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Ronaldo und Benzema, Arm in Arm. Foto: AFP
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Ronaldo und Benzema, Arm in Arm.

Welt- gegen Europameister

Ronaldo und Benzema: Alter schützt vor Toren nicht

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Rekordjäger Cristiano Ronaldo und Rückkehrer Karim Benzema beweisen mit ihren Treffern, dass Toreschießen keine Frage des Alters ist.

Das Bild ist bereits zur Pause entstanden: Cristiano Ronaldo im vertrauten Gespräch mit Karim Benzema. Wie Freunde plauschten die Stürmerstars in der mit 54 886 Augenzeugen erneut fast voll besetzten Puskas-Arena, und bald war auch klar, worum es in dieser Unterredung ging: einen vorgezogenen Trikottausch. Mehr gegenseitige Wertschätzung geht nicht. Die tiefe Verbeugung hat sich dann zwischen den Doppeltorschützen von Portugal und Frankreich nach dem 2:2 in der Neuauflage des EM-Finales von 2016 noch fortgesetzt, als Benzema über die gemeinsame Zeit mit Ronaldo bei Real Madrid sprach, die bei beiden 2009 anfing. „Es ist immer schön, ihn zu sehen, weil wir einen langen Weg gegangen sind. Wir haben acht, neun Jahre zusammen gespielt, Titel gewonnen.“ Man habe auf dem Rasen über normale Dinge geredet: „Alles ist gut, und wir wünschen uns viel Glück im Klub und mit dem Nationalteam.“

Die Reise geht nach dem Remis weiter, sowohl für den Weltmeister Frankreich, der als Gruppensieger nun in Bukarest, dem nächsten Brutkessel, auf Außenseiter Schweiz (Montag 21 Uhr) trifft, während der Europameister Portugal eine Hitzeschlacht in Sevilla gegen den ewigen Geheimfavoriten Belgien (Sonntag 21 Uhr) bestreitet. Keine Frage, die Torgaranten von ansonsten nicht übermäßig beeindruckend spielenden Turnierfavoriten könnte es gut brauchen. Benzema war in Budapest wegen seines Doppelpacks (45.+2, Foulelfmeter/47.) zum Spieler des Spiels gekürt worden, womit es dem 33-Jährigen oblag, seine besonderen Empfindungen über die ersten Treffer zum Comeback, Nummer 28 und 29 im 86. Einsatz für Les Bleus, zu beschreiben. „Jeder hat auf dieses Tor gewartet nach sechs Jahren, aber ich bin ein Spieler, der diesen Druck gewohnt ist.“

Zuletzt hatte die französischen Sportzeitung „L’Equipe“ als Meinungsmacher für die Equipe Tricolore getitelt: „Le Declic, Vite.“ Wann klickt es endlich beim Rückkehrer, der nach seiner Verwicklung in einen schmutzigen Bestechungsskandal lange Persona non grata war. Als Nationaltrainer Didier Deschamps spürte, dass sein Stoßstürmer Olivier Giroud immer mehr fürs höchste Niveau fehlt, kehrte Benzema zurück. Und dann geht es oft nur um den einen Moment – oder um Zentimeter. So wie Frankreichs Nummer 19 gegen Deutschland hauchdünn im Abseits stand, hob der Videoassistent nun die gehobene Fahne des Schiedsrichterassistenten auf. Der Grat eines Goalgetters ist gemeinhin schmal.

„Fürsorglicher Humanist“

Keiner wandelt darauf so stilsicher wie die Ikone Ronaldo, der nach zwei sicher verwandelten Strafstößen (31./60.) die nächsten Würdigungen empfing. Mit 14 Toren ist der Strahlemann alleiniger EM-Rekordtorjäger, fein säuberlich verteilt auf fünf Turnierteilnahmen. EM und WM zusammengerechnet, steht der 36-Jährige bei 21 Treffern. Und bald wird er den wertvollsten Bestwert wohl allein besitzen: Mit seinem 109 Länderspieltoren (in 178 Einsätzen) hat er den Iraner Ali Daei eingeholt. Der ehemalige Bundesligastürmer des FC Bayern gratulierte postwendend: „Glückwunsch an Cristiano. Ich fühle mich geehrt, dass diese bemerkenswerte Leistung Ronaldo gehört“, schrieb der 52-Jährige auf Instagram und würdige einen „Champion des Fußballs“ sowie „fürsorglichen Humanisten, der Leben auf der ganzen Welt inspiriert und beeinflusst“.

Klang zwar nach ein bisschen viel Lorbeer, aber Portugals Kapitän bleibt der quotenstarke Orientierungspunkt beim Titelverteidiger – zumindest dann, wenn Strafstöße weiterhin so großzügig verhängt werden, wie es der eigenwillige spanische Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz tat. Abseits ihrer Nervenstärke vom Elfmeterpunkt dienen Benzema und Ronaldo indes als lebende Belege, dass Toreschießen keine Frage des Alters ist – der Instinkt im Strafraum scheint von mancher Entwicklung abgekoppelt. Es ist kein Zufall, dass ihre Positionierung auf dem Spielfeld heutzutage nahezu identisch ist, nachdem die Rollenverteilung im Real-Dress lange eine andere war: Da lauerte Benzema in der Mitte, Ronaldo drang über rechts, links und von überall in den Strafraum ein. Portugals Nationalcoach Fernando Santos weiß längst, dass der Kapitän seinen Wert heute am besten in größtmöglicher Tornähe entfaltet. „CR7“ spielte im letzten EM-Gruppenspiel lediglich 27 Pässe, genauso viele wie Torwart Rui Patricio. Doch solche Daten sind für sein Wirken vollkommen irrelevant. Am Ende zählen nur die Tore.

Da steht übrigens beim Franzosen Kylian Mbappé immer noch eine Null, weswegen ihn Ronaldo in den Katakomben beinahe fürsorglich in den Arm nahm. Wer nur die freien Oberkörper der beiden betrachtete, erkannte verblüffende Ähnlichkeit, aber was der Weltstar von Paris St. Germain, von dem es immer noch heißt, er könnte vielleicht irgendwann in Madrid eine Ära wie Ronaldo prägen, bislang auch versucht hat: Ein EM-Tor ist ihm noch nicht gelungen. Einerseits ist er erst 22, andererseits kann man, wenn man Rekorde für die Ewigkeit aufstellen will, mit der Jagd nicht früh genug anfangen. Sonst holt man Karim Benzema zwar recht bald ein, aber einen Cristiano Ronaldo nie mehr.

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