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Kapitän der Zukunft beim DFB?: Joshua Kimmich.

EM in Deutschland

Käpt'n Kimmich & junge Wilde - Personalspielerei für 2024

Joachim Löw plant selber (noch) nicht bis zur Heim-EM 2024. Für junge Spieler ist das Turnier aber ein Fixpunkt, meint der Bundestrainer. Personalprognosen haben nach der Vergabe Hochkonjunktur. Ein Blick in die Fußball-Glaskugel bringt auch derzeit Unwahrscheinliches zutage.

Als Franz Beckenbauer mit den Werbebotschaftern Boris Becker, Claudia Schiffer und Gerhard Schröder im Juli 2000 die WM 2006 nach Deutschland holte, waren Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski in der Fußball-Welt noch unbekannte Schuljungen.

Sechs Jahre später rockten sie als Schweini & Poldi das Sommermärchen. Es kann also viel passieren zwischen einer Turniervergabe und dem ersten Anpfiff für ein Heimturnier.

Die Deutsche Presse-Agentur wagt eine Personalspielerei als Ausblick auf die EM 2024.

TRAINER-DRUCK: Gleich bei seinem ersten Turnier hat Bundestrainer Julian Nagelsmann einen doppelte Bürde zu tragen. Das Heimturnier ist Last genug, doch dem 37-Jährigen soll auch die erste Titelverteidigung für Deutschland gelingen. Wie schwer das ist, hatte der ewige Jogi sechs Jahre zuvor bei der WM erfahren. Erst beim EM-Coup 2020 in London hatte Löw (64) die traurigen Russland-Tage vergessen lassen. Nun soll Nagelsmann mit Offensivfußball den fünften EM-Sieg holen - dafür kaufte ihn der DFB nach der Absage von Jürgen Klopp (57) zwei Jahre zuvor aus dem Vertrag bei RB Leipzig frei.

DIE OLDIES: Gleich nach dem Turnier-Zuschlag für Deutschland hatten sich die Ex-Weltmeister Mats Hummels (35) und Thomas Müller (34), gemeinsam mit dem Holländer Arjen Robben (40), ob ihres Alters selbst auf's Korn genommen. Die Heim-EM kommt für die Rio-Champions dann tatsächlich zu spät. Hummels analysiert stattdessen für einen TV-Sender die deutschen Spiele. Thomas Müller verzichtet auf einen Experten-Job und begleitet seine Frau Lisa zur Vorbereitung als deutsche Olympia-Reiterin nach Paris.

DIE T-FRAGE: So lange musste Marc-André ter Stegen (32) warten. Nach dem Rücktritt von Manuel Neuer (38) ist der Platz im deutschen Tor endlich frei. Doch den macht ihn schon der nächste Bayern-Schlussmann Christian Früchtl (24) streitig. Trotz des erneuten Abstiegs des Hamburger SV aus der Bundesliga meldet auch Julian Pollersbeck (29) Ansprüche an. Nagelsmann spricht ein Machtwort und baut trotz der markigen Sprüche von Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß (72) auf ter Stegen.

DIE K-FRAGE: Auch in der Kapitänsfrage muss Nagelsmann nach einer öffentlichen Debatte eine Entscheidung treffen - und die fällt auf Joshua Kimmich (29). Leon Goretzka (29) wird Stellvertreter und führt mit seinem Bayern-Kollegen den Mannschaftsrat an. Dem Gremium, das bei DFB-Präsident Philipp Lahm (40) die Titel-Rekordprämie von 500 000 Euro pro Spieler locker macht, gehören auch Abwehrchef Niklas Süle (28) und Barca-Stürmer Timo Werner (28) sowie Mittelfeldchef Kai Havertz (25) an, der nach seinem Wechsel zu Real Madrid auch Champions-League-Sieger ist. Die Stammkräfte sollen die jungen Wilden wie Bright Akwo Arrey-Mbi (21) und Emrehan Gedikli (21) bei deren Turnier-Premiere anführen.

DIE DARDAI-BRÜDER: Das nennt man gelungene Integration. Pal Dardai ließ seinen Söhnen Palko (25) und Marton (22) freie Wahl, ob sie für Deutschland oder Ungarn spielen. Doch nach dem Europa-League-Sieg mit Hertha BSC entschieden sich beide Berliner Jungs für eine Karriere in der DFB-Auswahl. Die bleierne Last der Özil-Debatte aus dem WM-Sommer 2018 wirkt wie eine traurige Geschichte aus einer anderen Zeit. Multi-Kulti ist unter Nagelsmann ganz normal. Die Dardai-Brüder sind das Geschwister-Paar seit Karlheinz und Bernd Förster bei der WM 1982.

(Von Arne Richter und Florian Lütticke, dpa)

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