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Borussia Mönchengladbach: ein Bild des Jammers

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Von: Ingo Durstewitz

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Sucht womöglich das Erdloch, in dem er verschwinden kann: Gladbach-Profi Matthias Ginter.
Sucht womöglich das Erdloch, in dem er verschwinden kann: Gladbach-Profi Matthias Ginter. © dpa

Eine überforderte Mannschaft, ein hilfloser Trainer, Ultras, die übers Ziel hinausschießen: Das 1:3 der Gladbacher gegen den 1. FC Köln entblößt erneut einen Klub im Alarmzustand.

Die rheinischen Derbys sind jetzt nicht so der Fall von Adi Hütter, den doch ziemlich glücklosen und mittlerweile arg ratlosen Trainer von Borussia Mönchengladbach. Gegen Bayer 04 Leverkusen setzte es eine 0:4- und eine 1:2-Niederlage, gegen den 1.FC Köln, den größeren Rivalen und damit natürlich noch viel schlimmer, musste die Elf vom Niederrhein eine 1:4- und am Wochenende eine 1:3-Heimschlappe hinnehmen. Macht summa summarum: null Punkte, 3:13 Tore in vier Partien gegen die ungeliebten Nachbarn. Viel mehr Demütigung geht nicht.

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Und so passierte am Samstagabend das, was häufiger passiert, seit die Fans wieder ins Stadion dürfen und die guten Geister vertrieben haben: Gepöbel, Schmähungen, Tiraden. In diesem Fall zitierten sie erst die Sündenböcke (vulgo: Gladbacher Spieler) vor die Kurve und beschimpften sie ungeniert, anschließend hielten es 50 Radaubrüder für eine gute Idee, eine Absperrung zu stürmen und den Vorplatz der Geschäftsstelle zu besetzen. Drei Ordner wurden verletzt, ein Großaufgebot der Polizei stoppte die wütenden Anhänger und brachte die heikle Situation unter Kontrolle. Die Führungscrew um Rainer Bonhof, Roland Virkus und Stephan Schippers sowie die Profis Yann Sommer, Lars Stindl und Tony Jantschke suchten schließlich den Dialog und wirkten deeskalierend ein. Der Vorfall schreckte die Verantwortlichen auf. „Das ist ungewöhnlich für uns und lange nicht passiert“, sagte der erfahrene Medienchef Markus Aretz. Die Macht der Fans ist in zwei Jahren Corona offenbar nicht kleiner geworden. Sie machen halt, was sie wollen.

Blödes Alphatiergehabe

Ungewöhnlich sind solche unschönen Szenen nicht, erst vor Wochenfrist demütigten Berliner Ultras die Hertha-Spieler, indem sie sie aufforderten, ihre Trikots auszuziehen und niederzulegen. Schon komisch, dass gerade diese mächtige Fangruppierung gegen ihren eigenen Leitsatz verstößt, wonach niemand größer sei als der Verein. Gilt wohl nicht für alle. Und da ist es auch kein Wunder, dass sich manch einer die noch nicht lange zurückliegende Zeit zurückwünscht, in denen Fußballspiele in Geisterhäusern ausgetragen wurden. Keine Atmosphäre, klar, aber auch kein testosterongetriebenes Alphatiergehabe. Man kann wohl nicht alles haben.

Hütter vor dem Aus?

Für Trainer Adi Hütter ist die erneute Derbyniederlage der nächste Tiefpunkt in einer ganzen Reihe an Tiefpunkten seiner noch kurzen Gladbacher Zeit. Die Borussia und der Österreicher – das scheint irgendwie nicht zu passen. Die Fans haben schon jetzt die Nase voll vom 52 Jahre alten Fußballlehrer. „Hütter raus“, skandierten sie nicht nur einmal sehr vernehmlich. „Ich kann sie verstehen“, entgegnete der Coach kleinlaut. Hütter, für 7,5 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt gekommen und ein sündhaft teurer Angestellter, hat die Borussia nicht nachhaltig stabilisieren können, auch nicht nach zuletzt vier Spielen ohne Niederlage. Sein Punkteschnitt liegt bei 1,2 – das ist niederschmetternd und wird dem Anspruch der Borussia nicht gerecht.

Hütter, der die Begegnung mit dem FC als wichtigstes Spiel des Jahres ausgemacht hatte, wirkt zunehmend hilflos. „Wir müssen uns bei den Fans für unsere Leistung entschuldigen. Es ist ein sehr bitterer Tag“, sagte er zum wiederholten Male. „Es ist unerklärlich, dass wir uns so aus der Bahn werfen lassen.“ Die Saison wird für die Fohlenelf im Niemandsland enden, und es darf nicht als gesichert gelten, dass Adi Hütter auch in der neuen Spielzeit die Geschicke am Borussia-Park lenken wird. Eine Trennung ist längst nicht mehr ausgeschlossen.

In Köln ist das ganz anders, dort wird Trainer Steffen Baumgart verehrt. Und für die Rheinländer, mit 46 Punkten auf Rang sieben, gibt es nur noch eine Richtung. „Wenn es geht, lasst uns doch international angreifen“, sagt der Coach. „Rufen wir es aus, ab, los geht’s.“ Adi Hütter hat da ganz andere Probleme.

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