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Tschüss Jogi. Foto: dpa
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Tschüss Jogi.

Spaziergang in Wolfsburg

Deutschland-Liechtenstein: Kleiner Bahnhof, kleiner Gegner

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Ex-Bundestrainer Joachim Löw wird mit nüchterner Ehrung verabschiedet, danach erledigt sein früheres Team den Job gegen Liechtenstein ohne Mühe und gewinnt 9:0.

Wolfsburg - Er war dann tatsächlich erschienen, sozusagen aus dem Untergrund, um kurz nach acht Uhr abends fast unerkannt an der Eckfahne der Wolfsburger Fußballarena. Interview mit RTL, vorher noch eine kurze Umarmung mit Lothar Matthäus auf Strafraumhöhe: Joachim Löw, 61 Jahre alt, schicker Kurzmantel in gedeckten Farben, Mann von Welt, Ex-Bundestrainer. Es sollte sein Abend werden, zumindest ein paar Minuten lang, noch ehe die Nationalhymnen abgespielt wurden, und dann bis spät in die Nacht hinein beim trauten Beisammensein mit den alten Weggefährten.

Fußball gespielt wurde natürlich auch noch. Die von seinem Nachfolger Hansi Flick gecoachte deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewann gegen die Gnome aus Liechtenstein 9:0 (4:0). Es war ein WM-Qualifikationsspiel, aber Deutschland ist ja schon für Katar 2022 qualifiziert und Liechtenstein längst abgeschlagen. So viel zur Spannung an diesem Abend, die bald zusätzlich minimiert werden sollte.

Noch vor der Feier für Löw gab es in der Aufwärmphase warme Worte von Stadionsprecher Oliver Forster für des Ex-Bundestrainers ehemalige Mitarbeiter: Chefscout Christopher Clemens, Team-Doktor Sepp Schmidt, Chefscout Urs Siegenthaler, Assistent Thomas Schneider und Torwarttrainer Andi Köpke wurden offiziell verabschiedet, allesamt begleitet von freundlichem Beifall des Publikums im ausverkauften Oval. Nicht vermeiden ließ sich offenbar, dass Co-Interimspräsident Peter Peters die Bilderrahmen an die zu Ehrenden überreichte. Dann war das geschafft.

Bald erschien Löw ein zweites Mal auf der Bildfläche. Und mit ihm einige weitere recht berühmte Herren und auch wieder unvermeidliche DFB-Präsidentschaftskandidat Peters. Man umarmte sich dort unten im Innenraum wie verrückt gegenseitig, alle waren ja laut DFB-Bulletin sowohl geimpft als auch getestet. Die Weltmeister Miro Klose, Lukas Podolski, Sami Khedira, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker und Andre Schürrle standen Ehrenspalier, dazu Mario Gomez, der 2014 nicht dabei war. Es ging alles arg schnell, es geriet wenig feierlich, es gab nicht die allseits erwarteten Filme auf den beiden Videoleinwänden. Mehr ließ das gestrenge Uefa-Protokoll wohl nicht zu. Dann noch fix die Hymnen – und schwupp war Löw auch schon wieder weg, hoch auf die Tribüne, letzte Reihe Unterrang.

Zuvor hatte der Ex im Interview durchblicken lassen, wie schwer der Abschied ihm nach 17 Jahren in DFB-Diensten gefallen sei, er war danach einige Zeit in eine Art depressive Verstimmung verfallen. „Jetzt so allmählich habe ich das Gefühl, dass es mir wieder gut geht und dass ich mich wieder freue auf Fußball. Die Lust kommt allmählich zurück und auch die Motivation.“ Man wird sehen, was Löw dann bald macht. Oder ob er unsichtbar bleibt.

Dann begann das Spiel, Deutschland spielte mit der ältesten Startelf seit Juni 2000. Zur Erinnerung: Damals war noch ein gewisser Erich Ribbeck Bundestrainer gewesen, es war die Epoche der Rumpelfüßler. 21 Jahre später ging das Passspiel flüssiger von den Beinen. Das DFB-Team trat etwas überraschend mit Ridle Baku aus Wolfsburg und Christian Günter aus Freiburg in der Startelf an. Für Baku, beim 2:0 im Hinspiel gegen Liechtenstein vor zweieinhalb Monaten völlig neben sich, war das eine gute Chance zur Rehabilitation. Sehr freundlich von Flick, dem Ex-Mainzer diese Möglichkeit zu schenken.

Schiedsrichterin Ivana Martincic, 36, aus Kroatien zeigte sich zeitig auf der Höhe des Geschehens. Nach noch nicht einmal zehn Minuten gab es die Rote Karte für den armen Liechtensteiner Jens Hofer. Der hatte aus Versehen Leon Goretzka ins Gesicht getreten, noch dazu im eigenen Strafraum, was einen Elfmeter nach sich zog. Wirklich nicht böse gemeint, aber dennoch sehr ungelenk. Nett von Hofer, den bald wieder taufrischen Goretzka vom Platz zu geleiten, wofür dieser sich artig bedankte. Jens Hofer selbst musste dann natürlich draußen bleiben, der Tritt tat ihm sichtbar leid, aber da kannte die Unparteiische kein Erbarmen.

Das deutsche Scheibenschießen war in Überzahl eröffnet. Das DFB-Team agierte anfangs noch mit einer Zweierkette hinten (Antonio Rüdiger und Thilo Kehrer), bald dann nur mit karger Einerkette, abwechselnd bestehend aus Rüdiger oder Kehrer – und selbst die wurde gelegentlich aufgelöst und durch Torwart Manuel Neuer ersetzt. Die Liechtensteiner wussten oft gar nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht, aber als sie nach einer halben Stunde auf zwei defensive Fünferketten umgestellt hatten, wurde es besser, zudem hielt Torwart Benjamin Büchel prächtig. Ein wahrer Teufelskerl, aber den Torhagel konnte er allein natürlich nicht stoppen.

Es würde den Rahmen sprengen, hier alle Tore zu beschreiben. Löw amüsierte sich auf der Tribüne neben Ex-Präsident und Weltmeister-Verbandschef Wolfgang Niersbach prächtig. Für die Statistiker: Ilkay Gündogan (der einmal slapstickartig aus einem Meter vergab), Leroy Sané und Marco Reus trafen binnen weniger Minuten schon weit vor der Pause für Deutschland, hinzu kam ein Eigentor von Daniel Kaufmann. Den braven Liechtensteiner blieb auch nichts erspart

Nach dem Wechsel durfte ein weiterer Lokalheld mitspielen: Mittelstürmer Lukas Nmecha, 22, debütierte, traf den Pfosten und zog den Altersschnitt etwas runter. Bald schoss Sané sein zweites Tor, es gab Chancen in Hülle und Fülle. Und dann waren irgendwann sogar drei Wolfsburger auf dem Feld, denn Flick brachte noch VfL-Kapitän Maximilian Arnold. Thomas Müller erzielte das 6:0 und 8:0, Baku zwischendurch das 7:0. Das Publikum freute sich entsprechend und machte die Welle. Und schon vor dem Endstand von 9:0 durch ein weiteres Eigentor von Göppel kurz vor Schluss skandierten die Wolfsburger den alten Hit: „Oh wie ist das schön.“ Ein bisschen übertrieben war das dann aber schon. (Jan Christian Müller)

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