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Peter Stöger möchte endlich wieder gewinnen.

1. FC Köln - Borussia Dortmund

Kein Spiel wie jedes andere

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Trainer Peter Stöger trifft am Freitag mit der "Echten Liebe" auf seine alte, den 1. FC Köln.

Die ganz große emotionale Verwirrung wird den 50.000 Menschen, die am Freitagabend (20.30 Uhr/Eurosport) zum Gastspiel von Borussia Dortmund beim 1. FC Köln erwartet werden, gerade noch erspart bleiben. Der BVB hat die zwischenzeitlich im Raum stehende Idee, nach der Kölner Trainerikone Peter Stöger auch noch Anthony Modeste zu verpflichten, doch wieder verworfen. Nicht der Franzose, sondern Michy Batchuayi vom FC Chelsea ersetzt Pierre-Emerick Aubameyang, die Domstadt atmet auf. Stöger als schwarz-gelbes Duo mit dem entflohenen Sturmhelden Modeste zum Gegner zu haben, wäre eine komplexe Herausforderung geworden. 

Aber auch so erwartet Stöger „kein Spiel wie jedes andere“. Natürlich werden Erinnerungen wach, für viele Kölner wirkt der im Herbst beim Effzeh entlassene Trainer im BVB-Dress immer noch irgendwie verkleidet. Er wisse selbst nicht, „wie er sich fühlen und mit der Situation umgehen“ werde, sagt der Österreicher, der immer noch eng verbunden ist mit der Rheinländern und ihrer geliebten Metropole.

Sicher ist nur, dass die Begegnung mit Armin Veh eher kühl ausfallen wird. Der neue Kölner Sportdirektor tritt seit Wochen nach gegen den österreichischen Trainer. Stögers Nachfolger Stefan Ruthenbeck könne „nichts für den Zustand der Mannschaft, er kann nichts für die 13 Verletzten, das hat schon der Vorgänger zu verantworten“, hatte Veh gleich nach seiner Ankunft in Köln erklärt. In dieser Woche hat er im „Express“ noch einmal bekräftigt, dass „etwas in der Trainingssteuerung schiefgelaufen sein muss“ und angedeutet, dass Stöger womöglich viel früher selbst hätte zurücktreten müssen: „Wenn man weiß, dass es schwer wird, sollte man konsequent sein.“

Mit viel Fleiß arbeitet Veh an der Entmystifizierung der goldenen Jahre mit Stöger und dem vormaligen Sportdirektor Jörg Schmadtke. In den Erinnerungen der Fans stehen diese beiden Namen ja immer noch für große Glücksmomente, für die Rückkehr in den Europapokal und vor allem: für die Verwandlung ihres unsteten Chaosklubs in einen seriös arbeitenden Fußballbetrieb, dessen Protagonisten auch noch humorvoll und selbstironisch mit dem ganzen Irrsinn der Profibranche umgingen. Die vergangenen sieben Monate haben der Stadt aber schmerzlich klar gemacht, dass auch Stögers Demut, seine Gelassenheit und sein Humor, irgendwann ihre heilende Wirkung verlieren.

Zu machtvoll sind die zersetzenden Kräfte, die der Bundesligafußball mit seiner öffentlichen Präsenz, seinen finanziellen Verführungen, seinen Eitelkeiten, Intrigen und Konflikten mitunter entwickeln kann. Stöger wurde ja nicht zuletzt aufgrund seines Talents zum Friedensstifter nach Dortmund geholt, doch wie schon in seinem finalen Halbjahr in Köln, wirkt er auch hier ziemlich hilflos im Umgang mit einer auseinander fallenden Gruppe. Stöger habe „innerhalb und außerhalb der Mannschaft sehr positiv Einfluss genommen“, lässt sich BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zwar im „Kicker“ zitieren, aber in Wahrheit hat der Ruf dieses Trainers dicke Kratzer abbekommen.

Der BVB leidet unter einem Konstruktionsfehler

In Köln sehen mittlerweile auch die sentimentalsten Stöger-Freunde, dass die Mannschaft unter Nachfolger Stefan Ruthenbeck besser funktioniert. Und in Dortmund wird nicht nur erkennbar, dass der auf Stabilität und Risikominimierung beruhende Fußball des Österreichers oftmals wenig unterhaltsam ist. Sondern auch, dass ein Trainer mit großer Empathie und Menschenkenntnis noch lange nicht ausreicht, um einem Kader, der die Freude am gemeinsamen Alltag verloren hat, wieder in ein funktionierendes Kollektiv zu verwandeln. Und dass die Klubwechsel der unzufriedenen Spieler Marc Batra und Aubameyang den Kader entgiften, ist eher unwahrscheinlich. 

Dennoch ist aus Dortmund nichts Negatives über Stöger zu hören. „Er möchte wissen, wie wir denken, wie wir Dinge beurteilen“, sagt Kapitän Marcel Schmelzer, statt dem Team einen dogmatischen Trainerfußball aufzuzwingen, werden die Spieler wieder mitgenommen. Das hilft. Aber die Dortmunder Mannschaft leidet weiterhin unter einem Konstruktionsfehler: Es fehlen reife Persönlichkeiten, die einen prägenden Einfluss auf das Alltagsklima nehmen können. 

Peter Stöger hat sich in den vergangenen Monaten zu einem Sonderpädagogen entwickelt, der die schwierigsten Problemfälle des bisherigen Saisonverlaufs bändigen soll. Wobei die Sache in Dortmund zwar auf der Kippe steht, sich aber trotz der drei Unentschieden im neuen Jahr zum Guten wenden kann. Noch hat Stöger kein Spiel als BVB-Trainer verloren, aber ein Unentschieden wäre am Freitagabend bei dieser Ausgangslage für beide Klubs eine Niederlage.

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