1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Klaus Gjasula von Darmstadt 98 über Aufstiegsambitionen und das Duell gegen seinen Ex-Klub HSV

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Schmitt, Jakob Böllhoff

Kommentare

Aufstieg in die Bundesliga? „Im Beruf strebt man doch immer nach Erfolg“, verklausuliert Klaus Gjasula (Mitte) seine Hoffnungen.
Aufstieg in die Bundesliga? „Im Beruf strebt man doch immer nach Erfolg“, verklausuliert Klaus Gjasula (Mitte) seine Hoffnungen. © Imago

Führungsspieler Klaus Gjasula über den Zusammenhalt beim Zweitliga-Spitzenreiter SV Darmstadt 98, das anstehende Wiedersehen mit dem Hamburger SV und frühe Bolzplatzerfahrungen mit seinem Bruder Jürgen.

Herr Gjasula, aus verlässlichen Quellen aus Ihrer Heimatstadt Freiburg ist uns ein Dokument aus Ihrer Schulzeit zugespielt worden. Es handelt sich dabei um einen Klassenbucheintrag: „Klaus Gjasula stört den Unterricht.“

(lacht) Ach, ja. Da gibt es sicherlich mehr als nur einen.

Waren Sie ein Troublemaker damals?

Ich hatte viele Freunde in der Klasse, und wenn man jung ist, kennt man manchmal seine Grenzen nicht und macht auch mal ein bisschen Mist. Am schönsten war es eh, wenn die Schule rum war und wir endlich raus konnten auf den Bolzplatz.

Laut scheinen Sie heute noch zu sein, Herr Gjasula, jedenfalls auf dem Fußballplatz. Sie sind beim SV Darmstadt 98, zumindest von außen betrachtet, derjenige, der am meisten mit den Mitspielern spricht, sie anleitet.

Mir fallen noch ein paar andere bei uns ein, die lautstark vorangehen. Aber ich bin einer davon, das stimmt. Das ist, glaube ich, aber auch positionsbedingt. Wenn du relativ zentral und weiter hinten bist, siehst du viel und kannst viel helfen.

Auch fußballerisch. Beim Spielaufbau lassen Sie sich gerne zwischen die zwei Innenverteidiger fallen, sind oft der erste Spieler, der den Ball bekommt, fast wie ein Quarterback im American Football. Sind Sie mittlerweile der Tom Brady der Lilien?

Jetzt muss ich aber langsam aufpassen, dass ich nicht davonfliege, wenn ich nachher den Raum verlasse (lacht). Nein, nein, das ist übertrieben. Es kommt ja auch immer darauf an, wie der Gegner spielt. Wenn man es dem Gegner schwieriger machen kann, uns im Spielaufbau zu attackieren, indem ich tiefer stehe, dann mache ich das. Ansonsten bleibe ich brav eine Position weiter vorne.

Der gepflegte Spielaufbau von hinten ist dennoch augenscheinlich. Ist das der Stil von Trainer Torsten Lieberknecht?

Absolut. Ich mache ja nicht mein eigenes Ding (lacht). Natürlich wollen wir variabel sein und spielen auch mal den langen Ball, wenn es die Situation erfordert. Aber grundsätzlich ist es uns schon wichtig, dass wir ordentlich Fußball spielen von hinten raus.

Ihr vier Jahre älterer Bruder Jürgen, ebenfalls Profifußballer, war immer eine ähnliche Erscheinung wie Sie auf dem Platz mit seiner Präsenz in der Mitte des Spielfelds. Ergebnis seines Einflusses oder doch Zufall?

Die Ähnlichkeiten sind eher Zufall, das ist ja eine Charakterfrage. Aber Jürgen hat mir in vielerlei Hinsicht geholfen, was meine Entscheidungen anging in der Karriere, ob es gut lief oder auch mal nicht. Ratschläge, die der große Bruder halt gibt. Das hat es für mich einfacher gemacht, weil er viel erlebt hat.

Und Jürgen war auch derjenige, der Sie früher mitgenommen hat auf die Freiburger Bolzplätze?

Das war nicht nötig. Wir hatten einen Bolzplatz direkt hinterm Haus. Da waren dann immer alle aus der Gegend. Aber wenn mein Bruder mit seinen Kollegen da gespielt hat, musste ich schon kämpfen, dass ich mal mitmachen durfte. So war das halt früher, da waren die Plätze immer voll. Jetzt ist das leider anders, da hocken die Kids eher drinnen und laden bei Instagram Bilder hoch.

Zur Person

Klaus Gjasula , 32, in Freiburg aufgewachsen, hat sich stetig nach oben gearbeitet im Berufsfußball. Nach diversen Stationen in der Oberliga, der Regionalliga (Offenbacher Kickers) und der Dritten Liga schaffte der jüngere Bruder von Jürgen Gjasula (ehemals FSV Frankfurt) schließlich mit dem SC Paderborn 2019 den Aufstieg in die Bundesliga. Es folgte ein unglückliches Jahr beim Hamburger SV, ehe Gjasula sich im August 2021 dem SV Darmstadt anschloss. Seinen Ruf als harter Hund und Gelb-Magnet nimmt er mit Humor. Auf die FR-Frage an Darmstadts Pressesprecher Jan Bergholz, warum Stürmer Luca Pfeiffer beim DFB nur mit elf statt der korrekten 12 Saisontore geführt wird, wirft Gjasula rasch ein: „Bestimmt haben sie das Tor bei mir als Gelbe Karte angerechnet.“ (FR)

Wenn die Social-Media-Abteilung von Darmstadt 98 zurzeit Bilder hochlädt, sieht man jedenfalls viele gut gelaunte Gesichter. Sie sind Tabellenführer in Liga zwei. Hätten Sie bei Ihrem Sommerwechsel vom Hamburger SV – dem nächsten Darmstädter Gegner am Sonntag - zu den Lilien gedacht, dass Sie mit dem SV 98 vielleicht bessere Aufstiegschancen haben würden als beim HSV?

Es fällt mir auch jetzt schwer, das zu unterschreiben, aufgrund der wirtschaftlichen Kraft und Favoritenrolle des HSV. Die Saison ist noch lang, am Ende wird abgerechnet. Die Hamburger sind jetzt erst einmal ein richtiger Brocken, die da auf uns zukommen, die sind überragend drauf. Verstecken müssen wir uns aber vor keinem Team in der Liga. Wir genießen einfach den Moment und wollen ihn so lange wie möglich ausdehnen.

Wir dürfen davon ausgehen, dass das kein 08/15-Spiel für Sie ist?

Ich glaube, es ist für jeden Spieler und für jede Mannschaft in der Liga etwas Besonderes, gegen Vereine wie den HSV, wie Werder Bremen und Schalke 04 zu spielen, weil das große Namen sind. Bei mir kommt natürlich dazu, dass es noch nicht lange her ist, dass ich mit den HSV-Jungs zusammen trainiert habe. Aber das schiebe ich zur Seite.

Wenn Sie Ihre Mannschaft mit der Konkurrenz vergleichen: Was macht das Team so stark?

Qualität haben viele Mannschaften, alle in anderen Bereichen. Aber wenn ich uns mit anderen Mannschaften vergleiche, auch mit welchen, in denen ich früher gespielt habe, dann würde ich den Teamspirit als großes Plus nennen. Der ist nicht selbstverständlich. Jeder ist für den anderen da, alle gönnen sich den Erfolg.

Sie kamen nach Ihrem Wechsel zwar erst später dazu, aber hat dieser Teamspirit seinen Ursprung im nicht gerade optimalen Saisonstart mit den vielen Corona-Fällen?

Auf jeden Fall. Ich glaube, dass es in einer Mannschaft immer auch auf die Typen ankommt und dass diese zusammenwachsen. Hier ist dieser Prozess durch die Corona-Problematik schneller vorangegangen, wir wurden noch mal enger zusammengeschweißt. Das Endprodukt ist nun zu sehen.

Aber Erfolg kann doch nicht ausschließlich auf Mentalität und Zusammenhalt basieren, das würden sonst ja alle probieren. Oder ist es tatsächlich so einfach?

Nein, nein, wir haben auch viel fußballerische Qualität im Team, die ist natürlich wichtig. Aber es gibt schon einen Unterschied zwischen dem Vorhaben, künftig zusammenzuhalten, und es dann auch komplett als Team zu leben. Das erkennt man dann in Situationen, in denen es eng wird, in denen es drauf ankommt. Dass wir unsere Qualitäten haben, dass uns gerade die Jungs vorne mit ihren vielen Toren gut tun, steht außer Frage.

Wie sehr reizt der Aufstieg in die Bundesliga? Sie haben mit dem SC Paderborn bereits Erstligaluft schnuppern dürften.

Im Beruf strebt man doch immer nach Erfolg, ob als Profi oder in anderen Branchen. Wer diese Herangehensweise nicht hat, der hat den falschen Beruf gewählt. Aber man weiß eben auch, wie schwer dieses Ziel zu erreichen ist. Mein Motto ist und bleibt: Einfach nicht darüber nachdenken, möglichst viele Spiele gewinnen und dann schauen, was rauskommt. Es wird bis zum Schluss eng bleiben.

Ihre Karriere verlief anders als etwa die Ihres Bruders, der früh als Riesentalent galt und durchstartete. Sie mussten sich den Weg von unten (unter anderem Oberliga mit Bahlinger SC sowie Regionalliga mit Kickers Offenbach) nach oben härter erarbeiten. Schmeckt Ihre Laufbahn daher besonders süß?

Absolut. Für mich war es nicht immer leicht in der Karriere, zum Glück ist es aber im Endeffekt gut gegangen. Ich bin sehr happy und stolz darüber, wie es gelaufen ist und wo ich jetzt bin, dass ich auf einem guten Zweitliganiveau spiele, zudem für die albanische Nationalmannschaft – das sind alles keine Selbstverständlichkeiten.

Interview: Jakob Böllhoff und Daniel Schmitt

Auch interessant

Kommentare