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Abstiegsreif: Die Wehen Wiesbadener um Maximilian Dittgen (rechts gegen Ryo Miyaichi) beenden die Hinrunde mit nur 14 Punkten. 

SV Wehen Wiesbaden

Vom Kiez gebrüllt

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Der SV Wehen Wiesbaden zeigt im Zweitligaspiel beim FC St. Pauli eine ordentliche Leistung und verliert doch verdient. Der Jahresabschluss gegen Karlsruhe steht nun unter einem besonderen Stern.

Als die wackeren Wiesbadener noch einmal alles nach vorne warfen, war es ein ungleicher Kampf. Elf gegen 29 000, elf Fußballer aus dem Hessenland gegen 29 000 Hamburger. 2:1 stand es kurz vor Schluss der Zweitligapartie zwischen dem FC St. Pauli und dem SV Wehen Wiesbaden, die Gäste probierten mit allem, was sie hatten, noch zum Ausgleich zu kommen. Sie funktionierten Zwei-Meter-Verteidiger Benedikt Röcker zum Zwei-Meter-Stürmer um, sie grätschten über den seifigen Rasen, sie wurden angefeuert von ihrem stets am Limit coachenden Fußballlehrer Rüdiger Rehm, ja sie prügelten die Kugel fast schon in Richtung des gegnerischen Kastens. Allerdings: Die 29 000 Hamburger Fans am Millerntor, in dieser Fußball-Kultstätte am Kiez, im Stadion unweit der Reeperbahn, waren stärker.

„St. Pauli, St. Pauli“, lärmte es von den Tribünen, wohlgemerkt von allen vier Tribünen. Jene Kicker mit dem Totenkopf im Sportlerherzen bekamen sichtbaren Auftrieb. Die Männer des FC St. Pauli, zuvor acht Spiele ohne Sieg geblieben und daher tief in den Tabellenkeller abgerutscht, rackerte noch ein wenig mehr als sowieso schon und belohnten sich: In der 90. Minute schoss Viktor Gyökeres den für die Norddeutschen so erleichternden Treffer zum 3:1 (1:0)-Endstand. Ein ins Netz gebrüllter Treffer.

„Wir sind enttäuscht, weil wir sicherlich kein perfektes Spiel gemacht haben“, sagte Gästetrainer Rüdiger Rehm: „Wir haben in der ersten Hälfte die Grundtugenden vermissen lassen, waren nicht schnell genug im Denken und Laufen und dadurch auch im Handeln. Dann haben wir uns gesteigert, es hat nur nicht gereicht.“

Der SV Wehen Wiesbaden war mit nur 14 Punkten zum Hinrundenabschluss nach Hamburg gereist, aber gleichzeitig auch mit der Hoffnung, den Kontrahenten mit einem Auswärtscoup in der Tabelle zu überholen. Stattdessen liegen die Hessen nun vier Zähler hinter St. Pauli. Entsprechend enttäuscht fielen äußerten sich die SVWW-Protagonisten: „Es ist sehr bitter, dass wir in den letzten Minuten noch zwei Dinger bekommen“, sagte Kapitän Sebastian Mrowca. „Wir stehen leider ohne Punkte da, jetzt müssen wir wieder aufstehen und hart arbeiten“, ergänzte Angreifer Manuel Schäffler.

Dabei hatten die Gäste gar nicht mal so schlecht gespielt. Sie hatten sich gerade in Hälfte zwei offensiv viel zugetraut und ebenso wie St. Pauli ansehnliche Kombinationen gezeigt. Eine Feststellung, die in Hauruckliga zwei selten zu treffen ist und im Duell zweier abstiegsbedrohter Teams fast nie. Von daher gibt es sicher auch positive Aspekte, die die Hessen mit in den Jahresabschluss am Freitag beim Karlsruher SC nehmen können, aber halt keine Punkte. Und keinen Torjäger.

Manuel Schäffler, der mit einem Schuss in den Winkel und seinem insgesamt zwölften Saisontreffer das zwischenzeitliche 1:1 erzielt hatte (70.), bekam in Hamburg seine fünfte Gelbe Karte gezeigt und wird gegen den KSC gesperrt fehlen. Auch waren die Abwehrschwächen bei allem Einsatzwillen erneut nicht zu übersehen. Vor dem 0:1, das Gyökeres erzielte (22.), leistete sich SVWW-Kapitän Mrowac einen Querschläger. Vor dem 2:1 durch den Hamburger Henk Veerman grätschte Abwehrchef Niklas Dams ins Leere (86.). Schäffler zeigte sich dennoch optimistisch, den Klassenerhalt im zweiten Saisonteil packen zu können. Er rechnete vor: „Wir haben anfangs aus acht Spielen nur einen Punkt geholt und danach aus neun Spielen 13 Punkte. Wenn wir das noch zweimal machen, haben wir genug Punkte, um drin zu bleiben.“ Möglich, aber schwierig.

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