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Jubeldeutsche in Katar

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Auch gekaufte Fans? Man weiß es nicht so genau.
Auch gekaufte Fans? Man weiß es nicht so genau. © dpa

Für den WM-Gastgeber geht es darum, den Schein zu wahren Dafür engagiert man halt ein paar Ausländer, kauft ihnen Trikots und schmückt sie mit den WM-Devotionalien.

Ein Video auf der Plattform TikTok hat für Verwunderung und Empörung gesorgt. Es zeigt, wie in Katar die „Germany Fans Qatar“ durch die Straßenschluchten von Doha ziehen. Also, dass zum Vorglühen (Frage auch: womit?) schon deutsche Fans vor Ort sind, würden wir mal bezweifeln. Und ohnehin birgt die Meldung, nach Deutschland seien 35 000 Tickets verkauft worden, die Gefahr einer Fehlinterpretation. Denn keinesfalls werden 35 000 DFB-Fans nach Katar reisen, wegen eines Spiels würde man das nicht auf sich nehmen. Gewiss hat jeder Karten für mehrere Spiele erworben, daher werden allenfalls ein paar Tausend hinfliegen.

Aber es geht für den WM-Gastgeber halt darum, den Schein zu wahren. Und den besonders kritischen Deutschen will Katar eben beweisen, dass sehr wohl Deutschland-hurra-Stimmung entstehen kann. Dafür engagiert man halt ein paar Ausländer, kauft ihnen Trikots und schmückt sie mit den WM-Devotionalien, wie sie derzeit unbeachtet in deutschen Supermärkten herumliegen.

Musiker in der Fankurve

Aus Katars Nachbarland Iran stammt die Tradition des bezahlten Applaudierers – Ältere kennen den Begriff „Jubelperser“; sie wurden von Iran angeheuert, als der umstrittene Schah 1967 Westberlin besuchte. Daran mussten wir auch denken, als 2016 Scheich Salman bin Abraham Al Chalifa aus Bahrain Fifa-Präsident werden wollte. Er war Favorit für die Wahl in Zürich – weil es aber Vorwürfe gegen ihn gab („Folterscheich“) und mit Demonstrationen gerechnet werden musste, heuerte Al Chalifa Schweizer Tagelöhner an und ließ sie vor dem Hallen-Eingang Schilder hochhalten, auf denen stand: Scheich Salman ist der Beste. Toller Mensch, Wohltäter. Die Wahl gewann aber Gianni Infantino.

Doch wir müssen ehrlich sein: Auch in Deutschland wird Atmosphäre inszeniert. Bayer Leverkusen betrieb jahrelang den „Arbeitskreis Stimmung“, und bei einigen Länderspielen tat der DFB so, als seien sich in der Kurve des „Fanclubs Nationalmannschaft powered by Coca Cola“ ganz zufällig Musiker begegnet, die noch zufälliger ihre Blasinstrumente dabei hatten. Spontan gründeten sie eine Band, die alle Fußball-Gassenhauer beherrschte. Ohne miteinander geprobt zu haben.

Daher: Entspannt schmunzeln über die Jubeldeutschen in Katar.

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