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Hauchte Ingolstadt wieder Leben ein: Trainer Tomas Oral.

Relegation gegen Wehen Wiesbaden

Tomas Oral haucht FC Ingolstadt neues Leben ein

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Tomas Oral hat Ingolstadt wieder flott gemacht – die Relegation gegen Wehen ist für den Trainer eine „Riesenfreude“.

Fast drei Kilometer führt die Berger Straße durch die beliebten Stadtteile Nordend und Bornheim bis mitten in die Frankfurter City. Einkaufsläden reihen sich an Restaurants und noch mehr Kneipen, Zugezogene und Ur-Frankfurter begegnen sich, viele junge Leute und einige ältere, es herrscht stets Betrieb. Einer, der das bestens kennt, ist Tomas Oral, der Trainer des Fußball-Zweitligisten FC Ingolstadt. Nicht einmal acht Wochen ist es her, da war der 46-Jährige ständig auf der Berger unterwegs, er war dort nach seiner Entlassung beim Karlsruher SC im Dezember 2016 Stammgast in einem Café, seinem eigenen Café, dem Café Leidenschaft.

Statt um Training und Taktik kümmerte er sich tagein, tagaus um Kaffee und Kuchen. Zwar beschäftigte sich der bei Würzburg geborene und seit Jahren in Frankfurt heimische Oral auch weiter mit den Entwicklungen des Fußballgeschäfts, so klapperte er am Wochenende regelmäßig die umliegenden Stadien in Darmstadt, Offenbach, Frankfurt oder Wiesbaden ab, passende Angebote aber flatterten nicht hinein – bis das Handy klingelte und Thomas Linke am anderen Ende grüßte.

Linke, früher mal Champions-League-Sieger mit den Bayern und mittlerweile mit einem beachtlich weißen Rauschebart ausgestattet, war Anfang April beim kriselnden FC Ingolstadt vom externen Berater zum Sportdirektor ernannt worden und erinnerte sich prompt an seinen ehemaligen Kompagnon, mit dem er schon von 2011 bis 2013 bei den Schanzern zusammengearbeitet hatte. Tomas Oral, der einst den FSV Frankfurt von der Oberliga bis in die zweite Liga geführt, der RB Leipzig gecoacht und als Co-Trainer von Felix Magath beim FC Fulham gearbeitet hatte, der nach seiner wenig erfolgreichen Zeit beim KSC aber auf dem Fußballlehrermarkt in Vergessenheit zu geraten schien, dieser Tomas Oral sollte den FC Ingolstadt nun also vor dem Abstieg bewahren.

Sieben Punkte Rückstand zu den rettenden Plätzen hatten die Bayern als Tabellenletzter in dieser Phase. „Für mich persönlich ist eine Chance, da brauchen wir nicht drum herumreden“, sagte Oral bei der Eröffnungspressekonferenz, „ich war schließlich zwei Jahre nicht auf dem Platz.“ Der 46-Jährige nutzt seine Chance bisher eindrucksvoll.

Von den verbleibenden sieben Spielen gewann er fünf, es gab nur eine Niederlage am letzten Spieltag in Heidenheim (2:4). Die Teilnahme an der Relegation gegen den SV Wehen Wiesbaden, bei denen der FCI heute (18.15 Uhr/ZDF) zum Hinspiel antritt, muss als großer Erfolg gewertet werden. „Es ist eine Riesenfreude für mich, dass wir diese beiden Spiele haben. Vor einigen Wochen hatten nur ganz wenige den Glauben, dass wir in diese Situation kommen könnten“, sagt Oral, der seiner verunsicherten Mannschaft, die vor ihm schon vier Trainer in dieser Saison gesehen hatte, wieder Leben einhauchte. Spieler wie den erstligaerprobten Dario Lezcano (fünf Tore in der Oral-Zeit) oder den Ex-Frankfurter Sonny Kittel (vier Tore) machte er im Eiltempo wieder flott.

Aber wie? Beim FSV hatte Oral ja einst seine Spieler durch eine Waschanlage marschieren lassen, um sie „reinzuwaschen“, in Ingolstadt verpasste er den Kickern weiße, individuell mit Motivationssprüchen beschriftete Bändchen für die Handgelenke. „Das ist ein Anker, aus dem jeder Kraft ziehen soll“, so Oral. Nun gehörte eine gewisse Psychologie schon immer zum Trainerdasein von Oral, etwas anderes aber ist für ihn noch bedeutender. „Es nützt nichts, irgendwelche Reden zu schwingen, wir müssen arbeiten“, beschreibt der Trainer sein Credo, das sich leicht auch in einem Wort zusammenfassen lässt: Leidenschaft – den Namen seines Cafés hat Tomas Oral ganz gewiss nicht unbewusst gewählt.

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