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Das Hirn hinterm VfB-Kader: Sportchef Sven Mislintat.

FR-Bundesliga-Tipptabelle (5)

VfB Stuttgart: Jung, wild, hoffnungsvoll

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die Schwaben könnten zum Überraschungsteam werden - oder sich durch die Saison quälen. Das hängt vor allem von der Entwicklung der Talente ab.

Einiges Pech begleitet den VfB Stuttgart durch die Vorbereitung. Nacheinander fielen die Tests gegen Olympique Marseille und Mainz 05 aus, weil bei den Gegner Coronafälle aufgetreten waren. Immerhin darf der Aufsteiger nun am Samstag im Trainingslagers im österreichischen Kitzbühel ein Testspiel gegen den ruhmreichen FC Liverpool bestreiten.

Wie ist die Stimmung?

Abwartend - und somit nicht vergleichbar mit der Bundesliga-Wiedersehensfreude vor drei Jahren, als mit dem jungen Trainer Hannes Wolf und frischem Geld aus der Umwandlung vom Verein zur Aktiengesellschaft Aufbruchsatmosphäre durch die Stadt wehte. Der direkte Wiederaufstieg in diesem Jahr nach einer holprigen Zweitligasaison, noch dazu begleitet vom Coronavirus, hat nicht zu Jubelstürmen geführt. Es ist viel Vertrauen verlorengegangen in den letzten Jahren mit zwei Abstiegen und immer neuen Personalrochaden in der Führungsetage. Der Schwabe schaut als Fan jetzt sehr genau hin, ob der VfB seine Bringschuld einlöst, Ruhe walten lässt und die Klasse einigermaßen souverän hält.

Wie stark ist der Kader?

Auf jeden Fall ist er jung und entwicklungsfähig. Die „Sportbild“ titelte schon in Erinnerung an die Truppe von 2003 mit Andreas Hinkel, Timo Hildebrand Kevin Kuranyi und Philipp Lahm sowie die Meistermannschaft von 2007 mit Sami Khedira, Serdar Tasci und Mario Gomez „Die neuen jungen Wilden“. Das müssen die freilich erst noch beweisen. Das Talent dazu dürfte gerade bei jungen Männern wie Toptalent Lilian Egloff (gerade volljährig und mit neuem Vertrag bis 2024 ausgestattet) und Stürmer Silas Wamangituka (20) und noch ein paar anderen vorhanden sein. Nach dem Abschied von Mario Gomez und der Verbannung von Holger Badstuber ins Regionalligateam bleiben einzig Gonzalo Castro (33) und Daniel Didavi (30) als Routiniers. Sportchef Sven Mislintat glaubt: „Es dürfte uns entgegenkommen, wenn wir nicht mehr so viel Ballbesitz haben und sich mehr Räume öffnen sollten.“

Worauf steht der Trainer?

Pellegrino Matarazzo setzt auf gute Kommunikation auf Augenhöhe. Er ist ein kluger, studierter Mann und, wie man hört, auch ein netter Kerl. Um seine Autorität zu stützen, wurde der Vertrag mit dem 42-Jährigen, der im Besitz der italienischen und der amerikanischen Staatsbürgerschaft ist, in der miesesten Phase der abgelaufenen Saison von Vorstand Thomas Hitzlsperger und Sportchef Mislintat verlängert. Schöne Sache, die aber wenig bringt, wenn der noch recht unerfahrene Chefcoach nicht die Leistungssprünge mit der jungen Truppe schafft, die Mislintat erwartet.

Zu- und Abgänge

Zugänge : Gregor Kobel (TSG 1899 Hoffenheim, nach Leihe fest verpflichtet), Waldemar Anton (Hannover 96), Konstantinos Mavropanos (Arsenal FC, Leihe), Pascal Stenzel (Freiburg, nach Leihe fest verpflichtet), Ailton (Qarabag Agdam, Leihe beendet), Wataru Endo (VV Sint-Truiden, nach Leihe fest verpflichtet), Erik Thommy (Fortuna Düsseldorf, Leihe beendet), Lilian Egloff (eigene U19), Pablo Maffeo (FC Girona, Leihe beendet), Momo Cisse (AC Le Havre). Abgänge: Nikolas Nartey (SV Sandhausen, Leihe), David Kopacz (FC Würzburger Kickers), Chadrac Akolo (SC Amiens, nach Leihe fest verpflichtet), Anastasios Donis (Stade Reims, nach Leihe fest verpflichtet), Mario Gomez (Karriereende), Nathaniel Phillip (FC Liverpool, Leihe beendet).

Wo hapert’s noch?

Das ganze Konstrukt steht - wie auch an anderen Standorten - nicht zuletzt wegen Corona auf wackligen Füßen. Dass viele Mitarbeiter, unter anderem auch Scouts, in Kurzarbeit geschickt wurden, hat die Stimmung nicht unbedingt gehoben. Was die Mannschaft betrifft: Wird der vergangene Saison lange verletzte Österreicher Sasa Kalajdzic einen guten Mittelstürmer geben? Wird der für vier Millionen Euro aus Hannover geholte Waldemar Anton wie geplant zum Anführer? Nur zwei von vielen Fragen.

Wer sticht heraus?

Auf dem Platz vielleicht schon bald der hochtalentierte Teenager Egloff. Im ganzen Klub Sportdirektor Sven Mislintat, dem Vorstandschef Hitzslperger viel Macht übertragen hat und bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Der erst im Dezember gewählte Präsident Claus Vogt hält sich noch vornehm zurück. Interessant: Der 51-Jährige gründete 2017 den „FC PlayFair! Verein für Integrität im Profifußball e.V.“, der sich auch sehr für Faninteressen einsetzt.

Die Bundesliga-Tipptabelle der FR-Redaktion für die Saison 20/21

PlatzVerein
1noch nicht gesetzt
2noch nicht gesetzt
3Borussia Mönchengladbach (10)
4noch nicht gesetzt
5Hertha BSC Berlin (10)
6noch nicht gesetzt
7noch nicht gesetzt
8TSG Hoffenheim (6)
9noch nicht gesetzt
10FC Augsburg (15)
11noch nicht gesetzt
12noch nicht gesetzt
13noch nicht gesetzt
14Mainz 05 (13)
15noch nicht gesetzt
16VfB Stuttgart (-)
17noch nicht gesetzt
18noch nicht gesetzt

In Klammern: Platz in der letzten Saison

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Könnte besser sein. Der VfB hat ein KfW-Kredit in zweistelliger Millionenhöhe beantragt und plant eine neuerliche Gehaltsverzichtsrunde für die Profis. Was Neuverpflichtungen angeht: acht Millionen wurden für Waldemar Anton und Torwart Gregor Kobel schon ausgegeben, fünf Millionen waren eigentlich nur veranschlagt. Der Verkauf des Überfliegers der vergangenen Saison, des argentinischen Nationalspielers Nicolas Gonzales, für teuer Geld gehört gewissermaßen zum Plansoll, um gut über die Runden zu kommen.

Was ist drin?

Irgendwie alles zwischen acht und 18. Der VfB kann zur totalen Überraschungsmannschaft werden oder sich mühsam durch die Saison quälen. Hängt vor allem davon ab, wie schnell die Talente in der Bundesliga Fuß fassen.

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