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Schatten auf dem Sommermärchen. Foto: dpa
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Schatten auf dem Sommermärchen.

Verjährtes Sommermärchen

Kein Wille, kein Weg

Die Fifa-Ethikkommission schließt die Akte „Sommermärchen“ - Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Untersuchung bleiben.

Untätig war die Ethikkommission der Fifa gewiss nicht, das beweisen schon die ausführlichen Abschlussberichte zur Sommermärchen-Affäre – es ging schließlich um Bestechung und Korruption. So widmete sie dem früheren OK-Chef Franz Beckenbauer und dessen Verstrickungen 20 Seiten, zum ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger gab‘s gar sieben Seiten mehr, über Ex-Generalsekretär Horst R. Schmidt immerhin noch 17. Umso ernüchternder war dann aber der Ertrag: Die Vorwürfe sind schon seit 2012 bzw. 2015 verjährt, die Akten geschlossen.

Fifa: Wo sind die 6,7 Millionen?

Damit ist eine der letzten – wenn auch nur kleinen – Möglichkeiten vertan, Licht ins Dunkel um den wirklichen Zweck dieser ominösen 6,7 Millionen Euro im Vorfeld der WM 2006 zu bringen. Im vergangenen Jahr schon wurde ein Prozess vor dem Schweizer Bundesstrafgericht ebenfalls wegen Verjährung abgebrochen.

Die letzte Hoffnung richtet sich nun auf die Generalinventur des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) – der Bericht der externen Ermittler der Firma Esecon soll bald vorliegen, inklusive neuer Erkenntnisse zum Sommermärchen-Skandal.

DFB: Boss Keller hat noch vage Hoffnungen

„Ich hoffe, dass im März alles durch ist“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller in der Vorwoche der „Welt am Sonntag“: „Das Gesamtergebnis kenne ich noch nicht. Aber an mich ist berichtet worden, dass wir zum Schluss wesentlich mehr wissen werden.“ Auch ein noch nicht terminierter Prozess wegen möglicher Steuerhinterziehung rund ums Sommermärchen vor dem Landgericht Frankfurt steht noch aus.

Die alles entscheidenden Fragen rund um die dubiosen Vorgänge zwischen 2002 und 2005 dürften aber unbeantwortet bleiben. Schließlich schweigen sich die Schlüsselfiguren Beckenbauer und Mohamed bin Hammam, als Fifa-Finanzchef damals Empfänger der 6,7 Millionen Euro, über den eigentlichen Grund der getarnten Zahlungen aus.

Korruption: Bin Hammam kommt davon

Zwar hatte die untersuchende Kammer der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes diese schon vor einem halben Jahr als Bestechung und Korruption eingestuft, die rechtsprechende Kammer führte in dem am Donnerstagabend veröffentlichten Bericht die Zahlungsströme zwischen dem inzwischen verstorbenen adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, Beckenbauer, bin Hammam, der Fifa und dem DFB erstmals detailliert auf. Doch gegen den Katarer bin Hammam, bereits seit 2011 wegen Korruption lebenslang gesperrt, ermittelten die Ethiker in knapp fünf Jahren gar nicht erst.

Theo Zwanziger reicht Klage gegen Fifa ein

Theo Zwanziger geht gerichtlich gegen die Vorsitzenden der unabhängigen Ethikkommission des Fußball-Verbandes Fifa vor. In einer Mail an die beiden Kammern vom 1. Februar dieses Jahres kündigte der ehemalige DFB-Präsident nach eigenen Angaben an, dass er bei einer Schweizer Strafverfolgungsbehörde gegen Vassilios Skouris aus Griechenland und Maria Claudia Rojas aus Kolumbien Strafanzeige und zugleich Strafantrag wegen Verleumdung oder übler Nachrede gestellt hat

Die Vorsitzenden der Ethikkommission haben ohne sachlichen Grund und damit rein willkürlich mit der Behauptung, ich sei an einem Bestechungsmodell beteiligt gewesen, öffentlich meine ethische Integrität schwer beschädigt“, nannte Zwanziger in der Mail als Grund für sein Vorgehen.

Trotz des Fifa-Beschlusses, das Verfahren gegen unter anderem ihn einzustellen, hält Zwanziger an seinen Strafanzeigen fest. „Das Ganze war von Anfang an absurd und willkürlich“, sagte der 75 Jahre alte Zwanziger. Es zeige, „zu welchen Methoden“ die Fifa unter ihren Präsidenten Gianni Infantino greife. „Jetzt ist die Blamage perfekt.“ dpa

Es ist nicht das einzige Fragezeichen hinter dem Aufklärungswillen der Fifa. Bis Sommer 2018 war im Ethikcode bei schweren Vergehen wie Bestechung keine Verjährung vorgesehen, dann wurde plötzlich eine Frist von zehn Jahren (15 Jahren bei dann bereits eröffneten Verfahren) festgesetzt. Die kritischen Chefs der Ethikkommission, den Deutschen Hans-Joachim Eckert und den Schweizer Cornel Borbely, hatte Fifa-Präsident Gianni Infantino ein Jahr zuvor abgesägt.

Unter der neuen, höchst umstrittenen Chefermittlerin Maria Claudia Rojas wirkt es schon länger so, als untersuche die eigentlich unabhängige Ethikkommission heiße Themen nicht mehr allzu genau. Anders ist kaum zu erklären, dass bin Hammam vom obersten Fifa-Richter Vassilios Skouris zwischenzeitlich bereits fälschlicherweise für tot erklärt wurde.

Franz Beckenbauer: Zweifel an seiner angeblich schlechten Gesundheit

Interessantes führte der Abschlussbericht der Fifa-Ethiker dennoch zutage. So zweifelten sie Beckenbauers angeblich schlechte Gesundheit und dessen Erinnerungsschwäche stark an, die laut dessen Ärzten Vernehmungen unmöglich machten. Schließlich sei der heute 75-Jährige zwischen Januar und Oktober 2020 fit genug für mehrere öffentliche Auftritte gewesen.

Franz Beckenbauer: An 1990 kann er sich erinnern

Zudem hätten die Ermittler in den vergangenen Monaten auch Interviews Beckenbauers zur Kenntnis genommen, in denen er sich „teilweise mit lebhaften Details“ etwa an die WM 1990 erinnerte. Doch wie dem auch sei: Sportrechtliche Konsequenzen haben Beckenbauer und seine Mitstreiter nicht mehr zu befürchten. Kommentar S. 27 sid/FR

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