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Eklat um Ex-Nationaltorwart

Jens Lehmann mit Wirrkopf-Hattrick: Homophobie, Corona-Verharmlosung und Rassismus

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Der frühere Nationaltorwart Jens Lehmann leistet sich einen rassistischen Eklat und fliegt bei Hertha BSC raus. Es ist nicht seine erste problematische Aussage.

Es gibt zahlreiche öffentliche Geschichten, über die man sich der Person Jens Lehmann nähern kann, von den Engländern einst „Mad Jens“ getauft, wahnsinniger Jens. Die Geschichten handeln dann von einem Fußballtorwart, der im November 2009 in einem Europokalspiel mit dem VfB Stuttgart hinter die Werbebande eilt, um heimlich Wasser zu lassen – so heimlich das möglich ist bei laufenden Kameras.

Sie handeln davon, dass Lehmann nur einen Monat später, beim Spiel in Mainz, nach einer Tätlichkeit die Rote Karte sieht, anschließend aus dem Stadion fliehen will, auf dem Parkplatz einem Fan die Brille von der Nase reißt und einen Kameramann wegschubst. So weit, so amüsant.

Nach seiner Fußballkarriere wurden die Geschichten um Jens Lehmann problematisch

Aber dann, nach seiner Fußballkarriere, haben die Geschichten rund um Jens Lehmann problematische Züge angenommen, und es fügt sich erstaunlich glatt ins Gesamtbild dieses Mannes, 51 Jahre alt, dass er sich nun mit einer rassistischen Entgleisung erst einmal unmöglich gemacht hat, im Fußballgeschäft und hoffentlich auch anderswo.

„Ist Dennis eigentlich euer quotenschwarzer?“, fragte Lehmann beim Messenger-Dienst Whatsapp in einer privaten Nachricht, die er blöderweise versehentlich an den damit gemeinten Dennis Aogo schickte. Aogo, 34, Ex-Profi und aktuell wie auch Lehmann TV-Experte bei Sky und als solcher am Dienstagabend bei der Champions-League-Übertragung im Einsatz, veröffentlichte die Nachricht bei Instagram, schrieb dazu: „WOW dein Ernst? @jenslehmannofficial Die Nachricht war wohl nicht an mich gedacht!!!“

Jens Lehmann: Was geht nur in seinem Kopf vor?

Auf den Rassismus-Skandal um Jens Lehmann folgen berufliche Konsequenzen

Es dauerte am Mittwoch nicht lange, bis es berufliche Konsequenzen für Lehmann gab: Bei Hertha BSC warf ihn der Investor ohne zu zögern aus dem Aufsichtsrat des Bundesligisten raus, für den er seit Mai 2020 als Nachfolger Jürgen Klinsmanns als Berater tätig war. Da half auch eine extrem ungelenke Entschuldigung auf Twitter nichts, wo der Ex-Nationalkeeper schrieb: „In einer privaten Nachricht von meinem Handy an Dennis Aogo ist ein Eindruck entstanden für den ich mich im Gespräch mit Dennis entschuldigt habe.“ Als ehemaliger Nationalspieler sei Aogo „sehr fachkundig und hat eine tolle Präsenz und bringt bei Sky Quote“. Überflüssig zu erwähnen, dass Lehmann auch für diesen Beitrag heftige Kritik erntete. Am Mittwochabend nahm Aogo eine Entschuldigung des Ex-Torwarts an, darüber hinaus wolle man bei einem Treffen die leidige Sache aus der Welt räumen. Jeder Mensch mache Fehler, sagte Aogo und forderte: «Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient. Und ich finde es auch nicht richtig, dass sich alle jetzt auf ihn stürzen.» Er habe ihm abgenommen, dass «es ihm leid tut». Das Thema sei für ihn erledigt, sagte Aogo und kündigte an, dass er sich «zeitnah mal mit ihm treffen» werde.

Der Berliner Verein begrüßte umgehend die Entscheidung Windhorsts. „Solche Einlassungen entsprechen in keiner Weise den Werten, für die Hertha BSC steht und sich aktiv einsetzt. Hertha BSC distanziert sich von jeglicher Form von Rassismus“, sagte Präsident Werner Gegenbauer. Inzwischen kündigten zudem die TV-Sender Sky und Sport1 an, Lehmann künftig nicht mehr als Gast einzuladen. Auch die Laureus World Sports Academy hat reagiert. «Angesichts der weit verbreiteten Kommentare haben wir Jens Lehmann informiert, dass er auf unbestimmte Zeit von seiner Rolle als Laureus-Botschafter suspendiert wurde», hieß es in einer Pressemitteilung der Organisation am Mittwoch.

Jens Lehmann und das traurige Wirrkopf-Triple aus Homophobie, Corona-Verharmlosung und Rassismus

Vollendet hat Lehmann mit der Sache das traurige Wirrkopf-Triple aus Homophobie, Corona-Verharmlosung und Rassismus. Als sein einstiger Stuttgarter Teamkollege Thomas Hitzlsperger sich 2014 outete, sagte Lehmann auf die Frage, wie er reagiert hätte, wenn er während seiner aktiven Karriere von Hitzlspergers Homosexualität gewusst hätte: „Komisch, glaube ich. Man duscht jeden Tag zusammen. (...) Niemand kann seine Gedanken kontrollieren.“ Was das anbelangt, gibt Jens Lehmann sich offenbar nicht einmal Mühe, der im Dezember 2020 twitterte: „2017 mussten wir in Deutschland 23.000 Grippe-Tote betrauern. Da hat es keiner wahrgenommen. Jetzt müssen wir genau die gleiche Sterberate innerhalb der Bevölkerung von 0,028 Prozent betrauern.“

Das sind die Geschichten, über die man sich der Person Jens Lehmann nähert. Ganz schnell möchte man sich wieder entfernen. (Jakob Böllhoff)

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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