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Katars Handlanger heißt Gianni Infantino

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Von: Günter Klein

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Darum geht es, nicht um Politik, sagt Fifa-Boss Gianni Infantino.
Darum geht es, nicht um Politik, sagt Fifa-Boss Gianni Infantino. © imago sportfotodienst

Der Fifa-Präsident präsentiert sich bei seiner Abschlusspressekonferenz als nüchterner Pragmatiker und Unterstützer des WM-Gastgebers - die Laufkundschaft nimmt das gerne an.

Es sei zu Beginn kurz erinnert an folgende Aussage: „Heute fühle ich mich homosexuell, heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant, heute fühle ich mich als Araber…“ – nein, so bizarr wie der Auftritt zu Beginn der WM war die Abschlusspressekonferenz des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino in Katar nicht mal mehr im Ansatz. Diesmal präsentierte der Schweizer sich als Pragmatiker. Die Veranstaltung ist in den vergangenen vier Wochen ja auch bestens gelaufen für ihn.

Die vor einem Monat noch sehr lauten Geräusche, die Menschenrechtslage in Katar und die Motivlage des Gastgebers betreffend, wurden übertönt vom Tosen des Turniers. In diesem Punkt hat Gianni Infantino recht: Fußball hat eine enorme Kraft, eine Aktion auf einem Rasenfeld, ein paar Sekunden lang nur wie Lionel Messis Sololauf im Halbfinale gegen Kroatien, kann eine Geschichte schreiben, die die ganze Welt einnimmt. Und aus Sicht des Fifa-Präsidenten ist das Spiel ein hohes Gut, das es konsequent zu beschützen gilt von externen Einflüssen – wie politischen Demonstrationen.

Infantinos Argumentation wird bei der klassischen Laufkundschaft des großen Fußballs, die ihren Spaß hat und nicht weiter nachfragen will, verfangen und in vielen Kulturen mit Leidenschaft für den Fußball Zustimmung finden. Das macht sie aber nicht richtig. Denn Katar ist es nie darum gegangen, für die Welt einfach mal vier Wochen ein freundlicher Gastgeber zu sein; Katar hat den Fußball instrumentalisiert.

Aufgrund der komplizierten Lage dieses klitzekleinen, reichen, aber militärisch schwachen Landes sicher auch, um den Selbsterhalt zu sichern – doch der Preis war hoch: Bezahlen mussten ihn Familien aus der Dritten Welt, die ihren Ernährer auf einer der Baustellen in Katar verloren haben, bezahlen muss ihn die Umwelt, denn das Land hat seine Bilanz in diesem Bereich mit der Weltmeisterschaft massiv verschlechtert, bezahlen muss auch der ehemalige Pressesprecher der WM-Bewerbung, ein Katarer, der auf Missstände hinwies (intern, bevor er sie öffentlich machte). Er sitzt im Gefängnis, er ist ein politischer Gefangener. Auch was jetzt über den Versuch katarischer Einflussnahme auf EU-Politik ans Tageslicht kommt, ist ein Grund, sich kritisch zu Katar zu artikulieren.

Was nicht zusammen passt

Gianni Infantino kann also nicht die politische Motivation Katars ausblenden und gleichzeitig den Fußball als frei von Politik deklarieren wollen. Das passt so nicht zusammen. Damit macht er sich zum Handlanger einer Kampagne. Ein Entschädigungsfonds für die Opfer wird auch nicht kommen, davon kann man ausgehen. Das eingespielte Geld wird in der Familie des Fußballs bleiben. Laut dem Fifa-Präsidenten zur „Entwicklung des Fußballs“ in allen angeschlossenen 211 Mitgliedverbänden. Schön. Doch das Entwickeln von Menschlichkeit und Teilnahme wäre vielleicht wichtiger.

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