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Die Gemeinsamkeit dieser Menschen ist übrigens, dass sie alle weiße Männer sind.

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Karl-Heinz Rummenigge hat gar nichts gelernt

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Bayern-Vorstandschef Rummenigge vermisst in der Debatte um den Re-Start der Bundesliga Fairness und Anständigkeit. Er ist es, der nichts verstanden hat.

München - Der Fußball, hat Karl-Heinz Rummenigge dieser Tage in einem Interview dem „Handelsblatt“ gesagt, der Fußball sei „während des Lockdowns in Schutt und Asche geredet“ worden. Überall, vor allem in Talkshows, habe die Liga wegen des schnellen Re-Starts ihr Fett wegbekommen, „sehr negativ“ sei vieles dargestellt worden, in der Diskussion habe er Fairness und Anständigkeit vermisst. Schließlich nahm er speziell die ARD aufs Korn: „Es gab ja den einen oder anderen Politiker, der kaum eine TV-Sendung ausließ, um die Bundesliga zu kritisieren.“ Eigentlich wäre jetzt eine Entschuldigung fällig.

Da hat Bayern-Vorstandschef Rummenigge etwas nicht verstanden. Mal wieder.

Fußball in Corona-Zeiten: Karl-Heinz Rummenigge hat den Kern der Kritik nicht verstanden

Er hat nicht verstanden, dass die Menschen in Deutschland vor knapp zwei Monaten, als die Corona-Pandemie stärker ausgeprägt war als jetzt, andere Probleme hatten, als Millionären in kurzen Hosen ihren Ball zurückzugeben. Es wurden seinerzeit grundsätzliche Bedenken formuliert, sehr differenziert übrigens, ob es gesellschaftlich sinnvoll ist, Tore zu erzielen, während auf Intensivstationen mit dem Virus Infizierte um ihr Leben kämpfen, es Ärzten und unterbezahlten Pflegern an Schutzkleidung mangelt. 

Es war darum gegangen, dass man die Frage aufwerfen durfte, ja musste, ob ein wahrlich nicht systemrelevanter Unterhaltungsbetrieb wieder hochgefahren werden muss, dessen Geschäftsmodell teilweise kaum vier Wochen ohne externe Geldzuflüsse trägt. Derlei Nachdenkliches stand im April/Mai auf der Agenda, darüber ist debattiert worden. Es war keine Abrechnung notorischer Bundesligakritiker mit dem Fußball. Aber davon will Karl-Heinz Rummenigge jetzt im Nachgang, da das DFL-Konzept in der Tat gegriffen hat, was nicht selbstverständlich war, nichts wissen. Er hat den Kern der Auseinandersetzung nicht verstanden.

Karl-Heinz Rummenigge hat Protest gegen Dietmar Hopp missverstanden

Wie er auch vorher schon nicht verstanden hat, dass der lautstarke und zuweilen böswillig formulierte Protest der Ränge weniger mit der Person Dietmar Hopp zu tun gehabt hatte, als mit einer grundsätzlichen Kritik am System Profifußball, der längst in einer eigenen Blase lebt, inklusive eines canyongroßen Grabens zwischen Protagonisten und Anhängern. 

Rummenigge verstieg sich damals angesichts von Pfiffen und Plakaten gegen den Mäzen zu der Aussage, der Fußball habe „seine hässliche Fratze“ gezeigt. Im Gegenteil: Damit machten Fans deutlich, dass ihnen der Fußball etwas bedeutet, dass er für sie noch kein seelenloses Geschäft ist, für den sich Herzblut zu vergießen nicht mehr lohne. Die Fratze – das sind astronomische hohe Gehalts- und Transferzahlungen, ist eine WM in Katar, ist ein Wegschauen und -hören, wenn rassistisch gebrüllt wird, auch in Chefetagen.

Ein Umdenken ist bei Karl-Heinz Rummenigge nicht in Sicht

Rummenigge hat auch nicht verstanden, dass man Kritik an seinem FC Bayern eher nicht mit einer absurd aufgeblasenen Pressekonferenz und dem Zitieren des Artikels 1 des Grundgesetzes kontert, während man auf der gleichen Veranstaltung einem ehemaligen Bayern-Spieler just diese Würde kühl entzieht. Und er hat nicht verstanden, warum man in Katar geschenkte Luxus-Uhren an deutschen Grenzen verzollen sollte.

Als der Fußball, wie alles in dieser aus den Angel gehobenen Welt, stoppte, hat man ein paar Momente das Gefühl gehabt, vielleicht hält der aufgeblähte, verrückt gewordene Zirkus kurz inne, zeigt ein wenig Demut, bemerkt, dass es viel, viel wichtigere Dinge gibt als den nächsten, noch besser ausgehandelten Vertrag. Ein leichtes Umdenken schien machbar, der Versuch möglich, die wildesten Ausschläge zu bändigen, Liga-Vertreter hatten sich vereinzelt in diese Richtung geäußert.

Karl-Heinz Rummenigge gehört offenbar nicht zu ihnen.

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