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Nicht auf einer Wellenlänge: Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann (l.) und Spieler Andrej Kramaric.

TSG Hoffenheim

Keine Hilfe von außen

Andrej Kramaric attackiert Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann scharf.

Es werde Tränen geben, denn er sei sehr nahe am Wasser gebaut – als Julian Nagelsmann vor wenigen Tagen auf sein letztes Heimspiel an der Seitenlinie der TSG Hoffenheim vorausschaute, dachte der 31-Jährige an die Wehmut, die ihn erfassen werde. Nun könnte es aber sein, dass der scheidende Trainer des Bundesligisten am Samstag vor Wut weint. Ausgerechnet sein Musterschüler Andrej Kramaric hat Nagelsmann vor der Partie gegen Werder Bremen heftig attackiert.

Der „Bild-Zeitung“ waren die Vorwürfe des kroatischen Vize-Weltmeisters sogar die Überschrift „Abrechnung mit Nagelsmann“ wert – auch wenn der Klub am Montag verlauten ließ, dass „Julian und Andrej das Ganze intern geklärt haben“. Tatsächlich haben es die Aussagen des 27-Jährigen in sich. Da half es auch nichts, dass Kramaric seinen starken Tobak mit dem Halbsatz „Ich liebe Julian“ einleitete – denn das folgende „aber“ enthält jede Menge Zündstoff.

„Wir wechseln zu oft das System während des Spiels. Wir sind nicht bereit dafür. Wir sind keine Roboter, sondern Menschen. Das sind viele Fehler von draußen“, sagte Kramaric: „In so vielen Spielen weiß ich in dem Moment nicht, auf welcher Position ich überhaupt bin. Ich bin wirklich enttäuscht.“

Dass ausgerechnet Kramaric diese Vorwürfe erhebt, kommt überraschend. Zum einen war er es, der am Samstag gegen Mönchengladbach gleich mehrere glasklarste Chancen vergeben hat, er war es auch, der die Woche zuvor einen Elfmeter gegen Wolfsburg kläglich verschossen hat. Und schließlich hatte der Offensivspieler erst vor zwei Wochen verlauten lassen, wie wohl er sich im Kraichgau fühlt und dass er sich ein Karriere-Ende bei der TSG sehr gut vorstellen kann. Die jüngsten Rückschläge im Kampf um die erneute Qualifikation für die Königsklasse haben Kramaric aber offensichtlich frustriert.

„Unser Traum von der Champions League ist vorbei“, betonte Kramaric, obwohl die Hoffenheimer bei drei Punkten Rückstand auf den Vierten Eintracht Frankfurt zwei Spieltage vor Schluss noch im Rennen sind: „Es war das Hauptziel der Saison. Dieses Team verdient die Champions League.“

Im Umkehrschluss bedeutet diese Aussage, dass Nagelsmann nach Ansicht von Kramaric nicht alles aus der Mannschaft herausgeholt hat. Dieser Vorwurf steht im Gegensatz zu dem, was der Coach in den vergangenen Jahren geleistet hat. Nagelsmann, der ab der neuen Saison den Hoffenheimer Ligarivalen RB Leipzig betreuen wird, rettete die TSG zunächst vor dem Abstieg – dann führte er den Klub von Mehrheitseigner Dietmar Hopp erst in die Europa League und anschließend in die Champions League.

Demirbay zu Leverkusen

Das ist Kramaric aber offensichtlich nicht genug. Dasselbe gilt für die deutschen Nationalspieler Kerem Demirbay und Nico Schulz. Ob die beiden in der kommenden Spielzeit noch auf den neuen Trainer Alfred Schreuder treffen, scheint mehr als fraglich. Spielmacher Demirbay steht laut „Sport Bild“ vor einem Wechsel zu Bayer Leverkusen. Demnach will der 25-Jährige im Sommer von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen - für eine Ablösesumme von 28 Millionen Euro. Auch Schulz tendiert zu einem Abschied, da er „gerne einmal zu einem Topklub“ gehen wolle. Der 26 Jahre alte Linksverteidiger wird mit Borussia Dortmund in Verbindung gebracht. (sid/FR)

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