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Kicken mit Botschaft

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Von: Jan Christian Müller

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Training in der Burg. Aber ohne Schlossgespenst. Foto: AFP
Training in der Burg. Aber ohne Schlossgespenst. Foto: AFP © AFP

Organisiert „Community Events“, wünschte sich die Fifa. Die Deutschen entschieden sich zum fröhlichen Bolzen mit Frauen. Auch dies ein Statement. Eine Glosse.

Der Weg von Doha zum mehr als hundert Kilometer entfernten Basecamp der deutschen Nationalmannschaft führt parallel zur Küste des Persischen Golfs durch die Wüste. Man hätte denken können, dass eine Schotterpiste oder bestenfalls eine Landstraße von der katarischen Hauptstadt ins Niemandsland im Norden führt, vorbei an den gigantischen Gasfeldern, die Katar so reich gemacht haben. Tatsächlich aber fährt man gemächlich auf einem dreispurigen Highway mit einer Dichte an listigen Blitzern, die wahrscheinlich weltweit ihresgleichen sucht.

Dort hinten, rechts von der Autobahn, türmt sich eine Festung aus rotem Mauerwerk aus der Einöde. Vier Türme, an jeder Ecke einer. Erst näheres Hinsehen führt zur Erkenntnis: Es handelt sich nicht die katarische Version von Fort Knox, sondern um ein als Burganlage verkleidetes Stadion. Die Heimat des katarischen Erstligisten Al-Shamal SC ist für ein paar Wochen von der Fifa eingenommen und an den DFB verpachtet worden. Uneinsehbar für Menschen, die dort nichts zu suchen haben.

Auf dem Weg von Doha findet sich kurz vorm Ziel ein Hinweisschild zum Strand: Womens Beach. Niemand sonst als Frauen dürfen ihn betreten. Ob man ihnen auch erlaubt, dort Fußball zu spielen? Man weiß es nicht.

Kicken mit Frauen

Beim Deutschen Fußball-Bund, wo Frauenfußball von 1955 bis 1970 verboten war, um Zucht und Ordnung zu gewährleisten, ist am Sonntagnachmittag der Wind des Wechsels eingezogen. Der Verband öffnete sein durch hohe Mauern geschütztes Gelände. Eine Frauenauswahl aus dem Gastgeberland durfte mit den Männern Fußball spielen. Ursprünglich hatte die Fifa wie üblich bei Weltmeisterschaften geplant, dass jedes WM-Teilnehmerland ein öffentliches Training organisiert. Das erschien den Sicherheitskräften dann aber zu gefährlich. Zu viele Menschen im Land auf zu wenig Raum. Öffentliche Übungseinheiten mit Messi, Neymar oder Ronaldo in Doha? Ein unkalkulierbares Risiko, weil die Stars viel zu berühmt sind und die Trainingsplätze in der Hauptstadt keinen Trutzburgen gleichen wie der der Deutschen dort draußen im Norden .

Stattdessen die Verpflichtung der Fifa an die Verbände: Organisiert „Community Events“. Ladet ein paar Nachbarn ein. Oder Nachbarinnen. Die Niederlande nutzten das zu einer Trainingseinheit mit Arbeitsmigranten. Es ging lustig zu. Die Deutschen entschieden sich zum fröhlichen Bolzen mit Frauen. Auch dies ein Statement mit Blick auf den WM-Ausrichter. Die Botschaft ist klar: „Wir haben das im Blick, Katar!“

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