+
Seifert hat angekündigt, dass der Fan nicht mehr als zwei Abos benötigt – das wäre absolut wünschenswert.

Kommentar

Kampf ums große Geld

  • schließen

Im Frühjahr werden die Medienrechte für den deutschen Profifußball 2021 bis 2025 vergeben. Der Markt ist ausgesprochen günstig, die Klubs können sich auf neue Rekordsummen freuen. Ein Kommentar.

In einer ehemaligen Industriehalle an der Sprendlinger Landstraße in Offenbach versammelt sich am heutigen Dienstag die Prominenz des deutschen Fußballs. In der Eventlocation Fredenhagen wird der Botschaft von Christian Seifert die größte Bedeutung beigemessen, denn der Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL) hat nicht nur vielfältigste Thematiken zu moderieren, sondern einmal mehr ein Milliardenprojekt zu managen: Die Vergabe der Medienrechte in der Periode von 2021 bis 2025 soll Weichen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga einerseits stellen und die nationale Ausgeglichenheit andererseits berücksichtigen.

Bislang ist Seifert die Quadratur des Kreises jedes Mal gut gelungen, denn was der 50-Jährige unter Berücksichtigung der verschiedensten Interessen für den deutschen Fußball herausgeholt hat, konnte sich wirklich sehen lassen. Dem Chefvermarkter kommt für die im Februar beginnende Ausschreibung zupass, dass sich so viele potente Interessenten wie nie zuvor für die Rechte interessieren.

Dass der aufstrebende Streamingdienst Dazn, der sich dank seines breiten Angebots und seiner angenehmen Schlichtheit einer zunehmenden Beliebtheit erfreut, mehr als nur das Freitagsspiel live zeigen will, gilt als sicher. Dass gleichzeitig Sky nach dem künftigen Totalverlust der Champions League nicht auch noch signifikante Einbußen bei den Bundesliga-Livespielen hinnehmen kann, ist ebenfalls Fakt. Profiteure werden die 36 Profiklubs sein, die auf noch mehr als bislang knapp 1,2 Milliarden Euro aus den nationalen Rechten hoffen dürfen. Seifert hat angekündigt, dass der Fan nicht mehr als zwei Abos benötigt – das wäre absolut wünschenswert.

Und dann warten ja auch noch gefräßige Giganten, sich irgendwo ein Stück vom Kuchen einzuverleiben. Apple, Comcast, Disney und Google haben angeblich die Bundesliga im Blick, Amazon hat bereits die Audiorechte, die Telekom bei der EM 2024 zugeschlagen. Deswegen winken dem deutschen Profifußball erneut Wachstumsraten, von denen andere Schlüsselindustrien hierzulande nur noch träumen.

Dass der Megakonzern Amazon, der sich kürzlich exklusive Übertragungen der Königsklasse sicherte, auf dem deutschen Markt ernst macht, zeigt die DFL-Meldung am Montag, dass Amazon Web Service zum Technologie-Provider wird. Künftig sollen die Spieldaten noch professioneller erfasst und aufbereitet, modernste Statistik auf den digitalen Plattformen abgebildet werden und Fans die Möglichkeit haben, Vorhersagen über die Torerzielung in Echtzeit anzustellen. Klingt nach einem bunten Strauß von Möglichkeiten. Unbekannt bislang, wie viel solch ein Zusatzangebot kostet. Eines steht bei der unter Aufsicht des Bundeskartellamtes durchgeführten Rechtevergabe bis Saisonende fest: Mittlerweile hat die Bundesliga einen sehr stolzen Preis.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion