Hansi Flick beim FC Bayern

Ein Juwel names Hans-Dieter

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Die Bayernbosse könnten sich zu Weihnachten selbst beschenken, in dem sie den Interimstrainer zur Dauerlösung machen - prominente Unterstützung hätten sie dabei. Ein Kommentar.

Die erste Kerze brennt also. Advent, Advent, Sie wissen schon … Noch drei Wochen bis Weihnachten. Drei Wochen Wünscheraten. Drei Wochen Vorfreude. Was dann wohl unter der langsam vor sich hintrocknenden Nordmanntanne liegen wird?

In München an der Säbener Straße, im Epizentrum des erfolgreichen deutschen Klubfußballs, wichteln die Klubtrolle des FC Bayern bereits an einem ganz besonderen Präsent, für das es nicht mal Geschenkpapier braucht. Das ist schon mal gut für die CO2-Bilanz des Vereins – und dürfte vor allem den momentan wichtigsten leitenden Angestellten erfreuen: Hansi Flick. Es scheint längst beschlossene Sache, dass der ehemalige Bundes-Co-Trainer einen neuen Arbeitsvertrag unterm Baum finden wird. Am Sonntag kam Bayerns Oberwichtel Karl-Heinz Rummenigge schon mal die Idee, medial und damit unüberhörbar über eine etwaige Weiterbeschäftigung des Kovac-Einwechseltrainers zu plaudern. Im O-Ton: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir auch über den Winter hinaus mit ihm weitermachen.“ Ho, ho, ho. Es sei gut, einen Trainer zu haben, der gut zur Mannschaft passe. Diese Erkenntnis Rummenigges, neuerdings mit einem aufs Minimalmaß gestutzten weißen Rauschebarts daherkommend, ist keine exklusive. Aber vielleicht will der Bayern-Kalle sich ja selbst nur das schönste Geschenk machen. Der Mann steht eben nicht nur auf teure Uhren. Es darf auch mal was Glitzerndes sein. Ein Juwel zum Beispiel. Genau das sei Flick nämlich, behauptet Jupp Heynckes in seiner jüngsten Kolumne im „Kicker“. Der Triple-Gewinner will da ein ganz besonderes Talent ausgemacht haben, eines, das in seine Fußstapfen treten könne. Eines, das eine Epoche prägen könne. Hört, hört. Eben eines, das nach dem WM-Sieg 2014 den Trainerjob an den Nagel hängte, um sich als Sportdirektor beim DFB oder Geschäftsführer bei der TSG Hoffenheim zu versuchen. Alles, nur nicht mehr Trainer!

Normalerweise sind sogenannte Trainertalente Anfang, Mitte 30. Flick ist 54, Familienvater. Sein größte Gabe: Empathie. Ihm wird eine hohe soziale Kompetenz nachgesagt. Es gibt Schlimmeres. Gepaart mit dauerhaftem Erfolg – sind wir mal großzügig und vergessen den Betriebsunfall am vergangenen Samstag gegen Bayer Leverkusen und erinnern uns nur an seinen Startrekord von vier Siegen und 16:0 Toren in der Bundesliga – wird aus einem Menschenfreund plötzlich die Idealbesetzung für den schwierigsten Job im deutschen Fußball.

Vielleicht ist es ja wirklich so simpel. „Gehts raus und spuilts Fußball!“, hat es einst Franz Beckenbauer auf den Punkt gebracht. Nichts anderes dürfte Hansi Flick seinen hochveranlagten Kickern mit auf den Weg gegeben haben, die in den knapp anderthalb Jahren zuvor nie richtig warm geworden waren mit Niko Kovac.

Eine paar nette Worte scheinen also zu reichen. Auch Superstars verlangen nach menschlicher Wärme, erklärt Heynckes. Ein bemerkenswerter Satz des mittlerweile 74-Jährigen. Man könnte auch sagen, der Mann ist altersweise. In der Saison 1994/95 befehligte Heynckes einst Eintracht Frankfurt – mit harter Hand. Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern: Heynckes warf damals Anthony Yeboah, Maurizio Gaudino und Jay-Jay Okocha aus dem Kader, die Superstars der Eintracht zu dieser Zeit. Von menschlicher Wärme war da wenig zu spüren. Vielleicht war der damals 49 Jahre alte Jupp Heynckes in jenen Tagen noch nicht so talentiert wie ein Hansi Flick, der angeblich nur dann aus der Haut fährt, wenn ihn jemand bei seinem eigentlichen Vornamen nennt: Hans-Dieter. Den hasst er nämlich genauso wie die Weihnachtmänner vom FC Bayern München eine Vizemeisterschaft. Dann brennt an der Säbener Straße nicht nur eine Kerze, sondern gleich der komplette Baum.

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