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Ein höflicher Mann: Der nigerianische Trainer Gernot Rohr.
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Ein höflicher Mann: Der nigerianische Trainer Gernot Rohr.

Gernot Rohr

Kein Jay-Jay, nirgends

  • VonTobias Schächter
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Nigeria hat keine Virtuosen mehr im Team, aber einen Trainer Rohr, der Frohsinn verbreitet.

Gernot Rohr kennt den Überschwang der Gefühle der Fußballfans in Afrika. Er trainierte schon die Nationalmannschaften Gabuns, des Niger und von Burkina Faso. Als der 64 Jahre alte gebürtige Mannheimer nun mit der Auswahl Nigerias zum ersten Mal in seinem langen Fußballerleben zu einer Weltmeisterschaft aufbrach, gab ihm der Staatspräsident die Empfehlung mit auf den Weg, den Titel mit nach Hause zu bringen. Dass diese Erwartungshaltung unrealistisch war, wusste nicht nur Rohr schon vor dem ersten Auftritt der sogenannten „Super Eagles“ beim Turnier in Russland. Die 0:2-Pleite vergangenen Samstag in Kaliningrad gegen Kroatien war aber umso bitterer, weil Rohrs Elf chancenlos gegen die routinierten Kroaten war. Ohne eine große Leistungssteigerung an diesem Freitag in Wolgograd gegen Island wird für Rohrs Nigeria die WM schon vorbei sein, ehe sie richtig begonnen hat.

Rohr weiß, dass mit jeder Niederlage die Kritik am Trainer lauter wird. „Es gibt schließlich über 190 Millionen Nationaltrainer im Land“, sagt er schmunzelnd. Rohr bleibt immer höflich, auch wenn ihn nigerianische Journalisten hart angehen. Beispielsweise muss sich der Coach nun die Frage gefallen lassen, warum er John Obi Mikel auf der Zehner-Position im Mittelfeld spielen lasse und nicht auf der Sechs. Mikel, 31, ist Rohrs Kapitän und der prominenteste Akteur der jungen Nigerianer. Er spielte viele Jahre beim FC Chelsea in der Premier League im defensiven Mittelfeld, seit anderthalb Jahren kickt er für Tianjin Teda in China. Rohr entgegnet der Kritik sachlich, er sagt: Mikel spiele seit er Trainer in Nigeria sei, also seit zwei Jahren, auf dieser Position und damit habe man Erfolg gehabt. Auch in China spiele Mikel oft auf der Zehn. Unabhängig von der Positionsdebatte nährte Mikels kraftloser Auftritt in Kaliningrad aber den Verdacht, dass ein Wechsel nach China zwar gut für das Bankkonto vieler Profis ist, nicht aber für deren Leistungsstärke.

Nigeria stellt das jüngste Team des Turniers, Könner und Virtuosen wie einst die beiden Bundesligastars Sunday Oliseh (1. FC Köln) oder Jay-Jay Okocha (Eintracht Frankfurt) sucht man in der aktuellen Auswahl vergeblich. Alex Iwobi, 22, ist zwar der Neffe von Okocha und ein großes Talent, aber der Außenstürmer des FC Arsenal agiert in vielen Situationen noch zu ungestüm. Zu viel in bestimmten Momenten zu wollen, ist Ausdruck von Unreife. Und in der Defensivarbeit wirken die Spieler nicht immer konzentriert. Der vorentscheidende Rückstand gegen Kroatien kam nach einem Eckball für den Gegner zustande. „Das ist besonders ärgerlich, weil wir auf die Stärke der Kroaten bei Standardsituationen hingewiesen haben“, klagt Rohr.

Positiv bleiben, und Optimismus verbreiten – das war seine Strategie direkt nach dem Abpfiff der Kroatien-Partie. Doch neutrale Beobachter tun sich schwer, Anzeichen für einen längeren Verbleib dieser Mannschaft im Turnier zu finden. Abwehrspieler Leon Balogun aber glaubt: „Es war nicht alles schlecht. Außerdem sind wir als Team sehr gefestigt.“

Balogun beklagt Härte

Der Innenverteidiger von Mainz 05 bemängelte jedoch die mangelnde Wettkampfhärte gegen Kroatien. „Bei jedem Eckball und Freistoß hatte ich auf gut Deutsch drei Hände in der Fresse.“ Der kommende Gegner Island gilt auch nicht gerade als zimperlich, deshalb fordert der 29-Jährige: „Das wird ein Abnutzungskampf, wir müssen energischer verteidigen.“ Der gebürtige Berliner stand 2014 nach einem Mittelfußbruch nach seinem Länderspieldebüt für Nigeria schon vor dem Karriere-Aus. Er war damals vereinslos, bevor er über Darmstadt 98 nach Mainz kam.

Nun spielt er eine WM und wechselt nach dem Turnier zu Brighton & Hove Albion. Er freue sich sehr auf das Abenteuer in England, sagt er. Aber zunächst will er so lange wie möglich mit Nigeria in Russland spielen: „Die Chance ist immer noch da.“ An diesem Freitag entscheidet sich gegen Island wohl, wie früh das erste von zwei großen Abenteuern in diesem Sommer für Leon Balogun vorbei ist. Auch Gernot Rohr wäre am liebsten, es dauere noch eine Weile an. Denn: Je früher das Aus feststeht, desto unbequemer wird die Situation für den Trainer.

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