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Bleibt cool: Bibiana Steinhaus.

Franck Ribéry

Kamerad Schnürschuh

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Franck Ribéry erlaubt sich einen Scherz mit Bibiana Steinhaus. Wäre er auch auf die Idee bei einem männlichen Schiedsrichter gekommen? Ein Kommentar.

Schiedsrichter im deutschen Profifußball haben sich über all die Jahre schon so einiges gefallen lassen müssen. Schubsereien, Beleidigungen sowieso, wer Pech hatte, hat auch schon mal einen Becher an den Kopf bekommen. Die Reaktionen waren immer entsprechend. Gelbe oder Rote Karten, selbst zu Spielabbrüchen ist es wegen des Fehlverhaltens von Spielern oder Fans gekommen. Völlig zurecht. Denn es gilt: Den Schiedsrichter körperlich anzugehen, ist tabu.
Das Öffnen von Schnürsenkeln, wie es Franck Ribéry am Samstag beim DFB-Pokalspiel des FC Bayern München in Chemnitz bei Bibiana Steinhaus gemacht hat, gehört zwar sicherlich nicht in diese Kategorie, eine Respektlosigkeit ist es allemal. Der Streich des Franzosen hat mehrere Dimensionen.

Steinhaus reagiert souverän

Zum einen hat Steinhaus ziemlich cool und souverän reagiert. Statt dem Franzosen einen gelben oder gar roten Karton zu zeigen, hat sie ihm zwei Klapse auf den Rücken gegeben, den Schnürsenkel in den Schuh gesteckt und Ribéry den Freistoß ausführen lassen - der diesen direkt verwandelte. Anschließend zitierte sie ihn jedoch noch einmal zu sich und verdeutlichte ihm, dass er so etwas nicht noch einmal versuchen sollte. Im freundlichen, aber ernsten Ton. Für die erste Schiedsrichterin in der Bundesliga, die in diesem Jahr unter besonderer Beobachtung stehen wird, war es eine knifflige Situation. Hätte sie Ribéry verwarnt oder gar vom Platz gestellt, hätte der Jux und seine Folgen ungeahnte Ausmaße angenommen und hätte sie die gesamte Saison über begleitet. Einerseits. Andererseits kann sie sich solche und ähnliche Streiche nicht noch einmal gefallen lassen, sonst verliert sie an Autorität.

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die: Wäre Ribéry auch auf die Idee gekommen, den gleichen Streich einem männlichen Schiedsrichter zu spielen? Ganz bestimmt nicht. „Diese Schiedsrichterin musste man ein bisschen schütteln wegen der Stimmung“, sagte Ribéry hinterher. Will er das also künftig bei jedem Bundesliga-Neuling machen? Dass der frühere Fifa-Schiedsrichter Hellmut Krug, der mittlerweile wieder für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) arbeitet, das im Doppelpass als „kleinen Flirt“ von Ribéry abtat, ist ein fatales Signal.

Der Umgang zwischen einem Spieler und einem Schiedsrichter sollte nicht davon abhängen, welches Geschlecht einem gegenübersteht. Das heißt nicht, dass es keine Späßchen geben sollte. Aber nicht solche, wie die von Franck Ribéry.

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