Moenchengladbachs Marcus Thuram kniet zum Protest gegen Rassismus.
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Moenchengladbachs Marcus Thuram kniet zum Protest gegen Rassismus.

Zeichen gegen Rassismus

Einig im Protest

Der Deutsche Fußball-Bund verzichtet auf eine Anklage gegen Bundesligaprofis, die sich mit Polizeiopfer Floyd solidarisieren.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes verzichtet auf eine Anklage gegen Spieler der Fußball-Bundesliga, die am vergangenen Wochenende auf dem Platz gegen den Rassismus in den USA protestiert hatten. Fußball-Staatsanwalt Anton Nachreiner, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, begründete: „Natürlich hat der DFB-Kontrollausschuss stets die Vorgaben der Fifa-Fußballregeln und der DFB-Ordnungen im Blick. Im konkreten Fall handelt es sich aber um gezielte Anti-Rassismus-Aktionen der Spieler, die sich damit für Werte starkmachen, für die der DFB ebenfalls steht und immer eintritt. Daher werden keine Verfahren eingeleitet, auch bei vergleichbaren Anti-Rassismus-Aktionen in den nächsten Wochen nicht.“ Gerade auch letztere Botschaft ist von einiger Bedeutung.

DFB-Präsident Fritz Keller begrüßte „den weitsichtigen Beschluss des DFB-Kontrollausschusses ausdrücklich“. Er sei „sehr froh darüber“. Denn: „Der DFB tritt entschieden gegen jede Form von Rassismus, Diskriminierung und Gewalt ein und steht für Toleranz, Offenheit und Vielfalt – also Werte, die auch in der DFB-Satzung verankert sind. Deshalb haben die Aktionen der Spieler unseren Respekt und unser Verständnis.“

Weston McKennie von Schalke 04, Marcus Thuram von Borussia Mönchengladbach, Jadon Sancho und Achraf Hakimi von Borussia Dortmund hatten ihre Empörung und Anteilnahme des infolge eines brutalen Polizeieinsatzes in Minneapolis ums Leben gekommenen Afroamerikaners George Floyd auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck gebracht. McKennie mittels einer Armbinde, Thuram, der nach einem Torerfolg symbolisch in die Knie ging, Sancho und Hakimi, indem sie auf T-Shirts unter ihren hochgezogenen Trikots „Justice for George Floyd“ einforderten.

Politische Botschaften auf dem Platz sind den Profis nicht erlaubt. In den Regeln des DFB heißt es etwa, dass die Spieler keine Unterwäsche mit „politischen, religiösen oder persönlichen Slogans“ zeigen dürfen.

Außenminister Heiko Maas hatte den Profis im Vorfeld des DFB-Entscheids Rückendeckung gegeben: „Ich habe vollstes Verständnis für diese Proteste, auch in der Art und Weise wie sie stattgefunden haben, wie ich finde in großer Zurückhaltung.“

Zahlreiche Sportler aus Deutschland haben sich derweil an einer Solidaraktion beteiligt und auf Instagram ein komplett schwarzes Bild hochgeladen. Unter anderen die aktuellen oder ehemaligen Fußball-Nationalspieler Thomas Müller, Jerome Boateng, Joshua Kimmich, Toni Kroos, Leroy Sané, Mario Götze, Mats Hummels und Marco Reus unterstützten damit den “#BlackOutTuesday“. Mit der aus der US-Musikindustrie kommenden Aktion soll Aufmerksamkeit auf die Ungerechtigkeit gelenkt werden,

Viele weitere Sportler aus Deutschland beteiligten sich, darunter der ehemalige Skirennfahrer Felix Neureuther und dessen Ex-Teamkollegen Thomas Dreßen und Stefan Luitz, der NBA-Basketballer Maxi Kleber oder die in der NHL spielenden Eishockeyprofis Tobias Rieder und Korbinian Holzer. Die Initiative fand weltweit Unterstützung. Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton postete eine schwarze Faust vor schwarzem Hintergrund und schrieb emotionale Worte.

Aus dem Fußball beteiligten sich zudem der Franzose Franck Ribéry, der Spanier Javi Martínez, der Österreicher David Alaba, der Chilene Arturo Vidal, der Brasilianer Philippe Coutinho oder Real-Madrid-Trainer Zinédine Zidane, zeigten ihre Anteilnahme und riefen zur Sendepause in den Netzwerken auf, um für Gerechtigkeit und Gleichheit zu demonstrieren.

Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte zuvor den DFB aufgefordert, protestierende Bundesligaprofis nicht zu bestrafen. „In einem Fifa-Wettbewerb würden die jüngsten Demonstrationen von Spielern in der Bundesliga einen Applaus verdienen und keine Bestrafung.“ Denn: „Wir alle müssen Nein zu Rassismus und jeglicher Form von Diskriminierung sagen. Wir alle müssen Nein zu Gewalt sagen.“

Der Schalker McKennie begrüßte, dass auch andere Bundesligaspieler öffentlich ihren Unmut gegen Polizeigewalt und Rassismus bekundet haben. „Das war wichtig und ein starkes Zeichen“, sagte der US-Amerikaner der ARD. Der Bitte von Schiedsrichter Felix Zwayer während der Partie gegen Bremen (0:1), seine Armbinde zu entfernen, sei er bewusst nicht nachkommen: „Ich habe gedacht, das ist ein Zeichen gegen Rassismus, das wird kein Problem sein. Das ist sehr wichtig für mich. Ich bin Sportler, klar, aber zuerst bin ich Mensch.“ McKennie äußerte sich positiv über die Reaktion des FC Schalke auf seinen Protest: „Der Verein steht hundert Prozent hinter mir.“ Allerdings sei er gebeten worden, beim nächsten Mal den Klub vorher darüber zu informieren. McKennie hat bereits angekündigt, seinen Protest fortzusetzen. Er werde dem getöteten Floyd weiter „meine Anerkennung zollen“, sagte er dem US-Magazin „Forbes“.

dpa/sid/jcm

In den 60er Jahren trieben US-Regierungen ihr Land in einen Strudel der Gewalt. Sie nutzten Proteste der Afroamerikaner gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USAs, um gegen sie vorzugehen. Ein erschreckter Rückblick auf eine für die ganze Welt damals verhängnisvolle Entwicklung.

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