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Kaum Durchkommen: Thilo Kehrer (links) und Niklas Süle schauen lieber gar nicht mehr hin.
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Kaum Durchkommen: Thilo Kehrer (links) und Niklas Süle schauen lieber gar nicht mehr hin.

Nationalmannschaft

DFB-Team: Kein Platz für Feuer und Leidenschaft

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Nach dem ernüchternden 2:0 gegen Liechtenstein kann sich das DFB-Team gegen Tabellenführer Armenien schnell rehabilitieren.

Frankfurt - Der Liechtensteiner Trainer Martin Stocklasa hat nicht viel gesagt nach dem 0:2 seiner widerspenstigen Zwerge gegen den Scheinriesen aus Deutschland. Aber das brauchte der gute Mann auch nicht, ehe er sich bald zu seinen Spielern gesellte. Das Bier war lange genug kaltgestellt worden. Stocklasa verabschiedete sich in die Nacht mit dem einprägsamen Satz: „Für uns war es ein schöner Abend, für die deutsche Mannschaft waren es drei Punkte.“

Sein geschätzter Kollege Hansi Flick hatte eigentlich einen weniger pragmatischen Ansatz verfolgt. Ihm war es zum Bundestrainer-Debüt nicht nur um schlichte Zähler für die WM-Qualifikation gegangen, sondern um die Stiftung einer neuen Identität mit dem abhanden gekommenen Publikum oder jenem Teil der Ex-Fans, der Länderspiele sowieso nur noch verfolgt, um sich furchtbar aufzuregen.

DFB-Team: Vieles sah ganz konkret schlecht aus

Da der 56-Jährige mitnichten an Realitätsverweigerung leidet, wie es seinem Vorgänger bisweilen unterstellt wurde, sagte auch Flick einen ganz guten Satz: „Ich verstehe, dass die Fans in Deutschland von diesem Ergebnis enttäuscht sind.“ Flick gehört nun nicht zu der Trainergattung der echten Frontschweine (Klopp, Nagelsmann), aber was er damit sicher auch meinte: Viele Fans waren nicht nur mit dem Ergebnis nicht zufrieden, sondern auch nicht damit, wie es zustande gekommen war. Das sah in weiten Teilen nicht gut aus, sondern sogar ganz konkret schlecht.

Ein paar Anlässe zu verzagtem Lob gab es schon: Der rehäugige Jamal Musiala hatte ein Tor prächtig vorbereitet, Timo Werner hatte es mit kalter Entschlossenheit gemacht, Leroy Sané, der Vielkritisierte, hatte nach einer tristen ersten Halbzeit ordentlich was draufgepackt und gewiss nicht zufällig das späte 2:0 besorgt. Gut war auch die Art und Weise, wie Deutschlands Nationalspieler den allerdings körperlich und technisch heillos unterlegenen Liechtensteinern regelmäßig früh den Ball entwendeten. Forechecking nach dem Muster Hansi Flick, das allerdings viel zu selten veredelt wurde.

Ilkay Gündogan als ungewolltes Sinnbild

Die Defizite waren nämlich offenkundiger. Man mag sich kaum ausmalen, was sich Joachim Löw hätte anhören müssen nach so einer Partie. Die öffentliche Ächtung wäre gewiss gewesen. Viel Flick war noch nicht im deutschen Spiel mit dem Ball zu erkennen. Die Passhärte stimmte oft nicht, die Flugbälle landeten irgendwo, aber viel zu selten in gefährlichen Bereichen, die Ballkontaktzeiten bewegten sich mitunter nahe Zeitlupenniveau. Und es gab echte Enttäuschungen, allen voran der rechte Verteidiger Ridle Baku, der nahezu ohne Unterlass Gegner anspielte, aber auch Ilkay Gündogan, dessen Genie sich im Deutschland-Trikot versteckt, wo es niemand sieht.

„Man merkt, dass die Mannschaft nicht so das Vertrauen hat, Tore zu erzielen“, analysierte Flick, nachdem er von ein paar Dutzend ausharrenden DFB-Fans im Stadion von St. Gallen noch ein bisschen abgefeiert worden war. Das hatte vermutlich besser getan als die Ansicht des Spiels zuvor, zu dessen Ende hin der anfangs noch unbesorgt wirkende Bundes-Hansi in seiner Coachingzone zunehmend ungeduldiger und ungnädiger zu werden schien, wenn mal wieder etwas schiefgegangen war.

Gündogan befand später in seiner Analyse, man müsse „ein bisschen selbstkritisch sein“ und sich „in einigen Bereichen verbessern“. Erstens in Sachen Geduld, zweitens, was die Präzision angehe, „den richtigen Pass mit dem richtigen Timing zu spielen“. Gündogan weiß, wovon er spricht: Bei Manchester City hat er Geduld, Präzision und Timing auf Weltklasseniveau optimiert, um es regelmäßig bei der Nationalmannschaft bis zur Unkenntlichkeit herunterzufahren. Was ihm indes auch wichtig war: Der Gegner, versammelt in Grillpartygröße im und um den eigenen Strafraum herum, habe der deutschen Mannschaft aufgrund der Enge gar keine rechte Möglichkeit offenbart, „Feuer und Leidenschaft zu zeigen“. Kann man so sehen.

Nun wartet Armenien auf das DFB-Team

Nach einer Regenerationseinheit in St. Gallen begab sich der DFB-Tross am Freitag, mit Lunchpaketen ausgerüstet, auf die Busreise zurück nach Stuttgart. Denn dort steht am Sonntagabend (20.45 Uhr/RTL) schon die nächste Aufgabe an. Noch ist Gegner Armenien mit einem Punkt Vorsprung Tabellenführer. Gegen 22.35 Uhr soll er es nicht mehr sein, dann wollen die Gruppenfavoriten aus Germanien in Gruppe J vorn stehen. Nur der Erste qualifiziert sich direkt für Katar. Umwege über die Relegation sind unerwünscht.

Gegen die Armenier dürfte Manuel Neuer wieder Tor und eigene Hälfte hüten, der am Fuß lädierte Kapitän nahm am Freitag in St. Gallen wieder an einer Trainingseinheit teil. Das kann Robin Gosens nicht. Sein linker Huf schmerzt so stark, dass an Fußballspielen vorerst nicht zu denken ist. Für den EM-Kurzzeithelden dürfte der Hoffenheimer David Raum als linker Verteidiger zum Debüt im A-Team kommen. Ein interessanter junger Mann.

Gut möglich zudem, dass Flick den indisponierten Ridle Baku durch Jonas Hofmann ersetzt. Der Mönchengladbacher trägt eine Menge Selbstbewusstsein vor sich her: „Ich kann mir den rechten Verteidiger gut vorstellen.“ Defensiv funktioniere das im Training wirklich bestens. Nach vorne könne er auf seine Stärken setzen, „hinter den Rücken der Abwehr zu kommen“ oder alternativ „diagonale Bälle“ schlagen. Klingt so einfach, sah aber gegen Liechtenstein so schwierig aus. (Jan Christan Müller)

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