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Freudenfest: Jones, Lingor, Künzer, Grings, Neid, Theune, Wiegmann, Rottenberg (von links).

Hall of Fame

Der Kleinmut der Großen

Deutschlands berühmteste Fußballerinnen werden in die Ruhmeshalle aufgenommen, Schalke 04 und Borussia Dortmund feiern ruhmlos mit.

Den Festtag für den Frauenfußball ließ sich der neue DFB-Präsident nicht entgehen. Bei der Aufnahme der Frauen-Gründungself in die Hall of Fame des deutschen Fußballs überreichte Fritz Keller im dunkelblauen Anzug höchstpersönlich die Trophäen im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Die Reise zur Männer-Nationalmannschaft nach Estland konnte bis Sonntag warten.

„Es sind großartige Persönlichkeiten und Gesichter, die vorbildhaft für den Fußball stehen“, sagte Keller über die ausgezeichneten Pionierinnen, Weltmeisterinnen und Legenden. Ein halbes Jahr nach der Einweihung durch die Männer nahmen Silke Rottenberg, Steffi Jones, Nia Künzer, Renate Lingor, Silvia Neid, Bettina Wiegmann, Inka Grings (die am Samstag fünfmal an der Torwand des ZDF-Sportstudio traf) und Trainerin Tina Theune ihre Preise entgegen – auf den Tag genau 16 Jahre nach dem ersten WM-Triumph 2003 in den USA.

Rekordnationalspielerin Birgit Prinz, zweite Ehrenspielführerin neben Wiegmann, Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sowie die an Krebs erkrankte Doris Fitschen konnten nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen, Heidi Mohr Europas Fußballerin des Jahrhunderts, war im Februar nach schwerer Krankheit im Alter von 51 Jahren verstorben.

Silvia Neid, als Spielerin, Assistenz- und Cheftrainerin an allen elf deutschen Titelgewinnen beteiligt, empfand die Ehrung als große Wertschätzung. „Es macht uns stolz, dass wir einen Weg geebnet haben in den verschiedenen Generationen. Dass das honoriert wird, ist einfach schön“, sagte die Leiterin der DFB-Scoutingabteilung Frauen- und Mädchenfußball. Auch Inka Grings war „unheimlich stolz“, wünschte sich aber auch mehr Platz für die Erfolgsgeschichten der Frauen im Fußballmuseum.

Eine 28-köpfige Jury aus Sportjournalisten hatte die Gründungself aus der Geschichte des deutschen Frauenfußballs gewählt. Genannt werden durften Fußballerinnen deutscher Herkunft, deren Karriereende mindestens fünf Jahre zurückliegt.

Die erste Auswahl hat es bereits in sich: Neun Weltmeister- und 33 Europameistertitel haben Prinz, Neid und Co. vorzuweisen. Nachdem der DFB erst 1970 sein Frauenfußball-Verbot aufgehoben hatte, war der Gewinn des EM-Titels vor 30 Jahren im eigenen Land der große Durchbruch für die Pionierinnen.

Eine wenig ruhmreiche Rolle nahmen am Rande der Ruhmeshalle die Vertreter von Borussia Dortmund und Schalke 04 ein. Den Vorschlag des DFB-Präsidenten Keller, die Unterstützung des Frauenfußballs zur Lizenzauflage für Männer-Bundes zu machen, entgegnete BVB-Präsident Reinhard Rauball im ZDF, die Lizenzierung befinde sich in der Verantwortung der Deutschen Fußball-Liga und also nicht des Deutschen Fußball-Bundes. Schalkes Vorstandsmitglied Peter Peters wies abwehrend auf begrenzte Kapazitäten in seinem Verein hin. Kleinmütiger hätten die Antworten kaum ausfallen können.

Die Ruhmeshalle war im April mit dem „Who is Who“ des deutschen Männerfußballs eröffnet worden. Im jährlichen Rhythmus wird über Neuaufnahmen entschieden, jüngst stießen Helmut Schön, Oliver Kahn, Hans-Jürgen Dörner, Wolfgang Overath und Jürgen Klinsmann hinzu. (sid/FR)

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