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Eiszeit um Niko Kovac: Gut, dass der Bayern-Trainer wenigstens einen dezenten wärmenden Schal um den Hals trägt.

FC Bayern München

Kleine Unverschämtheiten

Der FC Bayern München bleibt ideenlos und Trainer Niko Kovac in der Schusslinie - neuerdings auch von einer Spielerfrau.

Der Weg von Christian Streich führte schnurstracks zu Manuel Neuer. Vielleicht hatte der Trainer des SC Freiburg auch ein paar aufmunternde Worte für den Torwart parat, aber in erster Linie ging es ihm um das Trikot. Das gab ihm der Kapitän des FC Bayern bereitwillig, fast so freundlich war er dabei, wie zuvor seine Abwehr beim Freiburger Ausgleichstreffer. Streich sah in diesem Moment ein bisschen nach einem Fußball-Fan aus, der sich noch ein Andenken sichern wollte. Man weiß ja nie, wie lange der FC Bayern noch in der Bundesliga spielt. Aber der Freiburger Trainer hat dies nur für seinen „Buben“, wie er sagt, getan, für den Neuer „ein großes Vorbild auf und neben dem Platz“ sei.

Es ist nicht überliefert, ob Carlos, der sieben Jahre alte Filius von Christian Streich, zufrieden war am Samstag mit seinem Idol. Neuer war beim 1:1 gegen den SC Freiburg zwar ohne Fehl und Tadel und am späten Gegentor von Lucas Höler schuldlos. Aber er ist eben Teil der Mannschaft und die spielt längst nicht mehr in einer eigenen Liga. Abgesehen von den ersten zehn, fünfzehn Minuten bewegten sich die Bayern träge und ideenlos über den Platz und wirkten am Ende wieder so ratlos wie im Oktober, als sie vier Spiele in Serie nicht gewonnen hatten.

Sogar der sich sonst gerne in Phrasen flüchtende Sportdirektor Hasan Salihamidzic fand dieses Mal deutliche Worte. „Irgendwie schaffen wir es nicht, alles in höchstem Tempo zu machen. Es fehlt uns die Spritzigkeit, die Freude“, sagte er und gab ein vielsagendes Versprechen ab vor den Partien in der Champions League gegen Athen am Mittwoch und drei Tage später in der Bundesliga bei Borussia Dortmund: „Wir geben natürlich nicht auf.“ 

Die Führung (80.) durch Serge Gnabry war „eine kleine Erlösung“, wie Thomas Müller zugab. Dieses Gefühl hielt sich jedoch nicht lange, genau neun Minuten, dann fiel der Ausgleich. „Wir alle haben das Gefühl, wenn der Gegner in unsere Hälfte kommt, dann wird es öfters gefährlich“, gibt Salihamidzic zu. Gegentore fallen meist nach dem gleichen Muster, auch gegen Freiburg: Eine Flanke in die Mitte und dort waren am Samstag Niklas Süle und Jerome Boateng nicht auf der Hut.

Man kann Trainer Niko Kovac nicht vorwerfen, er würde keine Lösungen suchen. Ob er immer die richtigen findet, ist eine andere Sache. Dass Joshua Kimmich wie bei Bundestrainer Joachim Löw auf der Sechserposition spielen durfte, zum ersten Mal bei Bayern in einer Pflichtpartie, klang nach einem logischen Plan. Nach Thiagos Verletzung klaffte im ohnehin seit Wochen ideenlosen Spiel der Bayern eine weitere kreative Lücke. Die glaubte Kovac wohl eher mit Kimmich schließen zu können als mit Javier Martinez. Aber das Experiment misslang gründlich, weil der etatmäßige Außenverteidiger anders als in der Nationalmannschaft nicht zurecht kam mit der Rolle, wie unter anderem die Zweikampfbilanz belegt. Nur 13 Prozent aller Duelle gewann Kimmich – für einen zentralen Mittelfeldspieler eine katastrophale Quote.

Eine andere mögliche Lösung fiel Kovac sehr spät ein, wie die zugegeben nicht ganz objektive Ehefrau von Thomas Müller fand. „Mehr als 70 Min bis der mal nen Geistesblitz hat“, postete Lisa Müller auf Instagram, weil der Gatte so lange warten musste, bis er eingewechselt wurde.

Thomas Müller fand das „im Nachhinein nicht unbedingt super. Aber sie liebt mich halt, was soll ich machen.“ Allerdings entschuldigte sich später Frau Müller bei Kovac noch im Stadion.
Dieser Tweet gibt einen weiteren Einblick ins Innenleben des FC Bayern, das wohl nicht so ungetrübt und intakt ist, wie  alle stets versichern. Es zeigt auch den schwindenden Respekt vor Kovac. Man kann sich kaum vorstellen, dass Lisa M. diese kleine Unverschämtheit auch unter Jupp Heynckes gezwitschert hätte. Ebenso wenig stimmt es im Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer. Dazu passt die Reaktion von Salihamidzic, als ein Journalist wissen wollte, ob Kovac mit seiner Entlassung rechnen müssen, falls das Spiel in Dortmund verloren gehen. „Fragen Sie nicht so eine blödsinnige Frage“, blaffte der Sportchef.

Dass immer wieder Interna nach außen dringen - etwa über Handynutzung oder der Gereiztheit der Ersatzspieler - , tut Kovac ab. Das habe es schon zu seiner aktiven Zeit gegeben, und das werde es immer geben, sagte er. Egal, ob die Informationen von einem Profi direkt, über einen Berater lanciert werden oder vielleicht sogar von einer Spielerfrau kommen, die Spekulation darf erlaubt sein, dass Kovac die Kabine vielleicht doch nicht oder nicht mehr im Griff hat. Und diese Annahme widerspricht nicht dem Grundgesetz.

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