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Charity-Turnier

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  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Wie die beiden Ex-Bundesligaprofis Maik Franz und Sami Allagui mit einem virtuellen Fußballturnier Kindern aus schwierigen Verhältnissen helfen wollen.

Maik Franz ist das, was man ein Raubein nennt, Oder besser; nannte. Er ist längst kein Raubein mehr, das war er früher, und was für eines. Verteidiger in der Bundesliga, beim VfL Wolfsburg, Karlsruher SC, Eintracht Frankfurt und Hertha BSC, bald 200 Spiele lang hatte er den gegnerischen Stürmern die Knochen poliert, knallhart und manchmal auch ein bisschen fies. Nationalspieler Mario Gomez hat nach einem Scharmützel über Maik Franz mal öffentlich gesagt, er sei „ein Arschloch, einfach ein unfairer Spieler“. Maik Franz liebte es zu seiner aktiven Zeit, das ugly game zu spielen mit Trashtalk, Provokationen, kleinen Fouls und vielen Unappetitlichkeiten. „Iron Maik“ war sein Spitzname und er trug ihn mit Stolz. Aber eigentlich ist er, jenseits des Spielfeldes, ein ziemlich netter Kerl.

Maik Franz: Tritt auf Alteisen

Trotzdem hätte er sich nicht gewundert, wenn er von seinen malträtierten ehemaligen Gegenspielern einen Korb bekommen hätte, so nach dem Motto: „Hör mal, früher hast du getreten wie auf Alteisen und jetzt willst du was von mir.“ Aber das Gegenteil war der Fall.

Das mag mit dem Anlass zu tun haben. Maik Franz, inzwischen 39 Jahre alt und seit sieben Jahren kein grimmiger Wadenbeißer mehr, will Gutes tun, Geld sammeln, das der Organisation Arche Deutschland, dem christlichen Kinder- und Jugendwerk, zur Verfügung gestellt werden soll.

My Jersey for Kids

Dazu hat er mit seinem ehemaligen Mitspieler Sami Allagui, ebenfalls langjähriger Bundesligaprofi, allerdings Stürmer, eine Aktion ins Leben gerufen, die sich dem Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen verpflichtet fühlt. „MJ4K – My Jersey 4 Kids“ heißt die Initiative. Und sie hat natürlich viel mit Fußball zu tun. Mit Online-Fußball im weitesten Sinne, selbst wenn auf dem Bildschirm kein Fußball zu sehen sein wird.

Neymar und Xavi, Prince Boateng und Erling Haaland

Die zwei Initiatoren haben seit Weihnachten, als die Idee geboren wurde, allerhand Profifußballer angefragt, ehemalige Weggefährten und aktuelle Bundesligakicker, internationale Persönlichkeiten wie den brasilianischen Megastar Neymar oder Edin Dzeko, Mesut Özil, Xavi, Kevin de Bruyne, Kevin-Prince Boateng, Ilkay Gündogan, Pepe, Julian Draxler oder Heung-min Son, vor allem aber Bundesligakicker etwa Manuel Neuer, Robert Lewandowski, Leon Goretzka, Leroy Sané, Marco Reus, Erling Haaland, David Alaba, Wout Weghorst, Mats Hummels und viele, viele mehr, eigentlich die Crème de la Crème der Branche, und sie um Mithilfe gebeten.

„Die Resonanz war überwältigend“, sagt Maik Franz, praktisch alle hätten sich gleich gemeldet, hatten Interesse gezeigt und schnell und unkompliziert geholfen. Profis mit Herz allesamt, wie der jetzt in Berlin heimisch gewordene Franz findet.

Insgesamt haben die beiden Initiatoren 86 Fußballer auf Trab gebracht, die zwei simple Dinge zu tun hatten: Erstens, ihr eigens signiertes Trikot zur Verfügung zu stellen und, zweitens, sich für eines von acht Teams nominieren zu lassen und dort zu „spielen“.

Maik Franz spielt für die Arche Frankfurt

Jedes dieser acht Teams repräsentiert eine lokale Arche-Filiale, Maik Franz zum Beispiel steht für die Arche in der Frankfurter Nordweststadt, Sami Allagui als Kapitän für Hamburg, Lars Stindl (Borussia Mönchengladbach) für Düsseldorf, Gonzalo Castro (VfB Stuttgart) für Köln oder David Caligiuri (FC Augsburg) für München. und Fabian Lustenberger, ein Eidgenosse, für die Arche Kreuzlingen in der Schweiz.

Jeder Kapitän hat sein eigenes Team zusammengestellt, indem er die Spieler angeschrieben oder angerufen und zum virtuellen Mitmachen bewegt hat. Diese acht Mannschaften treten vom 22. März bis 3. April 2021 in einem Onlineklickturnier unter www.mj4k.de gegeneinander an. Dieser „Arche-Cup“ genannte Wettbewerb wird komplett virtuell gespielt. Es gewinnt das Team, das binnen 24 Stunden die meisten Klicks auf sich vereinigen kann, das Gewinner-Team kommt eine Runde weiter.

Maik Franz: Preisgeld von 15000 Euro

Die vier Viertelfinals finden vom 22. bis 28. März statt, die Halbfinals am 29. und 30. März und das Finale steigt am 2. April. Für jede gewonnene Runde erhalten die Teams Ausrüstungs-Gegenstände für ihren Arche-Standort. Am Ende winkt ein Wanderpokal und, wichtiger, ein Preisgeld von 15 000 Euro für den Arche-Standort des Cup-Siegers.

Eintracht Frankfurt: Ein Trikot von André Silva

Dazu stellte jeder Profi ein persönlich signiertes Originaltrikot plus Foto zur Verfügung, das ab dem 25. März innerhalb von zehn Tagen online versteigert wird und dessen Erlös natürlich auch für die Arche bestimmt ist. André Silva zum Beispiel, der wie Sebastian Rode von Eintracht Frankfurt für das Team Franz nominiert ist, hat sein Jersey aus dem Bundesliga-Spiel gegen Mainz 05 gestiftet - da hatte der Angreifer beide Tore zum 2:0-Erfolg der Hessen erzielt.

Für die Kinder und Jugendstiftung Arche haben sich die beiden Ex-Kicker deshalb entschieden, weil diese, wie sie sagen, mit ihren 27 Standorten in Deutschland, Polen und der Schweiz national präsent ist und in ihrer Arbeit als seriös gelte. „Allein in Deutschland leben 4,4 Millionen Kinder und Jugendliche in schwierigen finanziellen Verhältnissen“, erklärt Sami Allagui, diese hohe Zahl habe ihn bestürzt. „Wir als Ex-Profis sind privilegiert, ein bisschen können wird dadurch zurückgeben“, ergänzt Maik Franz, selbst Vater zweier vier und sechs Jahre alten Söhne.

„Geborgenheit und eine warme Mahlzeit“

Die Kinderhilfestiftung Arche, die 1995 von Pastor Bernd Siggelkow in Berlin-Hellersdorf gegründet wurde, lebt und finanziert sich im Wesentlichen aus Spenden. Die Arche bietet Kindern und Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten, wie Siggelkow sagt, selbst Vater von sechs Kindern, „Geborgenheit und eine warme Mahlzeit“. Die Einrichtung versteht sich als „familiäre Ergänzung“, sie sei, sagte der gebürtige St. Paulianer, keine „reine Betreuungsstation für Kinder“, sondern „wir führen ein Leben mit Kindern“.

Das Ziel ist klar: Starke Kinder

Mit dem Ziel, Kinder stark zu machen, gestalte die Arche Freizeitangebote und Feriencamps, Hausaufgabenbetreuung und Lernförderung. Auf diese Weise sollen Kindern sinnvolle Freizeitmöglichkeiten geboten werden, die sonst wenig soziale und kulturelle Teilhabe erleben.

Siggelkow, der selbst aus zerrütteten Verhältnissen stammt - die Mutter verließ die Familie, da war er sechs Jahre alt - lobt die Initiative der Ex-Kicker als wegweisend. „Mir ist um die Zukunft Deutschlands nicht bange, wenn ich sehe, wie viele Fußballer mit dem Arche-Cup Kinder in unserem Land unterstützen“, sagt der 56-Jährige.

Mario Gomez muss leider draußen bleiben

Mario Gomez übrigens hat Maik Franz nicht für sein Team nominiert.

Maik Franz, Bernd Siggelkow und Sami Allagui (von links). Julia Stiller

Rubriklistenbild: © Julia Stiller

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