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Nagelsmann über Tod seines Vaters: „Hat nie mitgekriegt, dass ich Trainer wurde“

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Von: Antonio José Riether

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In Julian Nagelsmanns Leben war nicht immer alles schön, der Bayern-Trainer sprach kürzlich über den frühen Verlust seines Vaters im Alter von 20 Jahren.

München - Julian Nagelsmann ist alles andere als ein gewöhnlicher Trainer. Bereits mit 28 Jahren stand er als hauptberuflicher Bundesligacoach an der Seitenlinie, nur sechs Jahre später wechselte er zum FC Bayern München*. Der Fußballlehrer, dem verletzungsbedingt eine größere Spielerkarriere verwehrt blieb, hatte es in seinem frühen Erwachsenenleben nicht leicht. Der frühe Tod seines Vaters war für seine Familie ein Schicksalsschlag, in einem Interview sprach der Bayern-Trainer kürzlich über seinen Verlust.

Julian Nagelsmann
Geboren: 23. Juli 1987 in Landsberg am Lech
FC Bayern München
Cheftrainer
Ex-Stationen als Cheftrainer: TSG Hoffenheim U17 und U19, TSG Hoffenheim, RB Leipzig

FC Bayern: Trainer Julian Nagelsmann spricht beim Mountainbike-Interview über persönliches Thema

Besonders als Bayern-Übungsleiter hat Nagelsmann* viele Pressetermine, einer von ihnen führte den gebürtigen Landsberger an die Isar. Beim Amazon-Prime-Interview mit Moderator Sebastian Hellmann radelte er mit dem Mountainbike am Fluss entlang, der 34-Jährige sprach oftmals frei von der Seele und wurde auch persönlich.

Als Hellmann mit einem Handy-Filter, der das Aussehen im Alter simuliert, über ein Bild von Julian Nagelsmann geht, staunt dieser nicht schlecht. „Wenn ich dir jetzt ein Foto zeigen würde, das sieht eins zu eins aus wie mein Vater“, stellte Nagelsmann fest. Daraufhin sprach Hellmann, der seinen Vater im Alter von 29 Jahren verlor, mit Nagelsmann über das sensible Thema.

Julian Nagelsmann bestand 2016 den Fußball-Lehrer-Lehrgang. Hier gratulieren der heutige Bundestrainer Hansi Flick (l.) und Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel.
Julian Nagelsmann schloss 2016 den Fußballlehrer-Lehrgang ab. Hier gratulieren der heutige Bundestrainer Hansi Flick (l.) und Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel. © Arne Dedert/imago-images

FC Bayern: Nagelsmanns Vater riet ihm zu „etwas Solidem“ - doch er wollte Trainer werden

„Das, was mich da am meisten beschäftigt, ist, dass man Papa nie mitgekriegt hat, dass ich Trainer geworden bin. Weder im Nachwuchs- noch im Profibereich und dann mit 34 als Bayern-München-Trainer“, meint Nagelsmann sichtlich berührt. Wenn es nach seinem Vater gegangen wäre, hätte er wahrscheinlich einen anderen Lebensweg gewählt, wie er erzählt.

Denn damals hatte ihm sein Vater geraten: „Nicht Sport studieren, mach etwas Solides. Fußballprofi ist nicht mehr. Geh nicht in den Sport, du willst ja nicht nur im Fitnessstudio arbeiten, das wird dich nicht erfüllen. Da habe ich gesagt: ‚Ich probiere etwas anderes, ich will Trainer werden.‘ Da hat er gemeint, das wird etwas schwierig in meinem Alter.“

FC Bayern: Nagelsmann beendete Karriere verletzungsbedingt - und widersetzte sich dem Rat seines Vaters

Doch es sollte kommen, wie es sich Nagelsmann Junior vorgestellt hatte. Denn nach einem Meniskus- und Knorpelschaden und der Gefahr einer Arthrose musste er bereits 2008 seine Karriere beenden, damals spielte er in der zweiten Mannschaft des FC Augsburg*. Kurze Zeit nach seinem Aus als Aktiver, im Alter von 20 Jahren, verlor er seinen Vater. Die bisher schwerste Zeit in seinem Leben.

Noch während seiner Augsburger Zeit erwarb er die Fachgebundene Hochschulreife und studierte in der Folge Betriebswirtschaftslehre bis zum Vordiplom. Daraufhin begann Nagelsmann ein Fernstudium der Fachrichtung ‚Sport und angewandte Trainingslehre‘, das er 2011 mit dem Bachelor abschloss. Parallel stieg er über einen Job als Augsburg-Scout zum Co-Trainer der U17 des TSV 1860 auf und wechselte in die U17 der TSG Hoffenheim, wo er über die U19 und als Assistent der ersten Mannschaft zum Bundesliga-Trainer ausgebildet wurde. 2016 feierte er sein Erstliga-Debüt und rettete die TSG vor dem Abstieg, ehe er sich 2019 RB Leipzig anschloss.

FC Bayern: Nagelsmann spricht über Verlust seines Vaters - ein Punkt schmerzt besonders

Auch aufgrund der vielen positiven Erlebnisse fällt es ihm bis heute nicht leicht, dass sein Vater seine Erfolge nicht mitfeiern konnte. „Und dass er nicht mitkriegt, dass ich Trainer geworden bin und jetzt bei Bayern Trainer bin, das sind dann schon traurige Momente. Klar, Champions-League-Halbfinale mit Leipzig, da gehst du in ein Stadion und würdest dir schon wünschen, dass dein Papa oben sitzt, sich freut und stolz ist“, so Nagelsmann, der inzwischen selbst zweifacher Familienvater ist. (ajr) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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