Treffen am Samstag im Pokal aufeinander: Cristiano Ronaldo mit Juventus Turin (links) und Theo Hernandez vom AC Mailand.
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Treffen am Samstag im Pokal aufeinander: Cristiano Ronaldo mit Juventus Turin (links) und Theo Hernandez vom AC Mailand.

Serie A

Italiens Fußball kehrt zurück - tief gezeichnet von der Corona-Krise

Ab Freitag rollt in Italien wieder der Ball - und es geht gleich ums Ganze.

Gian Piero Gasperini dachte an den Tod, so schlecht fühlte er sich. Später wurde der Trainer von Atalanta Bergamo positiv auf das Coronavirus getestet. Bei Juventus Turin waren einige der besten Spieler wie Paulo Dybala positiv. AC-Mailand-Ikone Paolo Maldini steckte sich mit dem Virus an und kritisierte gleichzeitig, dass mitten in der Pandemie weiter Fußball gespielt wurde. Es sei „Wahnsinn“ gewesen, Partien der Champions League wie die des FC Liverpool gegen Atletico Madrid auszutragen, wo man schon um Brandherde wie Madrid wusste.

Italiens Fußballwelt stand nicht nur drei Monate wegen der Corona-Krise komplett still. Spieler, Manager und Klubmitarbeiter waren ebenfalls direkt von dem Virus betroffen, das vor allem in Norditalien zugeschlagen und mehr als 34 000 Menschen das Leben gekostet hat. „Ich habe Freunde und Bekannte verloren: dramatische Momente“, sagte Inter Mailands Manager, Giuseppe Marotta, dem „Corriere della Sera“. „Meine Lieben und ich sind nicht erkrankt. Aber es ist unmöglich, von den vielen Dramen unberührt zu bleiben, die wir erlebt haben. Obwohl wir in der goldenen Welt des Fußballs leben, waren wir hilflos.“

Ab Freitag rollt nun der Ball auch wieder in Italien. Und da geht es gleich ums Ganze. Im Pokal-Halbfinale treten am Freitag Rekordmeister Juventus Turin mit Superstar Cristiano Ronaldo und der AC Mailand gegeneinander an. Ronaldo war während der Krise auf seine Heimatinsel Madeira geflüchtet.

Am Samstag folgen der SSC Neapel und Inter Mailand. Das Finale der Coppa Italia soll am kommenden Mittwoch (17. Juni) ausgetragen werden. Die Serie A, die höchste Liga, nimmt dann am 20. Juni wieder ihren Spielbetrieb auf. Zwölf Spieltage stehen noch aus.

Die Infektionen in Italien gehen seit Wochen zurück. Doch bis sich die Liga, Regierung und der Fußballverband FIGC zusammengerauft hatten und die Weiterführung der Saison beschlossen wurde, sind Wochen voller Streit und Chaos vergangen.

Viele blickten sehnsuchtsvoll auf die Bundesliga. Zeitungen verglichen den Start in Deutschland mit der Mondlandung, so historisch wertvoll sei der Moment gewesen. „Die Deutschen haben überlegt, wie man das macht, und es dann sofort in die Praxis umgesetzt“, sagte jüngst in einem Interview Marco Tardelli, Weltmeister von 1982. „Wir hingegen haben Zeit mit Streiten verloren und keine gutes Schauspiel geboten. Jetzt fangen wir glücklicherweise wieder an und versuchen, es zu genießen.“

Wie groß der Genuss sein wird, wird sich zeigen. Auch in Italien werden alle Spiele ohne Fans ausgetragen. Das Sicherheitsprotokoll für die Klubs ist streng. Fast 40 Seiten lang ist die Handreichung des Fußballverbandes und der Regierung. Es reicht von desinfizierten Mannschaftsbussen bis zur Duschanleitung und der exakten Länge der Mikrofonstangen bei Interviews. Freilich müssen alle Spieler auf das Virus getestet werden.

Sollte ein Spieler oder ein Mitarbeiter eines Klubs positiv getestet werden, muss die ganze Mannschaft zwei Wochen in Quarantäne. Für den Fall, dass der Start doch noch später erfolgen oder die Serie A frühzeitig erneut unterbrochen werden muss, hat der Verband Playoffs angekündigt. Sollte dies nicht möglich sein – etwa weil die Unterbrechung zu nah am Schlusstermin im August liegt – soll ein auf dem Punktedurchschnitt basierender Algorithmus über die Abschlusstabelle und damit die Teilnehmer am Europapokal und Absteiger entscheiden. Ein Meister, wenn dieser noch nicht feststeht, würde dann nicht gekürt.

Doch auch wenn ein möglicher neuer Abbruch wie ein Damoklesschwert über der Fußballwelt hängt: Nun überwiegt die Vorfreude auf das erste Spiel. „Wir sind fast da...wir können es kaum erwarten“, schrieb Inter-Mittelfeldspieler Antonio Candreva in den sozialen Netzwerken. „Der grüne Rasen, die Mitspieler, die Emotionen, die uns nur dieser Sport schenkt. Wir hoffen, dass wir den Fans und dem ganzen Land nach diesen Monaten des Leidens und der Schwierigkeiten Unbekümmertheit und ein Lächeln schenken können.“ (dpa)

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