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Hat es nach oben geschafft: Sonny Kittel, 26, spielt beim HSV.

Fußball-Brüder

Kicken bis die Mama ausflippt

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Die aus Gießen stammenden Brüder Sonny und Sammy Kittel leben ihren Fußballtraum – auf unterschiedlichem Niveau.

Gießen, sagt Sammy Kittel, „ist definitiv unsere Heimat.“ Wann immer es möglich ist, verbringen die Brüder Sammy und Sonny Zeit zusammen, telefonieren täglich – und lassen sich gerne von ihren Großeltern in der Grünberger Straße bekochen: „Wir verbringen dort viel Zeit, sind gerne da. Sie machen uns gerne Pierogi (gefüllte Teigtaschen, ein polnisches Gericht; Anm. d. Red.).“

Die Familie sei „ganz wichtig, Sonny ist mein Bruder und mein Vorbild.“ Mitte Oktober besuchte der beim Hamburger SV in der Zweiten Fußball-Bundesliga spielende Sonny seinen jüngeren Bruder das letzte Mal, schaute sich im Gießener Waldstadion die Partie gegen den SSV Ulm an. Drei Jahre lang lebten beide in Ingolstadt zusammen, als sie für den dortigen FC spielten. Mittlerweile trennen sie rund 450 Kilometer.

Der altersmäßig und körperlich größere Bruder (Sonny ist 26 Jahre alt, 1,79 Meter groß, Sammy ist 19 und 1,69 Meter) warf in diesen Tagen nun in den Raum, dass es in ferner Zukunft eine Kittel-Connection in Gießen geben könnte, beide also gemeinsam auf dem Fußballplatz. „Das wäre cool. Zum Ende meiner Karriere könnte ich mir das vorstellen, warum nicht auch in Gießen?“, sagte Sonny Kittel dem „Hamburger Abendblatt“.

Bis dahin ist es gleichwohl noch ein weiter Weg für seinen Bruder, der beim Südwest-Regionalligisten noch keine Einsatzminute erhalten hat. Dass das noch dauern wird, bestätigt der Gießener Trainer Daniyel Cimen: „Sammy ist noch ein Stück weit von einem Kaderplatz entfernt. Für seine Entwicklung ist es gut, dass er in der Verbandsliga im Seniorenbereich Erfahrungen sammelt.“

Will es nach oben schaffen: Sammy Kittel, 19, kickt in Gießen.

Der 19-Jährige, der vor der Saison von der U19 des TSV 1860 München gekommen ist, habe technisch große Fähigkeiten. „Aber man sieht auch seine körperlichen Defizite. Da ist viel Eigenverantwortung von ihm gefragt.“ In dieser Saison kam Kittel bislang nur in der Verbandsliga Mitte für die zweite Mannschaft zum Einsatz. Dort erzielte er als zentraler Mittelfeldspieler zwei Tore.

Kittel selbst, der mit der Ersten Mannschaft trainiert, sagt: „Es ist gut, dass ich in der Zweiten Mannschaft regelmäßig spiele. Ich muss mir Stück für Stück alles erarbeiten und verliere mein Ziel nicht aus den Augen.“ Das Ziel sei, „oben Einsatzminuten zu bekommen. Ich arbeite an mir“, auch mit einem persönlichen Fitnesstrainer.

Marcel Cholibois, der ihn als Reserve-Trainer Woche für Woche auf dem Platz erlebt, sagt: „Er hat eine positive Leistungsbereitschaft und ist sehr ehrgeizig. In Sachen Torgefahr beispielsweise muss er aber noch zulegen.“

Auch der große Bruder wirbt um Geduld. „Er ist gerade aus der Jugend raus und braucht noch ein bisschen Zeit“, erklärt Sonny, der sich an die gemeinsame Jugend in Gießen erinnert. „Wir haben damals bei uns in der Eichgärtenallee vor den Hochhausgaragen gespielt. Mit Stangen haben wir uns Tore gebaut und einfach gekickt.“ Sammy sei „dann auch irgendwann dazugekommen und hat gelernt, sich früh durchzusetzen. Für uns gab es nur Fußball.“ Auch in der Wohnung stand das Kicken im Vordergrund: „Wir haben mit einem Softball gespielt und die Türen waren die Tore. Das ging dann immer so lange, bis etwas kaputtgegangen ist und unsere Mutter ausgeflippt ist.“

Sammy Kittel, der mit seiner Mutter in Annerod wohnt, bekundet: „Es war schon immer ein Traum von uns beiden, irgendwann einmal zusammen auf dem Platz zu stehen. Am schönsten wäre das irgendwann natürlich in der Heimat. Aber das ist noch ein weiter Weg.“ Während für den 19-Jährigen noch viel Luft nach oben ist, startet Sonny beim HSVin der zweiten Spielklasse richtig durch. Sieben Tore und zwei Vorlagen weist der Offensivspieler in zwölf Zweitligaeinsätzen bisher auf.

„Hamburg ist jetzt meine Heimat. Aber ich habe gerade erst mit meiner Freundin darüber gesprochen. Wenn wir in Gießen sind, denken wir oft, dass das eines Tages wieder unser Mittelpunkt werden könnte. Ab und an fahre ich mal an der alten Schule vorbei. Da kommen Erinnerungen hoch“, sagt Sonny Kittel. „Wenn ich manchmal durch die Straßen fahre und die Bolzplätze sehe, denke ich immer, wie geil es gewesen wäre, wenn wir so einen auch gehabt hätten.“ Hätte der Frau Mama vielleicht nicht so viele Nerven gekostet.

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