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Nun verabschiedet er sich wieder nach Kalifornien, Huntington Beach. Hello, Goodbye, Klinsi.

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Klinsmanns Chaoserbe

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Der seltsame Klinsi geht plötzlich und hinterlässt viele Fragen: Was ist mit seiner Heerschar an Co-Trainern, was mit seiner Rolle als Aufsichtsratsmitglied - und schmeißt er jetzt im Gegenzug aus dem fernen Amerika den ungeliebten Manager Preetz raus? Ein Kommentar.

Als wäre man aus einem schrägen Traum aufgewacht: Jürgen Klinsmann in Berlin. Hat mal eben Hertha BSC von oben bis unten vollgelächelt, eingekauft von einem Investor namens Windhorst, und nun verabschiedet er sich wieder nach Kalifornien, Huntington Beach. Hello, Goodbye, Klinsi.

Klinsmann geht und hinterlässt Chaos in der Hauptstadt. Was ist mit seiner Heerschar an Co-Trainern, die er dazugeholt hat? Was mit seiner Rolle als Aufsichtsratsmitglied, die er gerne behalten würden, immerhin ist das ja, wie es heißt, eine „langfristig“ angelegte Aufgabe, der man auch wunderbar per Telefonschalte aus Amerika nachkommen kann? Im Aufsichtsrat würde er Menschen beaufsichtigen, bei denen er, wie er selbst sagt, kein Vertrauen mehr verspürt hat, Menschen wie Michael Preetz, den Manager, der übrigens vom ersten Tag an einigermaßen befremdet durch seine Brille auf die Geschehnisse rund um Klinsmann blickte. Auf diese irre Energie, die von diesem einen, dünnen Schwaben ausgeht und immer so unangenehm viele Fotografen anlockt. „Kann Klinsi Manager Preetz aus Rache feuern?“, fragte die „Bild“ am Dienstag direkt, und ehrlich gesagt: Man mag da erst einmal gar nichts ausschließen.

Preetz hatte keine Eile 

Preetz darf sich fürs Erste als Sieger fühlen, oder etwas in der Art vielleicht. Er hat ja einen Machtkampf gewonnen, von dem er gar keine Kenntnis hatte bis kurz vor Schluss, bis Klinsmann urplötzlich umfiel, am späten Montagabend. Der Trainer hat, so wird spekuliert, auf die schnelle Klärung seiner Trainerzukunft über den Sommer hinaus gedrängt, offenbar zu verbesserten Bezügen. Preetz dürfte es nicht eilig gehabt haben. Hertha hat unter Klinsmanns Ägide Fußball zum Wegschauen gespielt, extrem defensivlastig, auf Sicherheit bedacht. Flankiert aber von offensiven Aussagen, man wolle in fünf Jahren auf Dauer um die Champions-League-Teilnahme mitspielen und um die Deutsche Meisterschaft. Passend zu diesem Plan wurde der Kader mit dem Geld des Investors Lars Windhorst für 80 Millionen Euro verstärkt, aber der Fußball im Olympiastadion sah unverändert traurig aus.

Jürgen Klinsmann: Wenn die Ordner den Energiefluss stören

Übrig bleiben Bilder, die man so schnell nicht vergessen wird. Bei seinem zweiten Spiel, in Frankfurt, hat er in den Katakomben zwei Ordner umstellen lassen, denn Klinsmann war der Meinung, sie würden den Berliner Energiefluss stören, wenn sie da so verkehrt in der Gegend rumstünden. Bei den Spielen saß er meist regungslos auf der Bank, als würde er an einer Bushaltestelle warten, an der schon lange keine Busse mehr halten. Vielleicht war das ja dieses Benchmarking, von dem der „Performance Manager“ Arne Friedrich immer spricht.

Wenn die vergangenen Wochen die Benchmark für die Zukunft sind, plant Hertha jetzt ein fliegendes Stadion in Form des Brandenburger Tors, fragt Pep Guardiola als Cheftrainer an und eröffnet eine Dependance auf dem Mars, als ersten, vorsichtigen Schritt für die Internationalisierung. Während die Mannschaft in echt in die zweite Liga absteigt. Ha Ho He.

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