Dritte Liga

Innovation im Haifischbecken

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Die SpVgg Unterhaching geht an die Börse und festigt ihren Plan, 2022 aufzusteigen.

Frisches Geld möglichst schnell auftreiben, ohne dafür neue Schulden zu machen – so stellt sich das Manfred Schwabl, Präsident der SpVgg Unterhaching, vor. „Wir spielen nicht Harakiri, sondern prüfen seit Ende 2017 in einer Machbarkeitsstudie die Möglichkeiten zum Gang an die Börse“, sagt der Macher des Fußball-Drittligisten: „Im Haifischbecken Profifußball braucht es besondere Innovationen.“

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, noch in diesem Jahr soll die Spielvereinigung Unterhaching Fußball GmbH & Co. KGaA an der Börse gehandelt werden. Ein mutiger Schritt, denn bisher hat das in Deutschland nur Borussia Dortmund gewagt. Die BVB-Aktie startete mit elf Euro, fiel dann jedoch auf 80 Cent und wird aktuell immerhin wieder mit acht Euro gehandelt.

„Wir haben den Markt geprüft und sehen gute Chancen für die Hachinger Aktie“, sagt Claus Lemke vom Hachinger Emissionspartner in Richtung der Zweifler. Bis zu zwölf Millionen Euro könnten durch den Börsengang in die Kasse fließen. Rund 1,5 Millionen Aktien sollen platziert werden, der Stückpreis dürfte bei acht Euro liegen. „Durch Ankerinvestoren sind bereits vier Millionen geflossen, wir stehen in Verhandlungen mit zwei Großinvestoren“, so Lemke. „Es sieht gut aus, dass wir die Ziele erreichen.“

Für Präsident Schwabl, der 16,6 Prozent der Aktien halten wird, ist dieser Börsengang die beste Variante: „Wir brauchen eine Struktur und ein Fundament, wir sehen uns als mittelständiges Unternehmen und brauchen in Zukunft keine Angst mehr um die Lizenzierung zu haben, der Börsengang gibt uns Planungssicherheit für die nächsten Jahre“, sagt Schwabl, der auch konkrete Vorstellungen über die weitere sportliche Entwicklung des Klubs nennt: „In der kommenden Saison streben wir einen einstelligen Tabellenplatz an, in der Saison 2021/22 lautet das Ziel Aufstieg in die Zweite Liga.“

Keine reine Erfolgsgeschichte

Bleibt die Frage, warum den Schritt nach dem BVB bisher kein deutscher Klub wagte? Da ist zum einen die Mitglieder- und Fankultur, die die Sache bei vielen Vereinen verkompliziert. Dazu kommt, dass Börsengänge keine reine Erfolgsgeschichte sind. Nach dem Boom in England in den 90er-Jahren haben sich dort inzwischen fast alle Klubs wieder zurückgezogen. Auf der Insel setzt man lieber auf die Investments von Scheichs und Oligarchen.

Europaweit sind rund zwei Dutzend Klubs an der Börse notiert, darunter nur wenige Spitzenteams wie Manchester United, Juventus Turin, Ajax Amsterdam oder der BVB. Wer auf Dividenden setzt, ist mit Fußballaktien schlecht beraten – sie bewegen sich oft im Centbereich. Und auch sportlich kommt der Erfolg gewiss nicht automatisch. Davor warnt zumindest der Hachinger Trainer Claus Schromm: „Die Dritte Liga ist sicher noch stärker geworden, das wird eine interessante Saison und für uns eine große Herausforderung.“ (mit dpa)

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