Überzeugt als Rechtsverteidiger in Wolfsburg: Ridle Baku.
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Überzeugt als Rechtsverteidiger in Wolfsburg: Ridle Baku.

Ridle Baku

Kleiner Mann ganz groß

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Ridle Baku hat sich in Mainz und Wolfsburg erstaunlich entwickelt – jetzt steht er im Kader der deutsche Nationalmannschaft.

Es ist jetzt ziemlich schnell gegangen für Ridle Baku. Bis vor zweieinhalb Jahren war der 22-Jährige noch Spieler der zweiten Mannschaft beim Mainz 05. Dann wurde er auf dem Weg mit der Zweiten nach Freiburg eilig von einem Autobahnparkplatz zurück nach Mainz beordert, spielte sofort sein erstes Bundesligaspiel gegen RB Leipzig, anfangs katastrophal, am Ende sogar als Torschütze des 3:0, traf eine Woche später beim 2:1 zum Klassenerhalt in Dortmund, wechselte zu Beginn dieser Saison für zehn Millionen Euro zum VfL Wolfsburg - und dürfte ab Mittwochabend A-Nationalspieler sein.

Eigentlich heißt er Bote Nzuzi mit Vornamen, aber weil sein fußballbegeisterter Vater ein großer Fan des damaligen Nationalmittelstürmers Karl-Heinz Riedle war, nannte er Bote Nzuzi im Alltag lieber Ridle. Später wurde dieser Name sogar in den Personalausweis eintragen.

Ridle Baku ist in Mainz geboren, sechs Jahre, nachdem die Familie aus dem Kongo (damals Zaire) nach Deutschland gekommen war. Er hat seit seinem neunten Lebensjahr 13 Jahre lang für die Nullfünfer gespielt, Sein Zwillingsbruder Makana ist auch recht talentiert und steht beim Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag.

Ridle Baku ist einerseits stolz, dass er es in seinem Heimatverein zum gestandenen Bundesligaprofi gebracht hat. Andererseits wollte er im Sommer unbedingt weg aus Mainz, „den nächsten Schritt machen“, wie es im Fußballdeutsch so schön heißt. Mainz konnte die zehn Millionen gut gebrauchen, in Wolfsburg hat sich Baku dann schnell durchgesetzt.

Tolles Tor mit links

Eigentlich spielt er lieber im Mittelfeld, auf der Sechs oder der Acht, mittlerweile ist er rechter Verteidiger, er kennt die Aufgabe schon lange aus der Mainzer Jugend und der U-21-Nationalmannschaft. In Wolfsburg hat er bald seinen Torriecher bewiesen, was für einen rechten Verteidiger eher unüblich ist. Gegen Hertha BSC traf er sehenswert zum 1:1 in den Winkel. Und zwar aus 18 Metern mit seinem schwächeren linken Fuß. Das hatte man ihm gar nicht so zugetraut. Seine Spielphilosophie orientiert sich gar nicht unbedingt an eigenen Toren, sondern: „Schnelles Umschalten, Scorerpunkte liefern.“ Wie es sich für einen rechtschaffenen Verteidiger gehört.

Joachim Löw hat die Entwicklung des Offensivverteidigers, der die Sommerpause gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder zu Individualtraining bei einem Personaltrainer nutzte, dann mitbekommen, Stefan Kuntz hat dem Bundestrainer von sehr ordentlichen Auftritten Bakus in der U21 berichten können, und weil das Gedränge auf den Außenverteidigerpositionen nicht gerade groß ist in Deutschland, wurde Baku nun für das Testspiel am heutigen Mittwochabend gegen Tschechien nominiert.

Ehe er nach Wolfsburg wechselte, war der kompakt gebaute Baku auch bei den großen Bayern ein Thema. Aber so ganz groß war das Interesse dann doch nicht, und außerdem fand auch Baku selbst, dass er wohl besser in der Stammelf des VfL Wolfsburg aufgehoben ist denn als Backup für Benjamin Pavard in München. Ridle Baku, nur 1,76 Meter groß, schätzt sich schon ganz realistisch ein, aber er kann auch keck sein: „Der beste Spieler der Welt ist auch nur 1,70 Meter groß“, ließ er, angesprochen auf seine Körpergröße, neulich wissen.

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