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Mit seinen erst 18 Jahren wurde Jadon Sancho in der 74. Minute des Revierschlagers zum jüngsten Dortmunder Derby-Torschützen aller Zeiten.

Schalke - BVB

Jadon Sancho, trauriger Held

BVB-Matchwinner Jadon Sancho kann den Derbysieg gegen Schalke 04 nicht genießen.

Es war ein ganz besonderer Moment in einer äußerst bewegenden Woche. Ein Augenblick, den Jadon Sancho in seinem Leben wohl nie vergessen wird. Deshalb hielt er nach seinem Siegtreffer zum 2:1 (1:0) für Borussia Dortmund im 153. Pflichtspielderby beim FC Schalke 04 erst kurz inne, richtete mit den Händen einen Gruß Richtung Himmel, ehe er auf den Rasen fiel und von seinen jubelnden Mitspielern fast erdrückt wurde.

Mit seinen erst 18 Jahren wurde der Engländer in der 74. Minute des Revierschlagers zum jüngsten Dortmunder Derby-Torschützen aller Zeiten. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Borussen, die früh durch das Kopfballtor von Thomas Delaney (7.) in Führung gegangen waren, nach dem Ausgleich durch den Elfmeter von Daniel Caligiuri (61.) als verdienter Sieger vom Platz gingen.

Und erst nach dem Spiel lüftete Sancho in den Katakomben der Schalker Arena sein trauriges Geheimnis. „Dieses Tor ist für meine Großmutter, die kürzlich gestorben ist. Für meine ganze Familie“, sagte der Engländer. Unter der Woche war Sancho wegen des Trauerfalls nach London geflogen, kehrte erst zum Abschlusstraining nach Dortmund zurück.

Marco Reus hebt Sanchos Mentalität hervor

„Es war sehr schwer für ihn“, bestätigte Borussia-Trainer Lucien Favre. „Aber er wollte trainieren und unbedingt gegen Schalke spielen. Und dann macht er so ein Supertor.“ Auch Marco Reus zollte seinem jungen Nebenmann großen Respekt und hob besonders Sanchos Mentalität hervor. „Was dieser Junge in den vergangenen Tagen alles wegstecken musste“, sagte der Kapitän und bestätigte, dass ihn die Mannschaft dabei geholfen habe. „Wir sind für ihn wie eine große Familie.“

Michael Zorc sprach angesichts der Begleitumstände von einer außergewöhnlichen Leistung des kleinen Dribbelkünstlers. „Wenn man weiß, was diese Woche war, dann kann man vor ihm nur den Hut ziehen“, erklärte der Sportdirektor. „Er hat während der Partie immer sehr gut den Ball behauptet, und dann noch dieses tolle Tor erzielt“, lobte Zorc den englischen Nationalspieler, der in den vergangenen Tagen auch mit dem angeblichen Interesse des FC Barcelona konfrontiert worden war.

Sancho, der im August für eine Ablösesumme von 7,84 Millionen Euro aus dem Nachwuchs von Manchester City verpflichtet wurde, besitzt beim BVB einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022. Und sein Marktwert dürfte heute um ein zigfaches höher liegen. Zorc geht aber fest davon aus, das er zumindest noch in der kommenden Saison das schwarz-gelbe Trikot tragen wird. „Er weiß, was er an uns hat und fühlt sich sehr wohl in Dortmund“, beteuerte Zorc.

Die Bilanz spricht für das Ausnahmetalent. Fünf Treffer hat Sancho in der laufenden Saison in 14 Bundesligaspielen für die Schwarz-Gelben erzielt. Manchmal agierte er, auch im Derby, zu ballverliebt, doch sieben Torvorlagen im Verlauf der Saison belegen, wie wertvoll er inzwischen auch als Teamplayer für diese Dortmunder Mannschaft ist. In der vergangenen Serie kam er unter den Trainern Peter Bosz und Peter Stöger nur sporadisch zu Kurzeinsätzen, Favre hat ihn auch taktisch weiterentwickelt. Sancho hat unter dem Schweizer Coach inzwischen begriffen, dass zu einem guten Spieler ein ansprechendes Defensivverhalten gehört. Auf Schalke arbeitete er auch noch hinten sehr gut mit.

Das Derbyfeeling war für Sancho kein Neuland. „Das war eine harte Partie“, sagte das Ausnahmetalent. „Aber ich kenne solche Spiele. Schließlich bin ich aus England.“ Den restlichen Aufgaben bis zum Jahreswechsel sieht er optimistisch entgegen, denkt dabei aber keineswegs an die Meisterschaft. „Wir müssen so weitermachen wie bisher und Punkte sammeln.“

Schon am Montag geht es für den BVB Richtung Monaco, wo die Mannschaft am Dienstagabend (21 Uhr) im Fernduell mit Atletico Madrid noch um den Gruppensieg in der Champions League kämpft. Keine Zeit also für Jadon Sancho, seine Gefühlswelt nach dieser Achterbahnfahrt zu ordnen.

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