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Als Tabellenerster der Bundesliga findet sich Trainer Lucien Favre (r) mit dem BVB nun in der Rolle des Gejagten.

Borussia Dortmund

Vom Jäger zum Gejagten

Der BVB hat sich mit Trainer Favre in Rekordzeit zum Titelanwärter entwickelt. Bisher ist der Bundesliga-Spitzenreiter noch ungeschlagen.

Von Jäger zum Gejagten: Borussia Dortmund steht mit acht Spielen innerhalb von 28 Tagen bis Weihnachten vor großen Herausforderungen. Bisher blieb der noch ungeschlagene Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga von Rückschlägen verschont.

Damit das so bleibt, warnte Michael Zorc vor der Partie beim FSV Mainz 05 am Samstag eindringlich davor, angesichts des Höhenflugs Siege nun als Selbstverständlichkeit zu begreifen. „Es gibt keinen Grund, von unserer Herangehensweise abzurücken, von Spiel zu Spiel zu denken“, betonte der BVB-Sportdirektor.

„Es steht um 15.30 Uhr in Mainz nicht automatisch 2:0 für uns, nur weil wir vorher so gut performt haben. Wir müssen absolut fokussiert sein, bei Null anfangen“, ergänzte Zorc und fügte an: „Gerade jetzt, wo wir soviel Lob bekommen, müssen die Antennen noch schärfer sein als in einer englischen Woche.“ Zorc ist klar, dass die Rolle des BVB sich spätestens mit dem 3:2-Sieg vor der Länderspielpause gegen den FC Bayern München verändert hat: Vom Jäger zum Gejagten.

Ähnlich sieht es Trainer Lucien Favre, der die Aussage seines Mainzer Kollegen Sandro Schwarz, dass auch der BVB „zu knacken“ sei, mit einem Lächeln quittierte. „Ja“, sagte der Schweizer, „es gibt noch viel zu korrigieren.“ Die Länderspielpause nutzte der detailverliebte Coach daher dazu, mit seinem Team hinter verschlossenen Türen intensiv zu arbeiten. Dass Stürmer Paco Alcacer nicht für die spanische Nationalmannschaft nominiert wurde, kam Favre sehr gelegen. „Er ist hier geblieben und hat alle Einheiten mitgemacht. Ich denke, das war gut für ihn. Langsam ist er fit“, sagte Favre, der bis auf Marcel Schmelzer derzeit alle Profis zur Verfügung hat.

Dass Alcacer, der beim FC Barcelona fast zwei Jahre kaum Spielpraxis hatte, laut Favre allmählich fit wird, mag für die Gegner wie eine Drohung klingen. Der 25-Jährige hat auch als Edeljoker bislang alle Erwartungen übertroffen. In acht Pflichtspielen für den BVB erzielte der Spanier neun Tore. Siebenmal davon traf er als Einwechselspieler, in 112 Spielminuten - alle 16 Minuten ein Treffer.

Kein Wunder, dass der BVB von seiner Option Gebrauch macht, den bisher nur ausgeliehenen Angreifer für eine Ablöse von insgesamt 23 Millionen Euro (davon zwei Millionen Euro Leihgebühr) bis 2023 fest zu verpflichten. Dem Vernehmen nach ist der Vertrag längst unterschrieben. Laut „Bild“-Zeitung soll der Deal auf der Jahreshauptversammlung des Vereins am Sonntag (11.00 Uhr) offiziell verkündet werden.

Auch ohne diese Nachricht wird die Stimmung in der Westfalenhalle bestens sein. Sieben Punkte Vorsprung hat der BVB vor den Bayern, vier Zähler vor dem ersten Verfolger Borussia Mönchengladbach. „Dortmund hat nach der etwas enttäuschenden letzten Saison die richtigen Lehren gezogen und ist beim Umbau den Bayern einen Schritt voraus. Da ist dank der starken Neuzugänge wesentlich mehr Konkurrenz im Kader“, lobte Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld im Interview von SPOX und Goal. Favre habe am Erfolg großen Anteil. „Er ist ein akribischer, moderner Trainer, der nie zufrieden ist. Er lässt offensiven Fußball spielen und achtet trotzdem auf die defensive Organisation.“

Gleichwohl sieht Hitzfeld den Titelkampf noch nicht als entschieden an. Für die Bundesliga sei es „enorm wichtig, dass endlich wieder Spannung herrscht“, sagte der ehemalige Meister-Trainer, der aber auch zu bedenken gab: „Jetzt sind die Dortmunder wieder vorne, weil sie am oberen Limit spielen. Die Frage wird sein, wie sie mit Rückschlägen umgehen werden. Ich glaube nach wie vor, dass Bayern am Ende Meister wird.“ Auch Bayern-Coach Niko Kovac verdeutlichte am Freitag, dass man den Titel nicht abgeschrieben habe: „Nein, im Hinterkopf habe ich immer noch das gesteckte Ziel Meisterschaft, wie der gesamte Club auch.“ (dpa)

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