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Alle zusammen ins Finale: Foto: AFP
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Alle zusammen ins Finale:

Episches Halbfinale

Italien fehlt ein Zentimeter

  • VonHendrik Buchheister
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Die Squadra Azzurra ist erstmals nicht das bestimmende Team. Doch ein unbändiger Mannschaftsgeist trägt das Team ins Finale.

Ehe das Drama seinen dramatischen Höhepunkt erreichen sollte, gab es eine Szene von erstaunlicher Leichtigkeit zu sehen im Mittelkreis des heiligen Rasens von Wembley. Normalerweise sind Mannschaftskapitäne angespannt, konzentriert, im Wettkampf-Modus, vor allem wenn sie vor einem Elfmeterschießen bei einem großen Turnier zum Münzwurf antreten, der darüber entscheidet, vor welcher Fan-Kurve der entscheidende Akt der Partie stattfindet, und welches Team das Privileg des ersten Schusses hat. Aber Italiens Spielführer Giorgio Chiellini ist nicht normal. Er ist ein bisschen verrückt, im positiven Sinne. Er scherzte mit seinem spanischen Gegenüber Jordi Alba, lachte, schlug ihm gegen die Schulter, hob ihn hoch wie seinen eigenen Sohn. Der Spanier wusste nicht recht, wie ihm geschah, ganz glücklich wirkte er nicht. Das alles geschah unter den Augen und sehr zur Erheiterung des deutschen Schiedsrichters Felix Brych und seiner Assistenten.

Die Italiener hatten es schwer im EM-Halbfinale gegen Spanien in London. Sie konnten nicht wie sonst bei dem Turnier ihr ansehnliches Offensivspiel zur Aufführung bringen, sondern waren dem spanischen Ballbesitz-Fußball über weite Strecken unterlegen und hatten Glück, dass es nach 90 und 120 Minuten 1:1 stand durch Tore von Federico Chiesa für Italien und Álvaro Morata für Spanien. Rechtzeitig zum Elfmeterschießen aber, zur psychologisch zermürbendsten Disziplin im Fußball – da waren der Witz, die Freude und das Vertrauen in die eigene Stärke zurück, durch die sich Italien bei der EM auszeichnet.

Teamgeist verleiht Flügel

Neben Chiellinis Frohsinn beim Münzwurf wurde das am besten bei dem letzten, dem entscheidenden Elfmeter von Jorginho deutlich. Er lief an, machte einen Hüpfer – und schob den Ball sanft ins Tor zum 4:2-Endstand. Beim FC Chelsea schießt Jorginho seine Strafstöße immer so (Siehe Bericht Seite S3). Aber die Nationalmannschaft auf diese Weise ins EM-Finale am Sonntag gegen England oder Dänemark (bei Redaktionsschluss noch unklar) zu bringen – das zeugt von besonderer Coolness.

Trotz dieses leichtfüßigen Schlussakts einer der besten Partien dieser EM verwendete Italiens Trainer Roberto Mancini hinterher schwere Worte. „Es gibt Spiele, bei denen man leiden muss“, sagte er. Oder: „Wir wussten, dass es hart wird.“ Und beides stimmte ja: die Italiener litten, sie hatten ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen, aber am Ende versahen sie die Revolution Mancinis – er kam nach der verpassten Qualifikation zur WM 2018 ins Amt – mit ihrem vorläufigen Höhepunkt durch den Einzug ins Endspiel. Für die italienische Delegation ist klar, dass es dabei nicht bleiben soll. Der zweite EM-Titel nach 1968 ist das Ziel: „Wir haben noch nichts erreicht“, sagte Mancini. „Noch einen Zentimeter“ müsse die Mannschaft gehen, appellierte Chiellinis Abwehr-Partner Leonardo Bonucci.

Die Italiener werden mit Tonnen an Selbstvertrauen in den Turnier-Showdown ziehen, mit dem Gefühl, dass sie den Titel verdient haben. Durch den Sieg gegen Spanien verlängerten sie ihre Serie ohne Niederlage auf 33 Spiele. 14 Partien nacheinander haben sie gewonnen. Sie sind bei der EM das wohl kompletteste, überzeugendste Team. In der Vorrunde und beim 2:1 im Viertelfinale gegen Belgien haben sie geglänzt, im Achtelfinale gegen Österreich (2:1 nach Verlängerung) und im Halbfinale haben sich durchgebissen.

Die Partie gegen Spanien zeigte außerdem, dass die Mannschaft mit Rückschlägen umgehen kann. Das Verletzungs-Aus des bisher überragenden Linksverteidigers Leonardo Spinazzola nach seinem Achillessehnenriss gegen Belgien kompensierte sie gut durch Emerson vom FC Chelsea. Der Teamgeist der Italiener wirkt beflügelnd, man sieht ihn förmlich. Etwa als der erfahrene Ersatztorwart Salvatore Sirigu, 34, vom FC Turin vor dem Elfmeterschießen fast eine Minute, eng umschlungen, Torwart Donnarumma stark redete. Sirigu, sagte der Jüngere, sei „ein ganz besonderer Mensch“.

„Wir leiden zusammen, spielen zusammen, lachen zusammen, streiten zusammen – genau so, wie es Familien machen“, sagte Jorginho. Nach seinem entscheidenden Elfmeter tat die Squadra das, was sie im Finale wieder tun will. Sie feierte – natürlich zusammen.

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