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Dort wird die nächste WM 2022 in Katar gespielt: das Khalifa International Stadium.
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Dort wird die nächste WM 2022 in Katar gespielt: das Khalifa International Stadium.

WM alle zwei Jahre

Kampf ums Spiel

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Die Fifa forciert mit Macht die Idee, die Fußball-Weltmeisterschaft in Zukunft alle zwei, statt alle vier Jahre auszutragen. Die Empörung im europäischen Profibetrieb ist riesig. Nur der DFB hält sich zurück.

Martina Voss-Tecklenburg gehört zu jenen Protagonistinnen, die zu den meisten Themen eine klare Haltung artikulieren. Ohne große diplomatische Verrenkungen. Gerade erst hat die Bundestrainerin aufgezählt, wie die nächsten Sommer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft aussehen: 2022 EM in England, 2023 WM in Australien/Neuseeland, 2024 „hoffentlich“ Olympische Spiele, 2025 EM. Von Weltmeisterschaften im Zweijahresrhythmus, die seitens des Weltverbands Fifa künftig bei Männer wie Frauen angestrebt werden, hält die 53-Jährige nicht viel. Sie sagt Nein. „Wie sollen wir das umsetzen? Wo soll da noch ein großes Turnier rein?“ Ihr muss auch niemand mit einer Förderung des Frauenfußballs kommen. „Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber den hochbelasteten Spielerinnen.“ Sie höre sich gerne Gegenargumente an, aber glaube nicht, „dass sie mich überzeugen werden.“

So geht es vielen im deutschen Fußball, die sich gegen die revolutionären Pläne stemmen, über die nach Fifa-Bestreben bereits Ende des Jahres entschieden werden soll. Am Freitag äußerten reihenweise Bundesligavertreter erhebliche Bedenken. Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl sprach vom „kompletten Schwachsinn“ und hält „überhaupt nichts davon, in einer solchen Zeit solche Themen zu diskutieren“. Der bissigste Kommentar kam, kaum anders zu erwarten, vom deutschen Trainer Jürgen Klopp, dem auf der Pressekonferenz des FC Liverpool sichtlich der Kamm schwoll. „Wenn die Leute bei den Verbänden zusammensitzen, sollten sie sich mal Gedanken über das Spiel an sich machen – und nicht nur über ihren Profit. Aber ich bin 54, ich weiß nicht, ob ich das noch erleben werde.“

Neben dem Blick auf einen ohnehin ausgereizten Terminkalender reicht eigentlich der gesunde Menschenverstand, dass der Vereinsfußball, zuvorderst in Europa, schmerzliche Kompromisse eingehen müsste. Sollen Europameisterschaften dann auch alle zwei Jahre stattfinden? Und zwischendrin werden die Qualifikationen im Eiltempo durchgepaukt? Die Fifa lockt damit, die Abstellungsperioden zu Länderspielen deutlich zu reduzieren, vielleicht auf nur noch eine lange im Oktober/November. Doch dann müssten jedes Jahr im Herbst die nationalen Ligen für drei, vier Wochen ruhen.

Die Uefa ist entsetzt

Der Weltverband der Profiligen (WLF) will sich „allen Plänen widersetzen.“ Für Herbert Hainer, den Präsidenten des FC Bayern, ist die Idee alles andere als vernünftig, für die der ehemalige Arsenal-Trainer Arsène Wenger unaufhörlich im Fifa-Auftrag die Werbetrommel rührt. Der ehemalige Adidas-Chef weiß, dass auch aktuelle Fifa-Sponsoren nicht allesamt begeistert sind, denn zum einen würde das Produkt verwässert, zum anderen die Fifa natürlich alle zwei Jahre versuchen, Reibach zu machen. Geldgeber aus dem arabischen und asiatischen Raum haben offenbar wenig Scheu, gigantische Summen für das Großereignis aufzubringen. Die Fifa setzt bei den Abstimmungen vor allem auf Verbündete aus den bevölkerungsreichen Regionen Afrikas und Asiens, denen Europas Vormachtstellung ein Dorn im Auge ist.

Die europäische Dachorganisation Uefa muss den von Fifa-Präsident Gianni Infantino geschickt eingefädelten Vorstoß als Affront begreifen. Der Schweizer Impresario hat den Fehdehandschuh geworfen. Entsprechend reagierte Uefa-Chef Aleksander Ceferin. Seine geharnischte Reaktion („wir können entscheiden, nicht teilzunehmen“) sprach Bände. Der Slowene unterstellte der Fifa, nicht ganz bei Sinnen zu sein, der Plan würde „den Fußball töten“. Die Uefa kennt indes auch wenig Skrupel, wenn’s ums eigene Geschäft geht; sie hat die Europameisterschaft von 16 auf 24 Teilnehmer aufgebläht, die Nations League erfunden, gerade mit der Europa Conference League einen dritten Europapokalwettbewerb eingeführt und wird ab 2024 die Champions League in einem besorgniserregenden Umfang ausweiten, womit die gierigen Großvereine ruhig gestellt werden sollen, die eine eigene Super League gründen wollten.

Die weltgrößten Fußballinstitutionen ziehen mit ihren ausufernden Expansionsbestrebungen in einen offenen Stellungskrieg. Von der in der Pandemie beschworenen Demut ist nichts mehr übrig. Was verblüfft, ist die wachsweiche Stellungnahme des Deutschen Fußball-Bundes. „Der DFB hält den aktuellen Vier-Jahres-Rhythmus für die Austragung von Weltmeisterschaften grundsätzlich für angemessen.“ Das Thema solle aber in einer Präsidiumssitzung erörtert werden, hieß es. Echter Widerstand würde eigentlich deutlicher formuliert. Oder halten sich die Interimspräsidenten Rainer Koch als Mitglied der Uefa-Exekutive und Peter Peters als einer von neun europäischen Abgesandten im 37-köpfigen Fifa-Council mal wieder alle Türen offen? Klarer artikuliert haben sich 50 große internationale Fanorganisationen, aus Togo und der Türkei, Iran oder Indonesien, Benin oder Brasilien. Für Deutschland haben Unsere Kurve, Bündnis Aktiver Fußball Fans (BAFF) und German Fans‘ Embassy das ablehnende Pamphlet unterzeichnet.

Helen Breit, Sprecherin von Unsere Kurve, steht voll hinter dem Statement: „Die Weltmeisterschaft hat seit der ersten Austragung 1930 in Uruguay alle vier Jahre stattgefunden. Warum sollte man eine fast hundertjährige Tradition aus einer Laune heraus aufgeben, ohne den Beweis zu erbringen, dass dies den Weltsport verbessern würde? Im Gegenteil, ein solcher Schritt droht das ohnehin fragile Gleichgewicht zwischen lokalen, nationalen, kontinentalen und internationalen Wettbewerben und Kalendern zu zerstören.“ Der Fußball müsse sich ändern. „Aber es muss sich zum Besseren verändern. Wir wollen und brauchen nicht noch mehr Weltmeisterschaften.“ mit dpa

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