Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mag das Rampenlicht: Joan Laporta, Präsident des FC Barcelona.
+
Mag das Rampenlicht: Joan Laporta, Präsident des FC Barcelona.

FC Barcelona

Die Rückkehr des ewigen Charmeurs

  • VonJosé Carlos Menzel López
    schließen

Der mit absoluter Mehrheit gewählte Präsident des FC Barcelona, Joan Laporta, muss bei den Katalanen nun richtig aufräumen.

Zielgerichtetes Marketing ist alles. Am Morgen des 15. Dezember trauten die Bewohner des Paseo de la Habana in Madrid ihren Augen nicht. Ein 13-stöckiges Gebäude war fast komplett in einen überdimensionalen Werbebanner gehüllt. Darauf zu sehen: Joan Laporta, zu diesem Zeitpunkt noch ehemaliger Präsident des FC Barcelona, sowie folgender Spruch in blauer Schrift auf scharlachrotem Untergrund: Ganas de volver a veros. Zu deutsch: „Lust, euch wiederzusehen.“

Dazu muss man wissen, dass sich besagtes Hochhaus keine 50 Meter vom Estadio Santiago Bernabéu entfernt befindet, dem Wohnzimmer von Barças Erzrivalen Real Madrid, der unter Laportas Regentschaft bei den Blaugrana von 2003 bis 2010 zahlreiche Demütigungen hinnehmen musste. Und dass bei den krisengebeutelten und hochverschuldeten Katalanen demnächst Präsidentschaftswahlen anstanden. Wie gut das Banner im Camp Nou angekommen ist, steht seit vergangenen Sonntag fest: Laporta wurde wiedergewählt.

Barça ein sportliches Wrack

Die Rückkehr des ewigen Charmeurs hätte triumphaler nicht ausfallen können. Mit 54,28 Prozent der insgesamt 55 611 abgegeben Stimmen sicherte sich der 58-Jährige die absolute Mehrheit vor seinen Rivalen Victor Font (48, 29,99 Prozent) und Toni Freixa (52, 8,58). Der in Barcelona geborene Jurist geht damit als 42. Präsident in die Geschichte des spanischen Klubs ein und tritt mit etwas Verzögerung – die für Januar angesetzten Wahlen wurden aufgrund der Pandemie verschoben – die Nachfolge des skandalumwitterten Josep Maria Bartomeu an.

Die Akte des einstigen Machthabers hat es in sich: Nicht nur, dass er nach Bekanntwerden einer Diffamierungskampagne gegen Ungleichgesinnte wie Superstar Lionel Messi (33) zurücktreten musste, der 58-Jährige soll die für die Kampagne gezahlte eine Million Euro zudem an den Kontrollgremien des Klubs vorbeigeführt haben, weshalb er vergangene Woche wegen des Verdachts der Untreue und Korruption – vorerst – einen Tag in der Zelle verbringen musste. Hinzu kommt ein Schuldenberg von über einer Milliarde Euro. Aufräumen darf jetzt Laporta.

Wenn die Fans des spanischen FCB dies aber jemandem zutrauen, dann ihm. Laporta steht für die goldene Ära des Klubs, die beim Gewinn des Sextuples unter Trainer Pep Guardiola (50) im Jahr 2009 ihren Höhepunkt erlebte und elf Jahre später beim 2:8 gegen die Bayern im Viertelfinale der Champions League ihr krachendes Ende fand. Seitdem ist Barça ein sportliches Wrack. In der Copa del Rey steht die Mannschaft von Trainer Ronald Koeman (57) zwar nach einer heroischen Aufholjagd gegen Sevilla (3:0 nach 0:2) im Endspiel gegen Bilbao, in der Königsklasse droht jedoch nach dem 1:4-Debakel daheim gegen PSG das Achtelfinal-Aus. Das Rückspiel in Paris steigt heute Abend (21 Uhr) und wird von der lokalen Presse bereits zu Laportas erstem Wunder hochstilisiert. Das zweite, das man vom neuen und alten Herrscher über das Camp Nou erwartet, dreht sich um Lionel Messi.

Es droht der (ablösefreie!) Abschied des Superstars zum Saisonende. Doch auch hier besteht Grund zur Hoffnung. Dass sich der sechsmalige Weltfußballer höchstpersönlich ablichten ließ, als er am Sonntag gemeinsam mit Sohn Thiago im Camp Nou seinen Wahlzettel in die Urne warf, wird als Treuebekenntnis des Argentiniers interpretiert.

Messi soll unbedingt bleiben

„Messi hat heute bewiesen, dass er Barça liebt“, frohlockte Laporta nach seinem Wahlsieg. „Messi selbst hat heute auch gewonnen. Er hat mir bereits gratuliert. Und ich kann nur sagen, dass ich alles Mögliche tun werde, damit er bleibt.“ Laporta kann Rampenlicht. Vor seinem Wahlsieg ließ er sich bereits dabei filmen, wie er eine Schaufensterpuppe mit Messi-Trikot demonstrativ umarmte. Der Glamour darf bei seinen Auftritten nie zu kurz kommen. Legendär ist sein Satz: „Siege feiert man mit Frauen, Zigarren und Champagner.“ Auch die politische Note des Klubs trifft er: 2010 kandidierte er als Spitzenkandidat der für die katalanische Unabhängigkeit eintretende Partei Solidaritat Catalana per la Independència. Am Madrider Paseo de la Habana wissen sie jedenfalls, dass sie Laporta bald wiedersehen werden. Und zwar nicht an einem Hochhaus, sondern beim Clásico auf der Ehrentribüne des Santiago Bernabéu.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare