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Hoch soll er leben. Ridle Baku wird nach seinem Tor gefeiert. Foto: dpa
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Hoch soll er leben. Ridle Baku wird nach seinem Tor gefeiert.

Nationalmannschaft

Das Erbe des Bundes-Jogi

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Manches geht den deutschen Fußballspielern schon recht leicht vom Fuß, aber es gibt noch reichlich Anlass für Überzeugungsarbeit abseits des Platzes.

Es war ja ein Abend der Reminiszenzen, als dieser noch immer nur leicht graumelierte Mann noch einmal verdientermaßen im Mittelpunkt stand. So erinnerte man sich bald daran: Joachim Löw hatte seinerzeit nur drei Spiele benötigt, ehe seine Mannschaft im September 2006 gleich 13 Tore gegen San Marino erzielte und keines kassierte. Nachfolger Hansi Flick schaffte auch beim sechsten Sieg im sechsten Spiel unter seiner Führung keinen zweistelligen Erfolg. Wiewohl Liechtenstein, ein ähnlicher Zwerg wie weiland San Marino, nach einer frühen Roten Karte 82 Minuten in Unterzahl unterwegs war. Es verbietet sich, das 9:0 vom Donnerstag in Wolfsburg sportlich seriös einzuordnen.

Emotional dagegen schon. Flick sprach von „grandioser Stimmung“ und übertrieb dabei noch nicht einmal. Das Publikum machte die Welle, sang Liedgut wie „Oh, wie ist das schön“ oder „Einer geht noch, einer geht noch rein“ und freute sich des Fanlebens. Besonders auch deshalb, weil ihr lokaler Held Ridle Baku für das mit Abstand schönste Tor der rauschenden Fußballnacht verantwortlich zeichnete. Ein fein getunter Schuss mit seinem schwächeren linken Fuß aus recht spitzem Winkel ins lange Toreck. Wunderschön anzusehen. Und eine schöne Reha-Maßnahme in eigener Sache, nachdem Baku nach unterirdischer Leistung im Hinspiel ungnädig, aber leistungsgerecht von Flick aussortiert worden war. Das sind Treffer, die einen sein Leben lang in schönen Träumen verfolgen.

Viel Zeit zum Träumen dürfte Ex-Bundes-Jogi Löw sich in einer kurzen Nacht nicht zugestanden haben. Sein Abschied in der Arena geriet nüchtern. Viele Weltmeister waren da, der Weltmeister-Präsident Wolfgang Niersbach sogar, aber Weggefährten wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Marco Götze oder Jürgen Klinsmann wurden nicht gesichtet. Alle wären gerne gekommen, hieß es, aber nicht verschiebbare Termine oder Verpflichtungen in den Klubs hätten dem entgegengestanden. Nun ja.

Jerome Boateng, von Löw aussortiert, zeigte Größe. Er erschien nur etwas verspätet nach Anpfiff wegen eines langen Staus auf der A2. Auch Mats Hummels war gekommen und stand mit Spalier für Löw. Sein Karomustermantel sorgte für Belustigung in den Sozialen Netzwerken und beim alten Kumpel Thomas Müller, einem der Besten auf dem Platz.

11.11.2021, Niedersachsen, Wolfsburg: Fußball: Nationalmannschaft, WM-Qualifikation, Gruppenphase, Gruppe J, 9. Spieltag, Deutschland - Liechtenstein in der Volkswagen Arena. Verabschiedung vom ehemaligen Bundestrainer Joachim Löw (r.) vor dem Spiel mit Lukas Podolski (l) und Per Mertesacker (2.v.l.).

Die große Jogi-Sause war dann erst für die Stunden nach dem Schlusspfiff im 2G-Modus geplant. Flick beantwortete vielleicht auch deshalb in der Pressekonferenz nur vier, fünf Fragen kurz und bündig und bedeutend weniger lustvoll, als seine Männer zuvor über weite Strecken Fußball gespielt hatten. Nun geht es zum Jahresausklang nach Armenien. Flick wollte Glauben machen, das letzte von zehn WM-Qualifikationsspielen am Sonntag (18 Uhr, RTL) sei noch bedeutend. Er sprach von „absoluter Vorfreude“. Ein Bundestrainer muss das wohl so sagen. Eine Niederlage würde das Land ihm ja auch nur schwerlich verzeihen. Bedeutender ist dann allerdings Flicks Trip kurz vor Weihnachten nach Katar zur Begutachtung der WM-Quartieroptionen fern der Hauptstadt Doha im Norden des kleines Scheichtums.

Beim DFB ist man stolz darauf, derartige Ereignisse weit vorausschauender zu planen als die meisten anderen Nationen. Flick wies bezüglich des Impfstatus einiger Akteure zwar darauf hin, Katar sei noch „weit weg“. Aber gleichwohl: In einem Jahr sollte es tunlichst vermieden werden, dass kurzfristig nicht weniger als acht (!) bereits angereiste Spieler ausfallen, vier davon, weil sie nicht gegen Covid-19 geimpft sind. Ein WM-Aus aus diesem Grund würde das aufstrebende Team hart treffen, auch wenn die von Flick kurzfristig nachnominierten Ersatzleute Ridle Baku oder Maxi Arnold ihre Arbeit zur Zufriedenheit des Bundestrainers erledigten. Aber, nur zur Erinnerung: Der Gegner hieß Liechtenstein, nicht Spanien oder Mexiko.

Den Flug am Samstag nach Armenien werden nicht alle Männer mitmachen, um dem einen oder anderen Ruhe zu gewähren. Auf Leon Goretzka, am Donnerstag anfangs schwer am Kopf getroffen und zur Pause sicherheitshalber ausgewechselt, wollte Flick eigentlich nicht verzichten. Dafür, so der Bundestrainer, sei der Mittelfeldspieler zu wichtig. Es reicht Flick schon, wenn Joshua Kimmich sich selbst aus dem Zentrum verbannt. Aber dann gab er Goretzka wegen einer Prellung am Hals doch frei. Und mit ihm Kapitän Manuel Neuer, Marco Reus und dem ohnehin gelbgesperrten Antonio Rüdiger.

Und Joachim Löw? Hat am Ende einer Ära mehr gelitten, als er zuvor gedacht hatte. „ Jetzt geht es mir wieder gut, und ich freue mich auf Fußball.“ Vielleicht war das die wichtigste Botschaft des Abends.

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