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Investoren für die Bundesliga: „Wir brauchen Kapital“

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Von: Jan Christian Müller

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Auf dem Sprung: Die Bundesliga sucht neue Wege zu mehr Kohle.
Auf dem Sprung: Die Bundesliga sucht neue Wege zu mehr Kohle. © Imago

Die Fußball-Bundesliga schürft nach einem Milliardendeal, um international mithalten zu können. Das finden nicht alle Klubbosse gut.

Schwer vorstellbar, dass die Vertreter der 36 Fußball-Bundesligisten den komplexen Satzbau von Donata Hopfen kollektiv kapieren. Einer, der die Geschäftsführerin der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in deren Businesssprech vielleicht weitgehend verstehen könnte, wenn er denn zuhören würde, ist Fernando Carro. Der weitgereiste Geschäftsführer von Bayer Leverkusen zog es bei der DFL-Generalversammlung diese Woche in Dortmund allerdings vor, sich umfassend auf seinem Laptop über die Europameisterschaft der Leichtathletik in München zu informieren.

Hopfen, seit Januar im Amt, steht unter besonderer Beobachtung. In Dortmund bemühte sich die 46-Jährige sichtlich, Kontakte zu knüpfen und Nähe und Empathie zu vermitteln. Aufsichtsrat Hans-Joachim Watzke attestierte Hopfen väterlich, sie verrichte ihre Arbeit mit „großer Ernsthaftigkeit“. Derart ernsthaft wurde offenkundig debattiert, dass die Medien von der Veranstaltung zunächst ausgeschlossen waren. Das war früher unüblich.

Hopfen hat die Internationalisierung der Bundesliga als „eines der Wachstumsfelder identifiziert“. Das ist mit anderen Worten im Grunde dasselbe, was Vorgänger Christian Seifert schon vor zehn Jahren postulierte. Offenbar mit geringem Erfolg. Schon damals kritisierte Seifert die Klubs dafür, dass sie die Mühen scheuen, sich auf der ganzen Welt zu präsentieren. Passiert ist trotz der klaren Ansagen viel zu wenig, die Auslandseinnahmen aus Medienerlösen brachen auf weit unter 200 Millionen Euro pro Jahr ein. Watzke erinnerte jetzt noch einmal daran, es könne nicht angehen, dass 14 Premier League-Klubs sich regelmäßig auf dem Globus herumtreiben, derweil sich das Gros der Bundesligisten vornehm in Zurückhaltung übt.

Das ganz große Thema, das Hopfen, Watzke und die Klubs in den Dortmunder Messehallen zu besprechen hatten und bei dem sie lieber keine Öffentlichkeit dabeihaben mochten, ist der Einstieg eines Investors, der für möglicherweise mehrere Milliarden Euro Anteile an der Bundesliga erwirbt. Hopfens Vortrag mitsamt Powerpoint-Präsentation zu diesem Thema geriet eindrucksvoll. Dass dieser strategische Partner mit seinem vielen Geld benötigt wird, darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Eine Arbeitsgruppe soll das Thema vorantreiben und bis November zur nächsten Mitgliederversammlung Ergebnisse präsentieren. Watzke: „Wir brauchen das entsprechende Kapital.“ Laut Hopfen brauche man zudem das Knowhow und die Expertise.

Donata Hopfen sucht Partner

Was das konkret heißt, wollte sie im Mediengespräch nach der Generalversammlung nicht näher erläutern. Nur so viel: Es bestehe „Einigkeit, dass wir Handlungsbedarf haben“. Nach FR-Informationen könnte es darauf hinauslaufen, dass die DFL (deren Gesamtwert mit allen 36 Marken sowie diversen Tochterfirmen in der Größenordnung 16 Milliarden Euro bewertet wird) einen Deal mit einem Private Equity-Partner macht und mit diesem eine eigene Plattform für Bundesliga-TV entwickelt. Dann müssten keine Sender wie Dazn oder Sky mehr zwischengeschaltet werden, die Liga würde ihre Spiele direkt an die Kund:innen verkaufen. Chance und Risiko zugleich.

Eines stellt Hopfen unmissverständlich klar: Die Bundesliga müsse „international handlungsfähig bleiben, um nicht abgehängt zu werden“. Es könne „keinen abgegrenzt nationalen Blick mehr auf den Fußball“ geben. Ein Dauerthema, das etwa St. Pauli-Präsident Oke Göttlich etwas anders sieht. Sein Anliegen ist vor allem, „dass die kleineren Klubs in der Zweiten Liga ihre Stimme sichtbar und hörbar einbringen, damit die mittleren und kleineren Vereine innerhalb der DFL nicht abgehängt werden“.

Es ist so ein bisschen ein Kampf gegen Windmühlen. In Dortmund sah man Göttlich sehr intensiv mit seinem Frankfurter Kollegen Axel Hellmann diskutieren. Die Bundesliga soll digitaler werden und an die Menschen in Asien, Afrika und Südamerika näher heranrücken. Unter anderem dafür ist nun auch Eintracht-Vorstandssprecher Hellmann ins DFL-Präsidium gerückt. Der 51-Jährige kennt sich mit Digitalisierungs- und Internationalisierungsstrategien aus. Watzke sagt, es sei „kein Geheimnis, dass ich die intellektuellen Fähigkeiten und das Durchsetzungsvermögen von Axel Hellmann schätze.“ Die zu nutzen, dürfte die DFL weiterbringen. Damit man nicht in zehn Jahren wieder dieselben Themen auf dem Tisch liegen hat wie im Sommer 2022.

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