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Klare Ansagen: Zack Steffen, Torwart von Fortuna Düsseldorf. 

US-Keeper in Düsseldorf

Zackary Steffen: Kleiderschrank mit Charisma

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US-Nationalspieler Zackary Steffen könnte sich bei Fortuna Düsseldorf auf Anhieb zu einem Spitzentorwart entwickeln – das würde auch Pep Guardiola sehr freuen.

Torhüter pflegen untereinander oft eine besonders enge Verbundenheit. Nur wer die extreme Gratwanderung eines Ballfängers selbst mal erlebt hat, kann den Schulterschluss verstehen, denn die Keeper mitunter aufbauen. So wie bei Lutz Pfannenstiel, dem einstigen Torwart-Weltenbummler, zu Zackary Steffen, dem US-Nationaltorwart, der beim Auftaktsieg von Fortuna Düsseldorf bei Werder Bremen (3:1) als Matchwinner in aller Munde war.

Der 24-Jährige redete anschließend von großartigen Momenten („great moments“) und schwärmte von seinen tollen Mitspielerin („amazing team“), als ihm der einst auf sechs Kontinenten professionell das Tor hütende Fortuna-Sportvorstand in den Rücken fiel. „Come on, Zack, mach’s auf Deutsch.“ Steffen, Leihgabe von Manchester City, spielte nämlich früher anderthalb Jahre für die zweite Mannschaft des SC Freiburg, aber eine Statement auf Deutsch traute er sich nicht zu. Es reichte ja schon, dass sich der Bundesligadebütant nicht nur den Respekt des Gegners – Werder-Trainer Florian Kohfeldt hatte einen „fantastischen Torwart“ gesehen -, sondern auch der eigenen Mitspieler erwarb. „Er hat eine brutale Physis. Als Abwehrspieler überlegst du dir zweimal, ob du da mitspringst“, sagte der Düsseldorfer Innenverteidiger Kaan Ayhan. Der 1,91 Meter große und 86 Kilogramm schwere Modellathlet Steffen strahlte die Dominanz eines Kleiderschranks aus.

In der Bundesliga spielen immer weniger deutsche Torhüter. Am ersten Spieltag hüteten zehn Keeper aus dem Ausland das Tor der 18 Erstligisten: Yann Sommer, Marvin Hitz (beide Schweiz), Tomas Koubek und Jiri Pavlenka (beide Tschechien), Peter Gulacsi (Ungarn), Lukas Hradecky (Finnland), Rune Jarstein (Norwegen), Koen Casteels (Belgien), Rafael Gikiewicz (Polen) und Zackary Steffen (USA). In der Saison 1989/90 waren noch ausnahmslos deutsche Ballfänger im Oberhaus beschäftigt. Vor zehn Jahren (2009/2010) lag die Zahl ausländischer Torhüter erst bei vier, stieg zuletzt aber kontinuierlich an und hat nun eine Rekordmarke erreicht.

Auch wenn Steffen die Nummer 24 trägt, dürfte er bald die unangefochtene Nummer eins der Fortuna sein. Zwar ließ er noch ein, zwei Bälle unnötig abprallen, aber seine Paraden und sein Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten wirkten beim Debüt verblüffend. Dazu offenbarte der Hüne erstaunliche Abgeklärtheit beim Mitspielen. Selbst der mit Lobpreisungen eher sparsame Trainer Friedhelm Funkel holte bei der Aufzählung der Vorzüge etwas weiter aus: „Wir sind Pep Guardiola sehr dankbar, dass wir ihn ausleihen konnten. Ein sehr lockerer Typ, der immer gute Laune hat. Sehr diszipliniert, sehr professionell. Er hat gute Torwart-Qualitäten und ist auch noch fußballerisch gut bestückt.“ Schwer vorstellbar, dass Michael Rensing, der sich auf einer Mountainbike-Tour im Trainingslager einer Schultereckgelenkssprengung zuzog, mit 35 Jahren noch einmal den alten Status erlangt.

Dafür hat der aus Coatesville im US-Bundesstaat Pennsylvania stammende Steffen schlicht zu gute Anlagen mit nach Deutschland gebracht. „Ich kenne ihn seit vielen Jahren, habe seinen Weg in Freiburg und in der Major League Soccer immer verfolgt“, erklärte Pfannenstiel. Bei Columbus Crew hielt Steffen in fast jedem dritten seiner 84 Pflichtspiele den Kasten sauber, wurde zum „Torwart des Jahres 2018“ in den USA gewählt und bekam von Nationaltrainer Gregg Berhalter beim Gold Cup das Vertrauen. Seinen ersten Gegentreffer kassierte Zack, wie ihn alle nennen, erst im Halbfinale gegen Jamaika (3:1). Dass die USA das Finale gegen Mexiko verlor (0:1), lag am wenigsten an ihm. Danach nahm ihn Manchester City für knapp acht Millionen Euro unter Vertrag. An diesem Punkt witterte Pfannenstiel seine Chance.

Denn ein US-Nationaltorwart ist zu schade, um als Nummer drei hinter Stammtorhüter Ederson, 24 Jahre, und Stellvertreter Claudio Bravo, 36, auf der Tribüne zu versauern. Pfannenstiel, der nach eigener Aussage gute Connections in die Führungsetage des englischen Meister unterhält, konnte Kollege Txiki Begiristain vom „perfect match“ überzeugen, wie der 46-Jährige die Konstellation nennt, denn: „Das kann eine Win-Win-Situation für alle werden. Wir haben einen guten Torwart, Zack bekommt Spielpraxis und City im nächsten Jahr einen Torwart, der sich in einer der besten Ligen Europas behauptet hat.“ Drei Parteien, drei Gewinner.

Guardiola soll angeblich wöchentlich Information aus Düsseldorf einfordern und den Sonnyboy vom Potenzial zu den besten sechs Keepern im deutschen Oberhaus zählen. Pfannenstiel meint mit Blick auf das Derby gegen Bayer Leverkusen (Samstag 15.30 Uhr): „Zack muss seine Leistung natürlich noch bestätigen, aber die Bundesliga kann sich freuen.“ Über einen Torwart, der vom Charisma allenfalls mit ihm selbst noch vergleichbar sei. „Er ist der weitaus bessere Torhüter. Ich konnte doch nie beidfüßig schießen. Claus Reitmaier (Torwarttrainer in Düsseldorf, Anm. d. Red.) und ich entstammen dann doch eher der alten Schule.“

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