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Der Meister und sein Star: José Mourinho herzt Tottenham-Angreifer Heung-Min Son. 

Tottenham-Trainer erfindet sich neu

Erstaunliche Charme-Attacke: Die seltsame Wandlung des José Mourinho

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Der portugiesische Star-Trainer war in England als Misanthrop verschrien, jetzt hat er Tottenham Hotspur mit einer Charmeoffensive wieder in die Spur gebracht. Doch Zweifel sind angebracht.

Ganz egal, wohin die Beziehung zwischen José Mourinho und Tottenham Hotspur führen wird – der 15 Jahre alte Callum Hynes wird immer diese besonderen Erinnerungen an den Trainer aus Portugal haben. Bei der Champions-League-Partie gegen Olympiacos Piräus vor zwei Wochen leitete der Balljunge mit seiner Handlungsschnelligkeit das 2:2 durch Harry Kane ein und hatte damit seinen Anteil daran, dass die Nordlondoner 4:2 gewannen und sich schon vor dem finalen Gruppenspiel an diesem Mittwoch beim FC Bayern München (21 Uhr) wie auch die Münchner den Achtelfinaleinzug sicherten.

Mourinho erklärte den Balljungen danach öffentlich zum Helden und lud ihn vor dem folgenden Spiel in der Premier League gegen Bournemouth (3:2) zum Mittagessen mit der Mannschaft ein. Der Coach produzierte damit eine Geschichte, die das Herz erwärmt – und so gar nicht zum Bild des arroganten und egozentrischen Misanthropen passt, das man in England spätestens seit seinem Aus bei Manchester United vor einem Jahr von Mourinho zeichnete.

José Mourinho ist in mehrfacher Mission unterwegs

Der 56 Jahre alte Trainer ist seit seinem Amtsantritt bei Tottenham vor drei Wochen gleich in mehrfacher Mission unterwegs. Er soll dem kriselnden Klub auch in dieser Saison die Qualifikation zur Champions League bringen und ihm mittelfristig Titel und Pokale bescheren. Gleichzeitig geht es ihm darum, seine eigene Reputation wieder herzustellen. Zu diesem Zweck fährt Mourinho eine Charme-Offensive, wie sie der englische Fußball selten erlebt hat.

Er preist seine Spieler, sogar von Liebe ist die Rede, lobt seinen Vorgänger Mauricio Pochettino, die Schiedsrichter und sogar den Komfort der klubeigenen Schlafgemächer („riesige Kissen, teure Bettdecken – so gut“). Besonders auffällig ist, mit welcher Hingabe er über die Zusammenarbeit mit jungen Profis spricht. Bisher galt der Portugiese als Trainer, der den Nachwuchs konsequent ignoriert und lieber auf ihm treu ergebene Routiniers setzt.

José Mourinho gibt sich entspannt, selbstkritisch und bescheiden - nur eine PR-Aktion?

Der neue Mourinho gibt sich entspannt, selbstkritisch und bescheiden, doch es drängt sich der Verdacht auf, dass es sich bei seiner Verwandlung um eine riesige PR-Aktion in eigener Sache handelt. Tottenhams Fans beobachten den Neuankömmling mit Vergangenheit beim Stadtrivalen FC Chelsea argwöhnisch, die englische Presse versieht ihre aktuellen Studien über den Portugiesen mit der Einschränkung, dass er auch bei vorherigen Stationen gut gelaunt angefangen hatte, bevor er am Ende atmosphärische Trümmerfelder hinterließ. Ob er sich wirklich geändert hat, wird sich dann zeigen, wenn ihm der notorisch sparsame Klubchef Daniel Levy zum ersten Mal einen Transferwunsch verweigert.

So ganz kann auch der neue Mourinho die größenwahnsinnige Version seiner selbst nicht verbergen. Als er bei seinem Einstand auf Tottenhams Niederlage im Champions-League-Finale im Frühjahr gegen den FC Liverpool angesprochen wurde, antwortete er, dass er die Situation nicht nachempfinden könne – schließlich habe er seine beiden Königsklassenendspiele gewonnen, 2004 mit Porto gegen Monaco, 2010 mit Inter Mailand gegen den FC Bayern.

Im Grunde folgt Mourinhos Charme-Attacke konsequent seiner Logik, dass er alles für den schnellen Erfolg tut. Die Ergebnisse geben ihm bislang Recht. In fünf Spielen unter seiner Regie holten die Spurs vier Siege. Im Vergleich zu Pochettino hat der neue Trainer nur kleinere Änderungen vorgenommen. Neben den schon vorher gesetzten Harry Kane und Heung-Min Son sprach Mourinho in der Offensive Dele Alli und Lucas Moura das Vertrauen aus. Sie sind die größten Gewinner des Trainerwechsels.

Plötzlich lässt José Mourinho sogar attraktiven Fußball spielen

Vor allem Allis Aufblühen deutet an, dass Mourinho immer noch über eine gewisse Magie bei der Menschenführung verfügt. Gleich nach seinem Amtsantritt fragte er das in der Stagnation begriffene Supertalent, ob er Dele Alli sei oder sein Bruder. „Dann spiel auch wie Dele“, appellierte Mourinho. Mit der Degradierung des wechselwilligen Christian Eriksen zum Ersatzspieler stellte der Trainer außerdem früh seine Macht unter Beweis.

Die Vorstellungen von Mourinhos Tottenham sind erstaunlich unterhaltsam, mit vielen Toren auf beiden Enden des Platzes. Beim 5:0 am Wochenende gegen Burnley, unter anderem durch ein sensationelles Solotor durch Son, blieben die Spurs zum ersten Mal unter dem als Defensivfanatiker bekannten Trainer ohne Gegentor. Es war die ideale Vorbereitung auf die Reise zum FC Bayern, gegen den es im Hinspiel bekanntlich ein 2:7 gesetzt hatte. Weil beide Mannschaften schon im Achtelfinale stehen, wird Mourinho in München eine stark verjüngte Elf aufbieten. Der 15 Jahre alte Balljunge Callum Hynes ist allerdings nicht dabei.

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