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Kniefall: Die Spieler Englands mit stillem Protest.
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Kniefall: Die Spieler Englands mit stillem Protest.

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In die Knie

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Selbst die Uefa, die sonst jedwede politische Artikulation strikt untersagt, duldet die Form des stillen Protests ausdrücklich – wie kann man auf die Idee kommen, diese Geste auszubuhen?.

Das englische Boulevardblatt „The Sun“ hat vor dem Anpfiff dieser EM eine Liste aller 24 Teilnehmer veröffentlicht und sie in zwei bemerkenswerte Kategorien unterteilt: in Knieende und Nicht-Knieende. „Take a knee“ heißt diese Art des stummen Proteste im Englischen. Auf die Knie gingen bereits die Spieler von Wales beim Auftaktspiel, auch Gegner Schweiz, Belgien und sogar der spanische Schiedsrichter haben gekniet. Und natürlich die Engländer, die das zudem schon in den Testpartien davor praktiziert hatten. Es handelt sich mit dieser Geste bekanntlich um friedlichen Protest gegen Diskriminierung, Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Der US-amerikanische Football-Profi Colin Kaepernick war vor Jahren der erste, der kniend gegen den grassierenden Rassismus in den Staaten eine weithin vernommene Botschaft aussendete, mit der Black Lives Matter-Bewegung aus den USA ist das Thema Ungleichbehandlung erneut in den Fokus gerückt. Federführend dabei waren die Profis der „Three Lions“, die mit Unterstützung ihres Trainer Gareth Southgate unmittelbar vor dem Anpfiff öffentlich ein Gegenpol gegen Rassismus setzen wollten.

Und teilweise Pfiffe ernteten. Selbst Staatsoberhaupt Boris Johnson druckste angesichts kniender britischer Fußballer herum, drückte sich um ein klares Bekenntnis.

Aber wie kann man ernsthaft auf die Idee kommen, eine solche kleine, feine Geste auszubuhen? Dieser Gedankenanstoß, dass vielleicht nicht alles rund läuft in der Gesellschaft? Ist das schon der Dorn, der wehtut?

Im Grunde ist der Kniefall eine Selbstverständlichkeit. So selbstverständlich, dass selbst die Uefa, die sonst jedwede politische Artikulation strikt untersagt, diese Form des stillen Protests ausdrücklich duldet. Und sich sogar genötigt sieht, das Publikum aufzufordern, jenen Teams Respekt zu zollen, die auf die Knie gehen. Jeder Spieler oder Offizielle, der mit einem Kniefall zum Ausdruck bringen möchte, für Gleichbehandlung einzustehen, dürfe das tun, erklärte die Uefa, progressiv wie selten.

Streng genommen ist es kaum ein Unterschied, ob diese Geste im Stadion nun ausgepfiffen wird oder ob das „N-Wort“ gerufen oder Affenlaute erklingen. Wer den Kniefall ausbuht spielt Rassismus und Rassisten in die Karten. Man muss diese Geste nicht aus falsch verstandener Solidarität nachmachen. Russen oder Kroaten etwa blieben stehen als ihre Gegenüber in die Knie gingen. Man muss sie tolerieren und als das sehen, was sie ist: Ein Symbol für Vielfalt - und gegen Einfalt.

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