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Schon wieder vorbei: Hansi Flick (links) im Bayern-Training an der Seite von Niko Kovac.

Hansi Flick

Hansi Flick bei Bayern München: Klebstoff für die ganze Gruppe

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Interimscoach Hansi Flick wird ohne Groll zurück ins zweite Glied treten, er fühlt sich unterm Brennglas der Medien ausgesprochen unwohl.

Wie wertvoll Hansi Flick war, haben sie beim Deutschen Fußball-Bund erst so richtig zu spüren bekommen, als er nicht mehr da war. Gäbe es den 54-Jährigen nicht, müsste einer wie er noch geboren werden, um den idealen Co-Trainer zu geben. Nach außen wirkt der gebürtige Heidelberger scheu und zurückhaltend, nach innen kann er sehr bestimmend auftreten, vor allem aber ist er ein Mann, auf den Verlass ist. Joachim Löw hat er als zuverlässiger, fleißiger und kundiger Assistent acht Jahre lang zur Seite gestanden, bis zum WM-Titel 2014. Flick, einer der Protagonisten im Weltmeister-Film „Die Mannschaft“, war dabei viel mehr als der Fachmann für die Trainingslehre und Taktik, er war der Klebstoff für die ganze Gruppe.

Sein Nachfolger Thomas Schneider schaffte es nicht, Flick als Löws Schattenmann zu ersetzen. Schneider wurde vier Jahre später auf die DFB-Chefscout-Position versetzt. Flick seinerseits scheiterte sowohl als Sportchef beim DFB als auch bei der TSG Hoffenheim. Er stand da jeweils auf dem falschen Spielfeld, er ist jemand, dessen Stärken nah an der Mannschaft am besten zum Tragen kommen. Aber gewiss nicht auf der Cheftrainerposition, die er deshalb nur interimistisch beim FC Bayern ausfüllen wird. Denn: Die Medienarbeit, unabdingbar beim Deutschen Vielfachmeister, ist ihm ein derartiges Gräuel, dass man bei seinen öffentlich linkischen Auftritten fast Mitleid bekommen könnte.

Hansi Flick soll sich nach Niko Kovac erst um das Klima kümmern

Als Fußballlehrer verfolgt der gelernte Bankkaufmann der Sparkasse Neckargemünd zwei große Linien, wie er vor einigen Jahren der Frankfurter Rundschau in einem Gespräch erklärte. Erstens: „Ein Blick muss genügen, damit der eine Spieler weiß, genau da will er den Ball hin haben, und der andere ihn dann auch genau dorthin spielt.“ Zweitens: „Man muss sich wohlfühlen, um diesen Pass auch spielen zu können.“ Das eine ist eine fußballfachliche Aufgabe, das andere eine atmosphärische. Flick legt besonderen Wert auf beides.

Um das Wohfühlklima wird er sich in diesen unruhigen Tagen in München besonders kümmern. Er ist ein Mensch, dem Kommunikation und Harmonie besonders wichtig sind. Darin war er sich mit Joachim Löw immer einig. Personell und taktisch gab es am Ende der gemeinsam erfolgreichen Zeit nicht immer Einigkeit, sondern gar eine gewisse Entfremdung. Nach dem Titelgewinn 2014 suchte Flick deshalb nach neuen Aufgaben - und fand sie zunächst nicht.

Gescheitert in Hoffenheim

In Hoffenheim war er nach dem missglückten DFB-Sportdirektor-Intermezzo als Wunschlösung von Investor Dietmar Hopp im Sommer 2017 als Sport-Geschäftsführer installiert worden – und wurde nur acht Monate später aus seinem Fünfjahresvertrag vorzeitig beurlaubt (inklusive reichhaltiger Abfindung). Er war daran sicher nicht alleine Schuld: Sportchef Alexander Rosen und Cheftrainer Julian Nagelsmann hatten die Verpflichtung von vorne herein nicht nachvollziehen können und nie eine gemeinsame Arbeitsatmosphäre mit Flick gesucht und gefunden. Schon zwischen 2000 und 2005 hatte der im nahen Dörfchen Bammental beheimatete der heimatverbundene zweifache Familienvater die TSG Hoffenheim fünf Jahre lang bis in die Regionalliga gecoacht, ehe Hopp die Geduld verlor, weil es nicht schnell genug weiter nach oben ging.

Hansi Flick: Fünf Jahre für Bayern München am Ball

Beim FC Bayern, für den Flick von 1985 bis 1990 im Mittelfeld Bälle eroberte, sah er sich in seiner aktiven Zeit als „Mann für die besonderen Fälle“. Stars wie Diego Maradona und Emilio Butragueno hatten nicht viel Spaß gegen den lauffreudigen und verbissenen Kämpfer, der verletzungsbedingt schon mit 28 aufhören musste.

Im vergangenen Frühjahr erinnerte sich die FCB-Führungsetage zurück an den stillen Streber nach Perfektion und stellte Flick als Nachfolger von Peter Hermann zur neuen Saison an die Seite von Niko Kovac und dessen Bruder Robert. Der Vorschlag soll vom Chefcoach Kovac selbst gekommen sein. Die beiden kannten sich von einem WM-Workshop persönlich, Kovac trainierte seinerzeit Kroatien. Es wurde eine kurze Zusammenarbeit beim FC Bayern.

Von Jan Christian Müller

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