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DFB-Elf auf dem Prüfstand

Jogi Löw beim DFB: Im Endspurt auf die letzten Meter

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Bundestrainer Joachim Löw präsentiert sich vor dem WM-Qualifikationsspiel der DFB-Elf gegen Island erwartungsgemäß kämpferisch - und spricht von der Zukunft.

  • Joachim „Jogi“ Löw sthet vor seiner letzten großen Aufgabe als Bundestrainer der DFB-Auswahl.
  • Mit einem Erfolg bei der Europmeisterschaft 2021 will sich Jogi Löw ein letztes Denkmal bauen.
  • Nach seiner Karriere beim DFB will Joachim Löw ganz hoch hinaus.

An der persönlichen Zuwendung seiner Spieler mangelt es Joachim Löw trotz Masken und Abstandsregeln keineswegs, er hört gerade viele gute Worte aus diesem trauten Kreis. Sie hören sich ehrlich an. Der Bundestrainer auf eigenen Abruf hat es Zeit seiner ausgedehnten DFB-Karriere besser geschafft, das Gros der Mannschaft stabil hinter sich zu vereinigen als das ganze Land. Das konnte seinen Überdruss am ewigen Bundes-Jogi spätestens nach dem als „Debakel von Sevilla“ in die Annalen eingegangenen 0:6 gegen Spanien vom vergangenen November nirgendwo mehr verbergen. Die Leute zeigten sich zunehmend genervt vom Immergleichen: Idiom, Körpersprache, Frisur, Rhetorik, Espresso. Die Meinungsumfragen gerieten entsprechend desaströs. Gestern trank Löw Mineralwasser.

Mit seinem baldigen Rücktritt hat er die Puste aus der Debatte genommen. Der Wackerstein im Rucksack ist weg, Manager Oliver Bierhoff - auch nicht gerade der Massen liebster Mann - hat den Trainer im Frühling 2021 sogar als „enthusiastisch“ wahrgenommen, ganz anders als im von Isolation und sportlichen Tiefschlägen geprägten Vorjahr. Da hatte Jogi Löw gar nicht erst versucht, seine Erschütterung über die Pandemie zu verbergen, sondern selbige erschreckt zum Ausdruck gebracht.

DFB: Oliver Bierhoff nennt Jogi Löw geradezu „enthusiastisch“

Corona ist noch immer da, aber die Zeit des Leidens soll vorbei sein. Der Tatendurst ist zurück vor dem ersten WM-Qualifikationsspiel für Katar 2022 am Donnerstagabend (20.45 Uhr/RTL) gegen die bärbeißigen Isländer. Jogi Löw weiß, dass er mit seinen Leuten in einer komplizierten Situation in der Bringschuld steht. Es hat sich ja gerade eine Stimmung des Nicht-Verzeihens breit gemacht im auch mental Pandemie-geschwächten Volk. Wer nicht liefert, wer laviert, wer keinen geraden Weg findet, bekommt des Volkes Zorn besonders unangenehm zu spüren und muss zurückrudern. Löws Credo: Im Endspurt auf die letzten Meter.

Auf den letzten Metern: Joachim Löw.

Der Druck auf Trainer und Team kommt mit noch mehr Wucht als im vergangenen Herbst nicht nur vom Gegner, sondern aus den Wohnzimmern vor den Farbfernsehern. Dazu passt, Ironie des Schicksals, dass Deutschland sich zur Hauptsendezeit in der Duisburger „Schauinsland-Arena“ vorstellt. Wie aufgeweckt und kämpferisch der scheidende Bundestrainer - in Sevilla noch paralysiert auf der Bank - ins Land hinausschaut, wird sehr genau beobachtet werden, nicht nur von der neuen RTL-Fachkraft Uli Hoeneß aus dem Studio. Jogi Löw will sich aber nicht verbiegen: „Ich bin kein Trainer, der ständig an der Linie rauf- und runterläuft.“

Jogi Löw sieht beim DFB keinesfalls wie eine lame duck aus

In den vergangenen Monaten geriet Jogi Löw in eine Verteidigungshaltung, die er bis zur Europameisterschaft zur Angriffsstimmung modulieren will. Wahrscheinlich war es deshalb auch kein Zufall, dass der 61-Jährige sich zur Pressekonferenz gestern in Düsseldorf im knallroten Kurzarm-Shirt präsentierte und sich auch in der Vehemenz des Ausdrucks an der Aggressivfarbe orientierte. Wie eine als Bundestrainer verkleidete lahme Ente sah das nicht aus - von wegen Lame-Duck-Syndrom.

Jogi Löw, der Aufpeitscher, erwartet eine Mannschaft, die ihre „Wut“ aus der Spanien-Pleite klug kanalisiert. Der Erwartungshorizont ist nah, das ist dem viel Gescholtenen nach den Enttäuschungen der vergangenen Jahre klar, die Spieler müssten „alles in die Waagschale werfen, um sich positiv gegenüber den Fans vorm TV zu zeigen“. An die Sekundärtugenden „Leidenschaft“ und „Kampfgeist“ hatte der Fußballästhet in seiner Ära eher selten appelliert, diesmal ist es anders. Auch will er „keine Rücksicht mehr“ auf Klubs und Profis nehmen, die er vergangenes Jahr noch regelmäßig zum Ausruhen vom Nationalteam beurlaubt hatte.

Jogi Löw ist sicher: Die Spieler des DFB-Teams sprühen vor Energie

Und allen, die skeptisch sind, dass da einer auf den letzten Metern unterwegs ist, der sich nur noch mühevoll ins Ziel schleppt, erteilte der Immer-Noch-Bundestrainer eine klare Absage: „Turnier, K.o.-Spiele, alles rausholen - das ist es, was meine Arbeit als Bundestrainer so schön macht.“ Die Arbeit mit der Mannschaft sei ihm nach wie vor „eine wahre Freude“, denn: „Die Spieler sprühen vor Energie.“ Das scheint auch Joachim Löw zu tun, der aber auch einräumt, dass die zweite Stufe des Umbruchs im Corona-Jahr nicht zündete. Er habe der Mannschaft in der ersten Besprechung klargemacht: „Wir müssen gnadenlos an den Basics arbeiten, da werden wir konsequent und rigoros dranbleiben.“

Weil in Spanien nicht nur die Körpersprache auf der Bank, sondern vor allem auch die Kommunikation auf dem Platz arg zu wünschen übrig ließ, werden Konsequenzen gezogen: „Ich werde einige Spieler bestimmen und in die Verantwortung nehmen.“ Es gehe um „klare Kommunikation und konkrete Anweisungen“ an die Mitspieler - „einfach nur ,drauf´, ,weiter´ oder ,jetzt´ - das ist zu wenig, das kann jeder.“

Was die Kommunikation in eigener Sache angeht, hat Jogi Löw ebenfalls Klartext gesprochen. Unmittelbar nach der EM einen neuen Job bei einem Klub zu übernehmen, sei „nicht möglich“. Er habe seinem Berater deutlich gemacht, dass er sich alleine auf die EM zu konzentrieren gedenke und sich nicht mit Angeboten beschäftigen wolle. „Ich will absolut gar nichts hören.“

Nach der Karriere beim DFB will Jogi Löw ganz hoch hinaus

Dass der mitunter zum Einsiedlertum neigende Südbadener zuletzt seine Spanischkenntnisse verbessert hat, soll niemand falsch verstehen. Es zieht ihn weniger in die Primera Division nach Spanien, sondern: „Auf 6000 Metern in den Anden ist es gut, wenn man die Sprache der Einheimischen spricht.“ Am besten nach einem Abschied vom DFB durch die Vordertür. (Jan Christian Müller)

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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