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Erlebt aktuell die beste Phase seiner Karriere: Sonny Kittel (r.).

FC Ingolstadt

Der harte Weg des Sonny K.

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Der Ingolstädter Spielmacher Sonny Kittel hat sich entwickelt und will im mittleren Fußballeralter noch mal durchstarten.

Sonny Kittel, auch schon 26 mittlerweile, kennt das Gefühl, am Boden zu liegen, hilflos und ohnmächtig. Der Offensivspieler des FC Ingolstadt ist den harten Weg gegangen, er kennt die Leere nach schweren Verletzungen und die Leere nach einem Abstieg. Mit der Eintracht (2011) und dem FC Ingolstadt (2017) ist er aus der ersten in die zweite Klasse zwangsversetzt worden. „Das möchte ich nicht mehr erleben“, sagt er vor dem Relegationsrückspiel heute Abend (18.125 Uhr/live im ZDF) in Ingolstadt gegen den Drittligadritten SV Wehen Wiesbaden.

Der FCI ist klarer Favorit, das Hinspiel in der hessischen Landeshauptstadt hat er mit 2:1 gewonnen. „Wir sind aber nicht durch“, warnt Sportdirektor Thomas Linke. „Zur Halbzeit führen wir, nicht mehr und nicht weniger.“ Für die Schanzer wäre die Rettung ein kleines Wunder, nicht nach den beiden Spielen gegen Wehen, aber nach dem Saisonverlauf. Als Tomas Oral die Ingolstädter Anfang April übernahm, waren sie abgeschlagenes Schlusslicht in Liga zwo. Dann folgte die sportliche Auferstehung.

Sonny Kittel will noch einmal durchstarten

Für Sonny Kittel wäre der Klassenerhalt etwas ganz Besonderes, dieses Gefühl, etwas Außergewöhnliches, fast schon Unmögliches geschafft zu haben, hat er in seiner Karriere schon lange nicht mehr erleben dürfen – Frusterlebnisse überwiegen. Dabei ist es, streng genommen, außergewöhnlich, dass Sonny Kittel überhaupt noch auf diesem Niveau Fußball spielen kann. Denn seine Kniegelenke sind alles andere als jungfräulich, sie haben den Shootingstar von einst, dem eine große Karriere prophezeit wurde, der mit der Eintracht deutscher B-Jugendmeister 2010 wurde und an der Seite von Julian Draxler in den Juniorennationalteams spielte, an den Rande der Verzweiflung getrieben: Kreuzbandriss 2011, Knorpelschaden 2013, Knorpelschaden 2014, Kreuzbandriss 2015. Da kann so eine Laufbahn schon mal beendet sein, ehe sie richtig begonnen hat. Kittel aber steckte nie auf, quälte sich insgesamt fast drei Jahre durch die Reha. Insofern ist jeder Tag, den der Gießener auf dem Platz verbringt, wie ein Geschenk.

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Und wenn nicht alles täuscht, so nimmt seine Karriere im mittleren Fußballeralter noch einmal Fahrt auf. Denn Kittel gehört seit zwei Jahren zu den besten Spielern in Ingolstadt, gilt als einer der herausragenden Zweitligaakteure. In der vergangenen Saison war er zweitbester Scorer, auch in dieser lange Zeit so grottenschlechten Spielzeit stach er mit elf Pflichtspieltoren und sechs Vorlagen heraus.

Und doch hat man bei dem Spielmacher latent das Gefühl, dass noch mehr ginge, dass er nicht sein ganzes Potenzial ausschöpft. Das liegt auch an seiner Körpersprache, oft wirkt er teilnahmslos, etwas phlegmatisch. Vielleicht ist er aber auch einfach einer dieser Spielertypen, bei dem vieles irgendwie aufreizend und eher lässig wirkt.

Dennoch ist ein Spieler mit seinen Fähigkeiten begehrt, sollte Ingolstadt heute den Gang in die Drittklassigkeit antreten müssen, würde er den Klub ablösefrei verlassen. Auch beim Klassenerhalt ist ein Verbleib nicht sicher. Eine Ausstiegsklausel im hohen einstelligen Millionensegment ist im Vertrag verankert – nicht viel für einen Spieler mit seinen Qualitäten. Aber auch nicht wenig für einen Spieler mit malträtierten Knien.

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