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Joshua Kimmich
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Joshua Kimmich, Star des FC Bayern München.

Kommentar

Keine Corona-Impfung – Die verheerende Botschaft des Joshua Kimmich

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Joshua Kimmich ist eine Person des öffentlichen Interesses. Welches Signal geht nun von seinem Bekenntnis aus, sich vorerst nicht impfen lassen zu wollen? Ein fatales.

Das Verheerende an der Einstellung von Joshua Kimmich, sich vorerst nicht impfen zu lassen, ist doch, dass derlei Beteuerungen Wasser auf alle Mühlen von Querdenkern und Impfgegnern ist. Es ist genau die krude Argumentationskette der Aluhüte, „ein paar Bedenken“ zu formulieren „was fehlende Langzeitfolgen angeht“. Da kann Joshua Kimmich vom FC Bayern München noch so viel erzählen, er sei kein grundsätzlicher Impfgegner oder gar Corona-Leugner, er könne sich durchaus vorstellen, sich irgendwann impfen zu lassen. Was ankommt in der Öffentlichkeit ist viel mehr: Impfen ist mindestens mit Risiko verbunden, wenn nicht mit Gefahr. Und das ist ziemlicher Unsinn: Es gibt keine wissenschaftlich fundierten Argumente, die gegen das Impfen sprechen, Langzeit-Nebenwirkungen sind weitgehend unbekannt. Impfen schützt vor schweren Verläufen.

Fatal ist, dass diese Impfskepsis ja nicht irgendein 08/15-Fußballer artikuliert. Joshua Kimmich ist der stellvertretende Kapitän der deutsche Nationalmannschaft, er nimmt dort und bei seinem Klub FC Bayern eine tragende Rolle ein, er ist einer, der im Rampenlicht steht, noch dazu sympathisch und intelligent, einer, dem man zuhört. Er ist einer der wenigen, dem man noch eine seriöse Vorbildfunktion abnimmt. Und der Familienvater, auch schon 26 Jahre alt, hat eine Verantwortung, und zwar nicht nur für sich und den Ball, den er treten muss, sondern eben für andere. Er ist eine Person des öffentlichen Interesses. Welche Botschaft geht nun von seinem Bekenntnis aus? Eine fatale, eine groteske.

FC-Bayern-Star nicht gegen Coronavirus geimpft: Joshua Kimmich verliert an Glaubwürdigkeit

Noch dazu, und das ist geradezu perfide, hat er (mit Mitspieler Leon Goretzka) das Spendenprojekt „We kick Corona“ gegründet, das Geld einsammelt, unter anderem um Impfungen zu ermöglichen, hierzulande und in ärmeren Ländern. Der dafür ausgezeichnete Kimmich ist das Gesicht dieser Initiative, aber ihr Schirmherr weigert sich, sich selbst impfen zu lassen? Da predigt einer Wasser und trinkt selbst Wein. Die Aktion büßt durch den eigenen Initiator an Glaubwürdigkeit ein.

Muss sich Kritik gefallen lassen: Joshua Kimmich.

Hinzu kommt ja noch: Was soll das Publikum denken, das für einen Stadionbesuch die 2G-Regel befolgen muss, während gleichzeitig unten auf dem Rasen königlich entlohnte, privilegierte Profis ungeimpft ihrer Arbeit nachgehen? Und die sich ihre Tests zudem vom Arbeitgeber bezahlen lassen. Das ist irrwitzig, nicht vermittelbar und läuft gegen alle Bemühungen von Klubs und Verbände, die ohnehin um Glaubwürdigkeit kämpfen.

Kimmich nicht gegen Coronavirus geimpft: Privatsache des Bürgers K.

Verständnis darf Joshua Kimmich, der „ein toller Mensch“ (Bayern-Chef Rummenigge) sein mag, für seine unsoziale Haltung nicht erwarten, die im Kern auf diffusen und irrationalen Ängsten fußt.

Natürlich ist es die Privatsache des Bürgers Kimmich, die man respektieren muss. Und es ist eine Entscheidung, die eine Gesellschaft, die es geschafft hat, binnen kürzester Zeit, unter Einsatz klügster Köpfe und horrender Millionenbeträge Impfstoffe gegen eine bis dato unbekannte, tödlich verlaufende Pandemie zu entwickeln, aushalten muss. Kimmichs Einstellung spiegelt auch Widersprüche, Eigentümlichkeiten in Deutschland wider: Statt zu jubeln, eine Seuche, die millionenfaches Leid und Tod in der Welt verursacht, relativ schnell in den Griff zu bekommen, werden laienhaft Bedenken formuliert, wird populistisches Unwissen salonfähig. Kimmich hat der ins Stocken geratenen Impfkampagne einen Bärendienst erwiesen. Das könnte sich schon in den nächsten Wochen weisen, wenn Infektionszahlen und Sterberate steigen. (Thomas Kilchenstein)

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