durch die Gruppenphase gequält hatte, galt auch diese Asienmeisterschaft – die seit dem 12. Januar in Katar läuft – fast schon wieder als gescheitert. Zumal: Im Achtelfinale gegen Saudi-Arabien lag Südkorea lange hinten. Ebenso im Viertelfinale gegen Australien. Meistens sah es nicht gut aus.

Mittlerweile aber kann Jürgen Klinsmann, der Südkorea seit einem knappen Jahr trainiert, ein bisschen drüber lachen. „Ich will es nicht jedes Mal so spät machen, glauben Sie mir“, erklärte der 59-jährige Schwabe am Freitag nach dem knappen 2:1-Sieg gegen Australien in der Verlängerung. „Aber vielleicht ist das unsere Story bei diesem Turnier.“ Die Medien des Landes sind mittlerweile jedenfalls begeistert. Die Nachrichtenagentur „Yonhap“ erwähnt zwar, der Fußball sei nicht schön anzusehen, schwärmt aber von einem „magischen Ritt.“ Der lang ersehnte Turniersieg scheint nun endlich nah.

Denn im Fußball – einer der beliebtesten Sportarten in Südkorea – zählt das Land zwar zu den Großmächten Asiens. Aber die Asien-Meisterschaft gewann es zuletzt 1960. Es ist ein Triumph, an den sich nur noch Senioren im Land erinnern können. Jüngere Menschen haben die Finalniederlage 2015 gegen Australien erlebt, sowie das jeweilige Scheitern im Halbfinale 2007 und 2011 – nachdem Südkorea bei der WM daheim 2002 doch überraschend das Halbfinale erreicht hatte. Seit Jahren ist man sich hier einig: Es sei dringend Zeit, dass Südkorea endlich wieder Asiens Nummer eins wird.

Um dies zu erreichen, hat der Koreanische Fußballverband vor einem knappen Jahr Jürgen Klinsmann geholt. Anfangs galt die Verpflichtung als Sensation, Zeitungen schwärmten von der „deutschen Ikone.“ Doch seither hat sich Ernüchterung breitgemacht. Von den ersten fünf Spielen mit Klinsmann als Trainer konnte Südkoreas Auswahl kein einziges gewinnen, nicht einmal El Salvador wurde besiegt, gegen Peru gab es eine Niederlage. Die folgenden sechs Spiele gewann Klinsmann dann allesamt – allerdings gegen nominell unterlegene Mannschaften wie Vietnam, Singapur, China oder Irak. So war Klinsmann schon vor Turnierbeginn angezählt.

Der wiederum hat – kennt man von ihm – emotional reagiert. „Du kannst alle vier Spiele am Anfang gewinnen und es wird trotzdem noch Kritik geben, an der Art zu spielen, an der Art zu wechseln.“ Ihm mache das nichts aus, beteuerte Klinsmann im September, als schon über seine Entlassung spekuliert wurde.

Schnippischer Klinsi

An der Lage des südkoreanischen Fußballs generell liegt es jedenfalls kaum, dass die Nationalmannschaft unter Klinsmann bisher nicht überzeugen konnte. In mehreren europäischen Topligen zählen Südkoreaner zu den Leistungsträgern: In der Bundesliga ist da Minjae Kim, Verteidiger bei Bayern München. In der Premier League führt der Stürmer Heungmin Son Tottenham Hotspur an. Kangin Lee gilt bei Paris St. Germain als Rohdiamant im Mittelfeld. Aufgefüllt wird der Kader mit Stammspielern europäischer Erstligisten und Leistungsträgern südkoreanischer Klubs.

Außerdem: Im vergangenen Sommer holte Südkorea bei den Asian Games, einer Art olympischer Spiele für Asien, Gold im Fußball. Dort war es allerdings die U23, die antrat, angeführt von Wooyeong Jeong, der zur aktuellen Saison vom SC Freiburg zum VfB Stuttgart wechselte. Der Erfolg bei den Asian Games – im Finale gegen Südkoreas Erzrivalen, die einstige Kolonialmacht Japan – besänftigte die Menschen. Nur gelang dieser Erfolg eben nicht Jürgen Klinsmann, für die Fallhöhe noch tiefer geworden ist.

Denn jeder weiß: Die aktuelle Generation von Südkoreanern zählt tatsächlich zu dem Besten, was Asien zu bieten hat. Wobei Klinsmann auch fernab des Sportlichen für Kritik gesorgt hat. Der Koreanische Verband wünscht es sich von seinen Trainern, dass diese im Land leben. Klinsmann aber hat sich über die ersten Monate seiner Tätigkeit viel im Ausland aufgehalten – ein Muster, das auch zu seiner Zeit als deutscher Teamchef von 2004 bis 2006 auffiel, als er vorzugsweise in Kalifornien wohnte. In Südkorea darauf angesprochen, reagierte er schnippisch: Dann werde er die Spieler, die in Europa spielen, eben nicht ansehen.

Aber Klinsmann, der bei der WM 1994 ein Traumtor gegen Südkorea schoss, an das man sich im ostasiatischen Land bis heute erinnert, scheint gelernt zu haben. Vor der Asien-Meisterschaft hat er nicht etwa die Medien für ihre Kritik an ihm zurückkritisiert. Stattdessen holte er Mitte September zu einem patriotischen Aufruf aus, alle im Land mögen doch bitte an einem Strang ziehen: „Es ist wichtig, dass alle eine positive Stimmung bilden. Die Fans, die Medien und natürlich das Team.“

Im Vorfeld eines Turniers sei dies für eine Mannschaft von großer Bedeutung, betonte der Mann, der als Spieler zu den Besten der Welt gehörte und als Trainer den Ruf eines erfolgreichen Einpeitschers hat. Und wenn es dann doch nicht gelingt mit dem Turniersieg? Klinsmann: „Dann gibt es genug Zeit, den Trainer zu kritisieren oder zu feuern oder was immer ihr wollt.“

Auch interessant

Kommentare

Teilen