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Kopfballduell zwischen Matthias Abel (1. FC Kaiserslautern), Jan Kirchhoff (FSV Mainz 05).

DFB-Pokal

Lautern gegen Mainz: Kleiner Riese, großer Zwerg

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Nachbarschaftsduell im DFB-Pokalspiel: Wie die Wege des 1. FC Kaiserslautern und von Mainz 05 sich kreuzten - und auseinandergingen.

Gut 40 000 Besucher werden erwartet. Es ist das Aufeinandertreffen eines verzwergten Riesen gegen einen überdimensionalen Zwerg. Der Pokalauslosung sei Dank, dass am heutigen Samstagnachmittag der 1. FC Kaiserslautern auf Mainz 05 trifft. Die Wege kreuzten sich 2004 nach dem erstmaligen Mainzer Bundesligaaufstieg. Und nun: Dritte Liga gegen erste Liga; gigantische Tradition gegen jahrzehntelange graue Maus; Rote Teufel mit einer verblassten Reputation, die auch im siebten Jahr nach dem Bundesligaabstieg noch weit ins ganze Land hinausstrahlt, gegen gewichtige Mainzelmännchen, die sich auch im elften Jahr in Folge im Oberhaus noch schwertun, über Rheinhessen hinaus wahrgenommen zu werden; schmerzliche Misswirtschaft gegen solide Haushaltsführung; gerade noch zeitig geschlossene Zwölf-Millionen-Deckungslücke gegen strammen 140-Millionen-Euro-Etat.

Bei der letzten Jahreshauptversammlung des FCK musste der Aufsichtsratsvorsitzende Patrick Banf einräumen: „Wir haben über Jahre auf zu großem Fuß gelebt und haben sportlich auf die falschen Pferde gesetzt.“ Etwa zeitgleich im Herbst 2018 verkündete der Mainzer Vorstand Jan Lehmann den x-ten Rekordumsatz: „Wir haben bewiesen, dass man auch ohne Verluste in der Bundesliga bestehen kann.“ Die Mainzer können für ihren geruhsam verstärkten Bundesligakader inzwischen fast das Zehnfache ausgeben wie die Lauterer mit ihrem mühsam zusammengestrickten Fünf-Millionen-Euro-Etat. Das sind Welten, die sich vor allem so erklären: Mainz 05 kassiert in der Bundesliga 46 Millionen Euro alleine aus dem TV-Topf, der FCK gerade mal 1,2 Millionen. Die in Aussicht stehenden 351 000 Euro für das Erreichen der weiten Runde wären für die Mainzer ein nettes Zubrot, für die Lauterer ein wahrer Segen.

6000 Fans aus Mainz in die Pfalz

Zuletzt trafen beide Klubs in der Bundesliga im Februar 2012 aufeinander, Mainz gewann 4:0, ein Ergebnis, das sich als Vorhersage für die Entwicklung der weiteren Jahre erweisen sollte. Im DFB-Pokal gab es zuletzt im Dezember 2005 ein skandalträchtiges Drama, an dessen Ende ein 4:3 für die Gäste im Fritz-Walter-Stadion nach Elfmeterschießen stand, nachdem den Lauterern ein Elfmetertor fälschlicherweise aberkannt worden war.

Für den großen Zwerg Mainz, dessen 6000 Auswärtstickets fix verkauft waren, ist die Partie droben auf dem 79 Kilometer entfernten Betze viel mehr ein echtes Rheinland-Pfalzderby als für den verzwergten Riesen. Zwar wird es erhöhte Polizeipräsenz geben, zumal von Seiten einiger Mainzer Fans bereits ein paar Gehässigkeiten gen Lautern übermittelt wurden. Das für die Sicherheitsbehörden viel aufwendigere Spiel erwartet die Pfalz aber erst in drei Wochen, wenn am 1. September Waldhof Mannheim kommt.

Sportlich sind die Messlatten gelegt: „Wir sind in der Underdogrolle, dürfen aber nicht vor Ehrfurcht erstarren“, sagt FCK-Chefcoach Sascha Hildmann, vormals auch mal bei den Nullfünfern im Nachwuchs tätig. Die Mainzer haben unter der Woche routiniert Entscheidungen getroffen: Mittelfeldspieler Danny Latza wurde von Trainer Sandro Schwarz zum Kapitän ernannt. Sportchef Rouven Schröder lieh Taiwo Awoniyi vom FC Liverpool als Ersatz für den verletzten Torjäger Jean-Philippe Mateta aus und machte den lange vorbereiteten Deal mit Innenverteidiger Jeremiah St. Juste vom niederländischen Erstligisten Feyenoord Rotterdam klar. Kostenpunkt: rund neun Millionen Euro. Die Mainzer können es sich halt leisten.

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