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Will die Richtung vorgeben: Fifa-Präsident Gianni Infantino.
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Will die Richtung vorgeben: Fifa-Präsident Gianni Infantino.

WM-Pläne alle zwei Jahre

Kaum ein Plätzchen frei

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Schon ab Sommer 2024 werden Spielpausen unter der Woche wohl der Vergangenheit angehören, denn beim Gezerre um den Spielkalender kennen Uefa und Fifa kaum noch ein Tabu,

So manch Bundesligatrainer atmet auf, die Nationalspieler holen mal tief Luft – und der Fan schaut verwundert ins Fernsehprogramm: Kann es sein, dass in der aktuellen Kalenderwoche 38, zur besten Jahreszeit mit den überall noch sattgrünen Rasenflächen, kein Ball im deutschen Profifußball rollt? Tatsächlich ist im Rahmenkalender dieses kleine Plätzchen frei. Die unerbittliche Terminhatz setzt dann ab Herbst ein und hört erst kurz vor Weihnachten auf. Wie der beste Terminplan aussieht, darüber wird fast seit den Gründerzeiten der Bundesliga gestritten. Doch wo die Debatten früher um die Winterpause kreisten – ja oder nein, wenn ja, wie lang? – geht es nun in eine ganz andere Richtung. Um eine „neue Phase der Konsultation über den internationalen Spielkalender für Frauen und Männer einzuleiten, der Ende 2023 bzw. 2024 ausläuft“, wie die Fifa mitgeteilt hat, werden die Mitgliedsverbände und andere Interessensgruppen gehört. Der nächste Onlinegipfel ist für den 30. September angesetzt.

Wohin der Weltverband Fifa unter dem ständig zu neuen Ufern strebenden Präsidenten Gianni Infantino will, hatten die eingespannten Experten wie Arsène Wenger ja schon deutlich gemacht: Am besten eine Weltmeisterschaft würde alle zwei Jahre gespielt, der Rest drumherum drapiert – und alles wäre gut. Zumindest für die Fifa, die einen Milliardenreibach mit der ab 2026 auf 48 Teilnehmer aufgepumpten Mammut-WM macht, die in fünf Jahren in den USA, Kanada und Mexiko abgehalten wird.

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) läuft Sturm gegen die Zwei-Jahres-WM-Vision. Den schwer durchschaubaren Impresario Infantino erreichten Boykottdrohungen seines Gegenspielers, des Uefa-Bosses Aleksander Ceferin, der auch vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) Rückendeckung erhielt. Obwohl dessen Interimspräsidenten Rainer Koch als Mitglied der Uefa-Exekutive und Peter Peters als Mitglied im Fifa-Council den zerstrittenen Verbänden dienen, besteht Einigkeit: Ohne die Zustimmung des europäischen Fußballs kann es keine Reform geben. Kritisch wird beim DFB vor allem die Reduzierung auf möglicherweise nur noch eine mehrwöchige Abstellungsperiode zu Länderspielen im Oktober gesehen.

Denn die Uefa garantiert mittlerweile den Verbänden über die Zentralvermarktung etwa der sportlich wertlosen Nations League enorme Summen – für den DFB kommen da schnell 60 Millionen Euro in einem Jahr zusammen. Zudem würde eine WM in Dauerschleife letztlich die Europameisterschaften und selbst die ab 2024 ausgeweitete Champions League entwerten. Die in der Königsklasse in drei Jahren erforderlichen 225 Spiele, 100 mehr als bisher, werden einen gewaltigen Druck auf den Terminkalender ausüben – da bleibt kaum noch ein Plätzchen frei. Wenn dann noch die Spitzenspieler jeden Sommer um EM- und WM-Trophäe kämpfen, kann sich jeder ausmalen, was das für Knochen, Sehnen und Muskeln bedeutet. Von einem „signifikant steigenden Verletzungsrisiko“, warnt der DFB und muss dazu gar keine Studie anführen.

Ein wichtiges Argument hat der Verband nachgeschoben, das bislang in der internationalen Betrachtung kaum berücksichtigt wurde. Die Fifa schreibt sich zwar auf die Fahnen, auch den Frauenfußball intensiv zu fördern – weshalb die Frauen-WM 2023 in Australien und Neuseeland schon mit 32 Teams gespielt wird – doch eine globale Strahlkraft entfalten diese Turniere nur ohne männliche Konkurrenz. Der DFB hielt daher fest: „Sollte in jedem Sommer entweder eine Welt- oder Europameisterschaft der Männer stattfinden, würden die Turniere der Frauen sowie der Junior*innen im Schatten der Männer-Wettbewerbe marginalisiert.“

Es wird schwer für Infantino, an dieser Stelle ein Gegenargument zu finden. Aber der Schweizer, der in Afrika oder Asien deutlich besser angesehen ist als in Europa, ist schlau genug, insgesamt der Diskussion ein bisschen Wind aus den Segeln zu nehmen. Das geschieht am besten, in dem vieles wieder in die dunklen Hinterzimmer bzw. virtuellen Räume verlagert wird. Man wolle, heißt es, „in den kommenden Monaten eine konstruktive und offene Debatte auf globaler und regionaler Ebene führen“. Trotzdem scheint kein Tabubruch ausgeschlossen.

Die Fifa stützt sich neuerdings auf Umfragen, demnach sich 55 Prozent von mehr als 20 000 Fans aus allen Erdteilen einen kürzeren WM-Rhythmus wünschen. Der Weltverband will nun schnell noch eine Befragung mit mehr als 100 000 Teilnehmern starten, und dabei dürfte die jüngste Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren eine große Rolle spielen, die als eventgetriebene Generation nach den absoluten Highlights lechzen – und das ist eine WM ja ohne Frage. Aber: Im Fußball-Mutterland England votierten 64 Prozent gegen die verkürzte Zeitspanne. Auch in Deutschland finden sich noch viele Traditionalisten.

Eine weitere Variante: im Drei-Jahres-Zyklus WM, EM und Klub-WM abwechselnd auszutragen. Das ginge zwar auch zu Lasten der Spieler und der Frauenturniere, aber an dieser Stelle deutet sich nach Dafürhalten deutscher Spitzenfunktionäre tatsächlich die Kompromissformel an: Wenn die Fifa ihre WM alle zwei Jahre nicht durchkriegt, bekommt sie im Gegenzug von der Uefa grünes Licht, dass die acht oder neun bekanntesten europäischen Topvereine bei einer großen Klub-Weltmeisterschaft mitmachen. Der ehemalige DFB-Präsident Reinhard Grindel glaubt, dass sei von vornherein Infantinos Idee gewesen.

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