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Guter Zusammenhalt: Das DFB-Team vor dem Spiel gegen Island.
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Guter Zusammenhalt: Das DFB-Team vor dem Spiel gegen Island.

Fußball-Nationalmannschaft

Klebstoff für die Seele

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Das DFB-Team zeigt beim 3:0 gegen Island Gemeinsinn und holt sich Anerkennung zurück

Nach der Aufregung des Vortages und dem 3:0-Sieg zum WM-Qualifikationsauftakt gegen Island kehrte ein wenig Ruhe ein im DFB-Camp in Düsseldorf. Die Bilderstrecken mit dem neuen Fashion-Partner, einer Mönchengladbacher Modefirma, waren längst im Kasten. Ein bisschen Pflege, obligatorische Corona-Testungen, erst Antigen, dann PCR, ein paar Paare Beine hoch, genießen, abschalten, durchschnaufen, es gab ja diesmal keine Wunden zu lecken wie noch im Herbst nach dem Desaster von Sevilla.

Tags davor war es ein maximal unruhiger Spieltag gewesen für die deutschen Fußball-Nationalspieler. Es hatte viel zu bereden und zu bemalen gegeben. Obendrauf noch der Corona-Fall in den eigenen Reihen, Verbannung auf die Einzelzimmer, zusätzliche Testreihe, Verschiebung der Teambesprechungen. Es folgte: Ein bemerkenswerte Symbolik für Menschenrechte auf den selbst bemalten Hemden der Startelf als Botschaft an WM-Gastgeber Katar, sowie: Ein überfallartiges Kommando gegen bemitleidenswert überforderte Insulaner mit zwei pfiffig inszenierten Toren binnen sieben Minuten, und am Ende ein recht nett anzuschauender 3:0-Sieg.

Am heutigen Samstagmorgen steigt eine Truppe in den Flieger nach Bukarest zum Spiel gegen Rumänien am Sonntag (20.45 Uhr/RTL), die nicht nur Kraft aus dem weitgehend überzeugenden fußballerischen Vortrag gegen einen allerdings auch arg bescheidenen Gegner gesaugt haben dürfte. Sondern auch aus der Gemeinschaft, in welcher sie zusammen ihr Statement an die Welt entwickelt hatten. Dafür gab es natürlich auch Gegenwind in Sozialen Netzwerken („Statement ist wertlos“) , vor allem aber reichlich Lob. Eine Art der Anerkennung, die nicht zu unterschätzen ist als Klebstoff angesichts des labilen Zustands, in dem sich Trainer und Team noch befinden.

Die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag etwa begrüßte es „außerordentlich, wenn Sportlerinnen und Sportler sich öffentlich zu Menschenrechten bekennen“. Sogar die Bundesregierung meldete sich in Gestalt ihres Regierungssprechers Steffen Seibert: „Natürlich ist das etwas Gutes, weil die Nationalmannschaft ein – wenn ich mal so sagen darf – gutes Stück Deutschland ist.“

Die Fifa äußerte ein wenig pathetisch, sie glaube „an die Meinungsfreiheit und an die Kraft des Fußballs, Wandel voranzutreiben“. Auch von Human Rights Watch, Amnesty International und Fanorganisationen gab es grundsätzliche Zustimmung, wiewohl „Pro Fans“ es als „wünschenswert“ ansieht, „wenn einige starke Nationalmannschaften nicht an der WM teilnehmen“. Dazu wird es von deutscher Seite nicht kommen, auch wenn Meinungsumfragen in der Bevölkerung einem Boykottaufruf an den DFB gleichen.

Gestiegenes Interesse

Eine gute TV-Quote hat das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft in diesem Jahr dem übertragenden Sender RTL beschert. Nach Angaben des Kölner Senders sahen am Donnerstag bis zu 7,42 Millionen Menschen das 3:0 des DFB-Teams gegen Island in Duisburg und den ersten Auftritt des früheren Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß als Experten im Studio (siehe Texte auf nächster Seite). Der Durchschnittswert lag bei 6,78 Millionen Zuschauer:innen, was einem Marktanteil von 23,1 Prozent entsprach. In der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen betrug der Marktanteil sogar 24,5 Prozent.

Auch die WM-Qualispiele am Sonntag (20.45 Uhr) in Rumänien und am Mittwoch (20.45 Uhr) gegen Nordmazedonien werden bei RTL zu sehen sein. Für den Sender sind die Zahlen eine klare Steigerung im Vergleich zu seiner letzten Länderspiel-Übertragung. dpa

Doch Katar 2022 könnte für einige Männer im sogenannten „besten Fußballalter“ ein optimaler Zeitpunkt werden, sich der Welt als besonders gute Fußballspieler zu präsentieren. Diesen potenziellen Höhepunkt ihrer Karriere dürfte die Führungscrew Ilkay Gündogan, Leon Goretzka und Joshua Kimmich keinesfalls verpassen wollen.

Die Bringschuld sowohl gegenüber sich selbst als auch gegenüber dem eigenen Fußballvolk haben sie und ihre Mitspieler an diesem einen Abend im verwaisten Duisburger Stadion erbracht. Ein Stück des schweren Imageschadens, der aufgrund der 0:6-Abreibung in Spanien noch nachhallt, konnte abgetragen werden.

Sie hätten „Leidenschaft, für unser Land spielen zu dürfen“ demonstrieren wollen, sagte Leon Goretzka nach getaner Arbeit und fand sich bestätigt: Da seien „elf Jungs auf dem Platz“ gewesen, „die richtig Bock hatten“. Bemerkenswert gut abgestimmt geriet dabei das Pressing, auch Passhärte und Tiefenläufe – links der später ein wenig die Lust verlierende Leroy Sané, rechts Kai Havertz, in der Mitte Serge Gnabry – sahen oft wie ein Versprechen aus.

Joshua Kimmich rückte aus einer tiefen Position als einziger Sechser hinter Goretzka und Gündogan in die Rolle des Primus, seine beiden Auftaktpässe zum 1:0 und 2:0 waren Augenweiden, insgesamt berührte der 26-Jährige fast zweimal pro Spielminute den Ball. Kein Wunder, dass mancher Chip, um hinter die letzte isländische Linie zu kommen, auch misslang.

So gut sah das in der Mittelfeldreihe aus, dass jemand hinterher tatsächlich wagte, Bundestrainer Joachim Löw zu fragen, ob es den verletzt abgereisten Toni Kroos im Nationalteam überhaupt noch brauche. Da reagierte der nette Herr Löw plötzlich geradezu entrüstet: „Warum sollte der um seinen Platz fürchten müssen?“ Über die Qualitäten von Kroos zu sprechen, sei müßig.

Aber klar, das räumte auch der gestrenge Bundestrainer ein, das Mittelfeld-Trio sei „sehr, sehr gut unterwegs“ gewesen. „Das war ein Pfund, ein Gewicht für uns.“ Diese Kroos-lose Alternative in der Formation macht die Nationalmannschaft auf alle Fälle unberechenbarer, zumal sich mit der Aussicht auf eine Rückkehr von Thomas Müller noch mehr Unberechenbarkeit hinzugesellen könnte. Und, sollte es auch für Mats Hummels und/oder Jerome Boateng reichen, sicherlich auch noch mehr Meinungsstärke.

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