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Trauriger Ex-Held: Kepa Arrizabalaga vom FC Chelsea.

FC Chelsea

Teuerster Torwart der Welt gibt Rätsel auf

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der teuerste Torwart der Welt, Kepa Arrizabalaga, gibt dem FC Chelsea mit seiner anhaltenden Formschwäche Rätsel auf - gegen den FC Bayern wird er wohl nicht einmal im Tor stehen.

Als der Weltrekord-Deal im August 2018 fix war und der aus dem Baskenland verpflichtete neue Torwart breit lächelnd mit dem grünen Keeper-Trikot vor den Fotografen posierte, drückte Marina Granovskaia ihre Freude überschwänglich aus. „Wir sind extrem begeistert“, sagte die Sportdirektorin des FC Chelsea, „der langfristige Vertrag über sieben Jahre zeigt, wie viel Vertrauen wir in Kepa haben. Er ist ein fantastischer Torwart.“ Zwei Jahre später dürfte Kepa Arrizabalaga, der teuerste Torwart der Welt, beim Champions-League-Achtelfinale in München nur auf der Ersatzbank hocken; verdrängt wegen anhaltend schwacher Leistungen vom 38 Jahre alten argentinischen Routinier Willy Caballero. Es scheint, als hätte Teammanager Frank Lampard die Geduld mit Kepa endgültig verloren, seit der Torwart neulich beim 3:5 beim FC Liverpool mehrfach patzte. Schon in diesem Winter hatte Lampard seiner Unzufriedenheit Ausdruck verliehen und Kepa gegen Leicester City aus dem Tor verbannt. Allein: Eine Reaktion blieb aus. Kepa patzte weiter regelmäßig.

80 Millionen Euro musste der FC Chelsea seinerzeit für den Spanier an den knüppelhart verhandelnden FC Bilbao überweisen, nur 35 Millionen Euro flossen zur Refinanzierung für den Transfer des Belgiers Thibaut Courtois von Real Madrid zurück. Ein dickes Minusgeschäft, erst recht vor dem Hintergrund der weiteren Entwicklung: Courtois, der unbedingt nach Madrid wollte und also nicht zu halten war, zählt im Tor von Real weiterhin zur absoluten Weltklasse. Kepa dagegen ist laut der Opta-Datenbank der Mann mit den schlechtesten Werten aller Torhüter in der Premier League. Er wehrt nur noch 54,5 Prozent der Schüsse auf sein Tor ab, rund 20 Prozentpunkte weniger als in der Vorsaison. Auch seine zuvor sehr vorzeigbare Stabilität mit Ball am Fuß konnte er nicht halten. Statt zuvor 85 Prozent kamen in der Premier-League-Saison 2019/20 nur noch 80 Prozent seiner Pässe bei einem Mitspieler an.

Die beste Aktion des 25-Jährigen, die weithin in Erinnerung geblieben ist, rührt aus dem Elfmeterschießen im Halbfinale der Europa League gegen Eintracht Frankfurt aus dem Frühjahr 2019. Da entschärfte der Torwart den Vollspann flach in die Mitte geschossenen Ball des Eintracht-Verteidigers Martin Hinteregger, als er reflexartig gerade rechtzeitig die Beine zusammen bekam. Chelsea siegte so nach 1:3-Rückstand. Hinterher schrieben die Zeitungen: „Kepa ist der Held der Blues.“ Inzwischen hat er längst selbst den Blues.

Für Negativschlagzeilen hatte Kepa bereits im Februar 2019 gesorgt, als er sich in der Verlängerung beim League-Cup-Finale gegen Manchester City weigerte, vom damaligen Chelsea-Coach Maurizio Sarri ausgewechselt zu werden. Sarri war außer sich. Chelsea verlor das Elfmeterschießen. Zur Strafe musste Kepa seinen kargen Wochenlohn von 220 000 Euro an die Chelsea-Stiftung für gute Zwecke zahlen und gab sich mittelmäßig reumütig. Es habe sich um ein Missverständnis gehandelt.

Kepas aktuelle tiefe Leistungsdelle gibt den Beteiligten Rätsel auf: Ist es nur die Form oder ist es die Qualität? Mitunter scheint der Torwart seltsam teilnahmslos. Liegt das Problem eventuell tiefer? In seltenen Interviews gibt er nur Allgemeinplätze preis. Dem Vernehmen nach soll der FC Chelsea, der in der Premier-League-Saison für ein Spitzenteam indiskutable 1,5 Tore pro Spiel kassierte, an Jan Oblak von Atlético Madrid und Andre Onana von Ajax Amsterdam interessiert sein. Kepa könnte keine Zukunft mehr an der Stamford Bridge haben. Aber wer umgerechnet 220 000 Euro pro Woche kassiert, streicht pro Saison 11,44 Millionen ein und gilt selbst ablösefrei als schwer vermittelbar. Chelsea droht ein monumentales Verlustgeschäft.

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